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Forscher finden Supernova-Hinweise in der Tiefsee

Radioaktive Sedimente  

Forscher entdecken Hinweise auf Supernova in der Tiefsee

07.04.2016, 17:21 Uhr | dpa-AFX

Forscher finden Supernova-Hinweise in der Tiefsee. Wann hat die letzte Supernova in unserer Nähe stattgefunden? Antworten fanden Forscher in der Tiefsee. (Quelle: dpa/Greg Stewart/SLAC National Accelerator Lab)

Wann hat die letzte Supernova in unserer Nähe stattgefunden? Antworten fanden Forscher in der Tiefsee. (Quelle: Greg Stewart/SLAC National Accelerator Lab/dpa)

Wie lang ist die jüngste Sternenexplosion in der kosmischen Nachbarschaft unseres Sonnensystems her? Und wie weit entfernt war diese? Diese Fragen haben Forscher nun anhand radioaktiver Tiefsee-Sedimente bestimmt.

Die beiden vorerst letzten Supernova-Explosionen in unserer Umgebung ereigneten sich demnach vor 2,3 und 1,5 Millionen Jahren in jeweils rund 300 Lichtjahren Entfernung, wie die Wissenschaftler um Dieter Breitschwerdt von der Technischen Universität Berlin im britischen Fachblatt "Nature" berichten.

Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, und entspricht knapp zehn Billionen Kilometern.

Tiefsee-Ablagerungen einer radioaktiven Eisen-Variante

Die Wissenschaftler lesen die Ergebnisse aus den Tiefsee-Ablagerungen einer radioaktiven Eisen-Variante, die vor allem in Supernova-Explosionen entsteht. Dieses Eisen-60 hat eine Halbwertszeit von 2,6 Millionen Jahren und findet sich in der Tiefsee-Kruste aller großen Ozeane der Erde, wie eine zweite Gruppe um Anton Wallner von der Australischen Nationaluniversität in Canberra nach Analysen von Bodenproben in derselben "Nature"-Ausgabe berichtet.

Die radioaktiven Eisenatome sind demnach huckepack auf kosmischen Staubkörnchen zur Erde gereist. An der schwankenden Konzentration im Tiefseeboden lässt sich ablesen, wann besonders viel Eisen-60 aus dem All niedergeprasselt ist.

Konzentration und Halbwertszeit geben Aufschluss

Das Team um Breitschwerdt hat für seine Analyse den Transport dieser Eisen-Variante auf die Erde modelliert. Anhand von Konzentration und Halbwertszeit ergeben sich Zeit und Entfernung der Supernova-Explosionen. Beide explodierten Sterne stammten demnach aus der sogenannten Lokalen Blase im All, einer Region voller heißem, diffusem Gas, in die unser Sonnensystem eingebettet ist.

Die Lokale Blase wurde vermutlich durch 14 bis 20 Supernova-Explosionen in einer Gruppe von Sternen erzeugt, die sich gemeinsam bewegen. Die Wissenschaftler um Breitschwerdt haben die Bewegung dieser Sterne zurückgerechnet und mit statistischen Methoden jeweils den wahrscheinlichsten Ort der beiden jüngsten Supernova-Explosionen bestimmt. Vor 2,3 Millionen Jahren explodierte demnach eine Sonne im heutigen Sternbild Wolf (Lupus), vor 1,5 Millionen Jahren krachte es im heutigen Sternbild Waage (Libra).

Wie beeinflussen Supernovae das Klima und die Evolution?

Die Forscher spekulieren, in welchem Umfang nahe Supernovae das Klima und vielleicht sogar die Evolution auf der Erde beeinflussen können. Für die beiden jetzt identifizierten Sternexplosionen haben die Wissenschaftler zwar keine handfesten Belege für signifikante Auswirkungen auf die Erde. Je näher eine Supernova explodiert, desto größer sind jedoch die Folgen.

Innerhalb einer Entfernung von etwa 25 Lichtjahren wären die Folgen katastrophal, schreibt Adrian Melott von der Universität von Kansas in einem Begleitkommentar in "Nature". Astronomen rechneten etwa alle 800 Millionen Jahre mit einem derartigen Ereignis - erdgeschichtlich gesehen ist das nicht besonders lang.

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