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UNHCR rechnet vor: Pro Atemzug müssen zwei Menschen fliehen

Flüchtlingswelle erreicht Rekordniveau  

Pro Atemzug müssen zwei Menschen fliehen

20.06.2016, 20:45 Uhr | dpa

UNHCR rechnet vor: Pro Atemzug müssen zwei Menschen fliehen. Weltweit sind die meisten Flüchtlinge im eigenen Land unterwegs - wie diese Iraker, die von der Terrormiliz Islamischer Staat aus ihrer Heimatstadt Mossul vertrieben wurden. (Quelle: Reuters)

Weltweit sind die meisten Flüchtlinge im eigenen Land unterwegs - wie diese Iraker, die von der Terrormiliz Islamischer Staat aus ihrer Heimatstadt Mossul vertrieben wurden. (Quelle: Reuters)

Syrien, Südsudan, Burundi, Ostukraine: Blutige Konflikte vertreiben überall auf der Welt immer mehr Menschen. Die Vereinten Nationen beklagen einen neuen traurigen Rekord - und dass die Hilfsbereitschaft abnimmt.

Krieg, Gewalt, Verfolgung und aussichtslose Lebensbedingungen haben inzwischen 65 Millionen Menschen aus ihren Heimatorten vertrieben - mehr als je zuvor. Die allermeisten davon kommen dabei nicht nach Europa: 86 Prozent.

Jeder 113. Erdenbewohner sei davon inzwischen direkt betroffen, beklagt der Weltbericht 2015 des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR). Damit habe die Gesamtzahl der Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden "ein trauriges Rekordniveau" erreicht, heißt es in der aktuellen UN -Studie, die am heutigen Weltflüchtlingstag vorgelegt wurde.

"Während im Jahr 2005 durchschnittlich sechs Menschen pro Minute entwurzelt wurden, sind es heute 24 pro Minute - das sind statistisch zwei Menschen pro Atemzug", heißt es in dem Bericht der Uno.

"Erschreckend viele" Todesopfer

Zugleich hätten sich die Gefahren auf den Fluchtrouten vervielfacht, erklärte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi. "Auf dem Meer verlieren erschreckend viele Menschen ihr Leben, der Landweg ist durch geschlossene Grenzen zunehmend blockiert und in manchen Ländern wird gegen Asyl politisch Stimmung gemacht."

Zudem sinke die Bereitschaft von Staaten, sich der Flüchtlingskrise zu stellen und "im gemeinsamen Interesse der Menschlichkeit" für deren Bewältigung zusammenzuarbeiten, bedauert Grandi. "Dabei ist es genau dieser einende Geist, der so dringend gebraucht wird."

Zum ersten Mal seit Bestehen des UNHCR sei durch den Anstieg der Flüchtlingszahlen auf insgesamt 65,3 Millionen Menschen bis Ende 2015 die "60-Millionen-Marke" überschritten worden. "Insgesamt ist die globale Zahl der Menschen auf der Flucht in etwa so groß wie die Einwohnerzahlen von Großbritannien, Frankreich oder Italien."

Die meisten sind Binnenvertriebene

21,3 Millionen Flüchtlinge hielten sich dem UN-Bericht zufolge Ende 2015 in fremden Ländern auf. 40,8 Millionen seien Vertriebene innerhalb ihrer Heimatstaaten. Weitere 3,2 Millionen warteten im Ausland auf Entscheidungen über ihre Asylanträge - der höchste bisher von UNHCR verzeichnete Stand.

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Laut UNHCR ist etwa die Hälfte der Flüchtlinge jünger als 18 Jahre. Besonders beunruhigend sei die hohe Zahl an Kindern, die allein reisten oder von ihren Eltern getrennt wurden. 98.400 Asylanträge seien von unbegleiteten Kindern gestellt worden.

Die Bearbeitung von Asylanträgen sei aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen stark verzögert. Dabei wurden allein in Deutschland 441.900 Asylanträge und damit mehr als in jedem anderen Land der Welt gestellt.

Die Wenigsten kommen nach Europa

"Das ist vor allem auf die Bereitschaft Deutschlands zurückzuführen, Flüchtlinge aufzunehmen, die 2015 über das Mittelmeer nach Europa kamen", erklärte das UNHCR. Die USA hätten die zweithöchste Zahl von Asylanträgen verzeichnet (172.700). Viele Menschen, die dort Asyl beantragten, seien vor der Bandenkriminalität in Zentralamerika geflohen.

Auch in Schweden (156.000) und Russland (152.500) seien vergleichsweise viele Asylanträge registriert worden. Das weltweit größte Aufnahmeland ist aber weiterhin die Türkei mit derzeit 2,5 Millionen Flüchtlingen.

Insgesamt halten sich die weitaus meisten Flüchtlinge in Ländern außerhalb Europas auf: 86 Prozent der vom UNHCR betreuten Menschen haben in Staaten mit niedrigem bis mittlerem Einkommen Schutz gesucht. Dabei hat der Libanon mit 183 Flüchtlingen auf 1000 Einwohner im Verhältnis zu seiner Bevölkerungszahl mehr Flüchtlinge aufgenommen als jeder andere Staat.

Anstieg seit 20 Jahren

Seit Mitte der 1990er Jahre haben laut UNHCR Flucht und Vertreibung stetig zugenommen, jedoch seien die Zahlen in den vergangenen fünf Jahren "rasant nach oben geschnellt". Zu den Hauptgründen gehört der Syrien-Krieg. Jedoch treiben auch etliche andere Konflikte Hunderttausende von Menschen in die Flucht, unter anderem im Südsudan, im Jemen, in Burundi, der Ukraine und der Zentralafrikanischen Republik.

 

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