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Ozonloch über Antarktis schließt sich: FCKW-Verbot hat sich bewährt

Klimaforschung  

Forscher jubeln: Das Ozonloch über der Antarktis wird kleiner

03.07.2016, 17:43 Uhr | dpa

Ozonloch über Antarktis schließt sich: FCKW-Verbot hat sich bewährt. Das Ozonloch über der Antarktis am 24. September 2006 (r) und am 9. Juni 2013 auf einer Computergrafik. Die blauen und violetten Farben zeigen an, dass die Ozonschicht dünn ist, die gelben, grünen und roten weisen auf mehr Ozon hin. (Quelle: dpa/NASA)

Das Ozonloch über der Antarktis am 24. September 2006 (r) und am 9. Juni 2013 auf einer Computergrafik. Die blauen und violetten Farben zeigen an, dass die Ozonschicht dünn ist, die gelben, grünen und roten weisen auf mehr Ozon hin. (Quelle: NASA/dpa)

Ozonloch – das Wort wurde Mitte der 80er-Jahre zum Inbegriff für lebensbedrohliche Umweltzerstörung. Aus Auslöser galten Treibgase wie FCKW, die die Ozonschicht schädigen. Das folgende, weitreichende FCKW-Verbot hat sich bewährt: Das Ozonloch über der Antarktis scheint sich langsam zu schließen.

Rund drei Jahrzehnte nach dem Verbot der ozonzerstörenden Chemikalien gebe es Hinweise darauf, dass ein Regenerationsprozess eingesetzt hat und sich die Ozonschicht stabilisiert, berichten Forscher aus Großbritannien und den USA im Fachblatt "Science". "Wir können jetzt sicher sein, dass die Entscheidungen, die wir getroffen haben, den Planeten auf den Weg der Heilung gebracht haben", sagt Susan Solomon, Hauptautorin der Studie.

Rekordwert nach Vulkanausbruch 

Noch im vergangenen Jahr waren Experten irritiert angesichts der damals festgestellten immensen Ausdehnung des Ozonlochs. Die gemessene Rekordfläche sei jedoch auch auf den Ausbruch des Vulkans Calbuco in Chile zurückzuführen, fanden die Forscher nun heraus.

Das Team um Susan Solomon vom Massachusetts Institute of Technology hatte die jährliche mittlere Dicke der Ozonschicht und die Größe des Ozonlochs über der Antarktis im Monat September zwischen 2000 und 2015 ermittelt.

Das Ozonloch öffnet sich jedes Jahr im Frühling auf der Südhalbkugel. Dann sorgt die nach dem langen Polarwinter einsetzende Sonneneinstrahlung dafür, dass die ozonschädigenden Stoffe, die sich im Winter angereichert haben, ihre Wirkung entfalten können. Im Oktober erreicht das Ozonloch jeweils seine größte Ausdehnung.

Die Forscher analysierten nun Ozon-Daten sowie Satelliten-Messungen von Schwefeldioxid, das bei Vulkanausbrüchen frei wird und den Ozonabbau beschleunigen kann. Außerdem berücksichtigten sie verschiedene meteorologische Daten wie Temperatur und Wind. Die September-Messwerte verglichen sie dann mit solchen aus Simulationsmodellen, die die Entwicklung der Ozonwerte unter verschiedenen Bedingungen vorausberechneten.

Weniger zersetzende Chemikalien in der Ozonschicht

Sie fanden heraus, dass das September-Ozonloch zwischen den Jahren 2000 und 2015 um mehr als vier Millionen Quadratkilometer geschrumpft ist. Das ist eine Fläche größer als Indien. Der Tag, an dem eine bestimmte Größe des Ozonlochs überschritten wird, verschiebe sich Jahr für Jahr weiter nach hinten, schreiben die Forscher. Sie konnten außerdem zeigen, dass die Abnahme des Ozonlochs zu mehr als 50 Prozent darauf zurückzuführen ist, dass die Menge schädlicher Chemikalien in der Ozonschicht zurückgeht.

Aber warum untersuchten die Forscher die Septemberwerte und legten ihren Fokus nicht auf Oktober, wenn das Ozonloch sein größtes Ausmaß erreicht? Die Oktoberdaten seien anfälliger für Schwankungen, etwa durch kleine Veränderungen der Meteorologie, sagt Solomon.

Das Ozonloch rüttelte die Menschheit auf

Erste Hinweise auf ein Loch in der schützenden Ozonschicht in der Stratosphäre - also in etwa 10 bis 50 Kilometer Höhe - fanden Wissenschaftler Anfang der 1980er Jahre. 1985 berichteten sie im Fachblatt "Nature" davon und rüttelten mit diesem Bericht die Fachwelt auf. Schnell war klar, dass vor allem Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW), die weltweit als Treibgase, Kühlmittel oder zur Herstellung von Schaumstoffen verwendet wurden, für die Zerstörung des Ozons verantwortlich sind. Bereits zwei Jahre nach Veröffentlichung des Berichts beschlossen fast 200 Staaten im Montreal-Protokoll langfristig ein Verbot der Substanzen.

Wird sich das Ozonloch schließen?

"Jetzt sehen wir tatsächlich, dass der Planet sich erholt. Das ist eine wundervolle Sache", jubelt das Forscherteam um Susan Solomon. "Das ist eine schöne Studie, die die Entwicklung belegt, die man auch erwartet hat", sagt auch der Physiker Jens-Uwe Grooß vom Institut für Energie- und Klimaforschung am Forschungszentrum Jülich, der nicht an der Studie beteiligt war. "Ein Clou daran ist, dass die Wissenschaftler sich die Entwicklung des Ozonlochs im September - und nicht wie bisher im Oktober - angeschaut haben. Und dort sieht man sowohl in den Messdaten als auch in den Modellen Jahr für Jahr einen Anstieg des Ozons. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis man diese Entwicklung dann auch im Oktober sieht."

Mit einer vollständigen Schließung des Ozonlochs rechnen Experten aufgrund der langen Lebensdauer der ozonschädigenden Substanzen erst etwa Mitte des 21. Jahrhunderts.

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