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"Serial"-Podcast weckt Zweifel: Adnan Syed doch kein Mörder?

Verurteilung von Adnan Syed aufgehoben  

"Serial"-Podcast weckt Zweifel an Mordurteil

01.07.2016, 15:20 Uhr | AFP, dpa

"Serial"-Podcast weckt Zweifel: Adnan Syed doch kein Mörder?. Der Podcast "Serial" rollte den Fall von Adnan Syed neu auf - und sorgte für eine Überraschung. (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)

Der Podcast "Serial" rollte den Fall von Adnan Syed neu auf - und sorgte für eine Überraschung. (Quelle: Monika Skolimowska/dpa)

Adnan Syed hat immer beteuert, seine Ex-Freundin nicht umgebracht zu haben. Seit 16 Jahren sitzt er aber in den USA im Gefängnis. Ein Podcast erzählte seine Geschichte – und sorgte für eine unerwartete Wendung.

In den USA wird ein mysteriöser Mordfall neu vor Gericht aufgerollt, nachdem er zum Gegenstand einer spektakulär erfolgreichen Radio-Podcast-Serie "Serial" geworden war. Richter Martin Welch in Baltimore kündigte am Donnerstag (Ortszeit) an, der vor 16 Jahren wegen Mordes an seiner Ex-Freundin verurteilte Adnan Syed werde ein neues Verfahren bekommen. Syeds Anwalt Justin Brown, der seit langem auf einen solchen Schritt gedrängt hatte, zeigte sich begeistert: "Wir haben einen neuen Prozess gewonnen!", twitterte er.

Syed soll seine Ex-Freundin erdrosselt haben

Der Mordfall vor mehr als anderthalb Jahrzehnten war damals von der Öffentlichkeit weitgehend ignoriert worden. Syed, der heute 35 Jahre alt ist, war für schuldig befunden worden, seine Ex-Freundin Hae Min Lee auf einem Supermarktparkplatz aus Eifersucht erdrosselt zu haben. Der Teenager wurde dafür zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ein Radiosender nahm sich des Falls an und produzierte eine zwölfteilige, im Internet herunterladbare Serie namens "Serial", die Millionen von Hörern fand. Sie kombinierte investigativen Journalismus, Berichte von Beteiligten und spannende Erzählstrecken. Allein im iTunes-Store von Apple wurde der Podcast mehr als fünf Millionen Mal heruntergeladen.

Die Autoren der Serie warfen ernsthafte Fragen auf, ob Syed, der die Tat stets bestritten hatte, in dem Verfahren fair verteidigt wurde und ob die zu seiner Belastung angeführten Beweismittel tatsächlich stichhaltig waren. Diesen Fragen soll nun der neue Prozess nachgehen. Die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Maryland hatte vergeblich versucht, das neue Verfahren zu verhindern. Er glaube nicht, dass das Verfahren ohne den Podcast wieder aufgenommen worden wäre, sagte Anwalt Brown laut "New York Times".

Anwalt hofft auf Freispruch für Syed

Der jetzige Anwalt Brown ist zuversichtlich, dass Syed freigesprochen wird, wie er der Zeitung zufolge auf einer Pressekonferenz sagte: "Das hier war die größte Hürde. Es ist sehr schwer, ein neues Verfahren zu bekommen." Es war zunächst unklar, wann der neue Prozess beginnt, und ob Syed nun auf freien Fuß kommt.

"Wir sind einfach sehr glücklich", zitierte die Zeitung "Baltimore Sun" Syeds Bruder Yusuf. "Es ist nicht nur ein Sieg für uns, sondern für viele Leute, die im System gefangen sind, denn es hat vielen Leuten die Augen geöffnet, was das Justizsystem betrifft."

Gerichtsentscheidung überrascht "Serial"-Journalisten

US-Journalistin Sarah Koenig entwickelte die Doku und berichtete darin persönlich, fällte kein Urteil und erklärte auch in der letzten Folge, weiterhin nicht zu wissen, wer der Täter sei. Allerdings brachten ihre Berichte neue Hinweise ans Licht, warfen Fragen auf und riefen auch Hobby-Ermittler auf den Plan.

Sie sei von der Gerichtsentscheidung überrascht, sagte Koenig der Zeitung "Baltimore Sun". Sie verarbeite das komplexe Urteil und dessen Ausmaß noch und wolle sich zunächst nicht weiter äußern.

Ein ähnliches Format produzierte 2015 der Online-Videodienst Netflix. In "Making a Murderer" wird der Fall des wegen Mordes verurteilten Steven Avery erzählt, der nach Ansicht der Macher der Doku unschuldig im Gefängnis sitzt. Auch sein Fall könnte im Zuge der Berichterstattung neu aufgerollt werden.

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