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Florian Harms
Tagesanbruch
Was heute morgen wichtig ist
von Florian Harms
              
Montag, 29. Januar 2018
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:
Was war?
Ingvar Kamprad
(Quelle: Reuters)
Viele Menschen beeinflussen unser Leben. Angela Merkel und Martin Schulz gehören dazu, die in diesen Tagen darüber verhandeln, was sie uns in den kommenden vier Jahren politisch auftischen wollen. Wladimir Putin gehört auch irgendwie dazu, der gestern seinen gefährlichsten Kritiker Alexej Nawalny festnehmen ließ. Aber der Mann, der einen noch viel größeren Einfluss auf unser Leben hat, heißt Ingvar Kamprad. Müsste ich schätzen, würde ich sagen, dass in drei von vier deutschen Haushalten seine Produkte herumstehen. Bei mir natürlich auch, das Modell "Gnedby" sogar gleich dreimal. Gestern ist der Ikea-Gründer im Alter von 91 Jahren gestorben. Nun liest man viel, auch Spöttisches über den geizigen Milliardär mit der zweifelhaften Vergangenheit, der unsere Wohnzimmer mit uniformen Billigmöbeln zugestellt hat. Aber ich bin ihm trotzdem dankbar. Er hat das Einrichten demokratisiert.
Wolf imago
(Quelle: imago)
Als Stuttgarter bin ich VfB-Anhänger qua Geburt. Und habe als solcher seit vielen Jahren viel zu leiden. Management-Chaos, sinnfreie Transfers und viele, viele Niederlagen: Es ist derzeit nicht schön, VfBler zu sein. Nun auch das noch: Trainer Hannes Wolf, Held des Wiederaufstiegs, wurde vor die Tür gesetzt – und natürlich verlief die Trennung ebenso chaotisch wie alles beim VfB. Was steckt dahinter und wie geht es jetzt weiter am Neckar? Kommt etwa "Quälix" Magath zurück? Der Überblick.
Grammy AP
(Quelle: AP)
Und falls Sie heute Morgen keinen anderen Gedanken im Kopf haben als die Frage, welcher Song der beste des Jahres 2017 war, dann dürfen Sie jetzt ganz schnell hier klicken: Denn hier stehen die Sieger der Grammy-Awards – darunter auch die deutschen Elektro-Pioniere Kraftwerk, die überraschend den Preis für das beste Dance-Album abgeräumt haben.
Was steht an?
Stalingrad 2 ullstein
(Quelle: ullstein)
Stalingrad – dieses Wort ist viel mehr als der ehemalige Name einer Stadt. Es ist ein Synonym für die kalte Brutalität des Krieges, für massenhaftes Leid, Verwundung, Tod. Für das sinnlose Opfern von Hunderttausenden Menschenleben.
Warum veröffentlichen wir heute auf t-online.de einen Schwerpunkt zu diesem Thema; was kann, was soll uns Nachgeborene die Erinnerung an diese Schlacht lehren? Kann sie mehr sein als ein schaudernder Rückblick in eine längst vergangene Zeit, mehr als ein paar unscharfe Schwarz-Weiß-Fotos und abstrakte Zahlen?

Auf Seite der Deutschen und ihrer Verbündeten starben etwa 150.000 Soldaten in den Kämpfen um Stalingrad an Verwundungen, Hunger, Kälte; das genaue Schicksal von Zehntausenden ist bis heute ungewiss. Rund 110.000 gerieten in sowjetische Gefangenschaft, aus der viele Jahre später nicht einmal 6.000 zurückkehrten. Auf der Gegenseite waren die Verluste noch weit größer: In der gesamten Schlacht vom Sommer 1942 bis zum Februar 1943 sollen bis zu eine halbe Million Rotarmisten gefallen sein. Ein Wahnsinn. mehr
Stalingrad 3 ullstein
(Quelle: ullstein)
Wenn wir uns heute, 75 Jahre nach der Kapitulation, der deutschen Truppen in den beiden Kesseln von Stalingrad, an diese bestialische Menschen- und Materialschlacht, erinnern, können wir damit mehrere Gedanken verbinden.

Da ist erstens, natürlich, die Empathie mit den Opfern auf beiden Seiten. Über das Leid und die Hoffnung der eingeschlossenen Deutschen, aber auch die Entschlossenheit der Rotarmisten, die eisern ihre Heimat verteidigten, lesen wir in Feldpostbriefen und Dokumenten, von denen wir in den kommenden Tagen eine Auswahl veröffentlichen werden.

Zu den Opfern gehören nicht nur die Toten, sondern auch jene, die überlebt haben und die Bilder dieser Schlacht ihr Leben lang nicht loswerden. Nur wenige können uns noch von ihren Erlebnissen berichten. Hans-Erdmann Schönbeck ist einer von ihnen. "Das Verhältnis zum Tod ist für mich immer flüchtig gewesen", sagt er in dem Interview, das meine Kollegen Marc von Lüpke und Rüdiger Schmitz-Normann in München mit ihm geführt haben. Es ist ein eindrucksvolles Gespräch, das wir in Text und Video aufgezeichnet haben. Wie der 95-Jährige da auf dem Sofa in seinem Wohnzimmer sitzt und erzählt, da werden die Ereignisse im Winter 1943 auch für uns Nachgeborene plötzlich greif- und nachfühlbar. mehr
Stalingrad 1 Hans-Erdmann Schönbeck, 1941 in der Ukraine, Credit Repro Michela Morosini
Hans-Erdmann Schönbeck 1941 in der Ukraine (Quelle: Repro Michela Morosini)
Noch einen zweiten Gedanken verbinden wir mit dieser Schlacht. Zwar war die Niederlage für die deutschen Soldaten und ihre Angehörigen grausam – für Deutschland aber war sie eine Zäsur auf dem Weg zur Befreiung vom Nationalsozialismus. Sie markierte einen Wendepunkt im deutschen Vernichtungskrieg an der Ostfront. "Der Untergang der 6. Armee in Stalingrad wurde zu einem weltweit beachteten Symbol, dass die deutsche Wehrmacht besiegt werden konnte", sagt der Militärhistoriker Sönke Neitzel im Gespräch mit meinem Kollegen Marc von Lüpke.

In seiner berühmten Rede sprach Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1985 vom 8. Mai 1945 als dem "Tag der Befreiung"In diesem Sieg der Alliierten über das NS-Regime spielte die Kapitulation der 6. deutschen Armee gut zwei Jahre zuvor eine wichtige Rolle. Deshalb können wir auch die Ereignisse im Januar und Februar 1943 als Wochen der Befreiung sehen.

"Jede Demokratie bestimmt durch die Erinnerung an ihre Vergangenheit auch ihre Gegenwart", schreibt unser Autor Gerhard Spörl in seiner heutigen Kolumne. "Damit zeigt sie, was ihr wichtig ist und wofür sie Verantwortung übernimmt. An Gedenktagen hält sie inne, schaut zurück und zugleich nach vorne. Ob sie es souverän angeht oder manieriert, ob sie Ernst walten lässt oder nur Routine übt, sagt einiges über ihr Selbstverständnis und ihr Selbstvertrauen aus." mehr
Deshalb ist der dritte Gedanke bei der Erinnerung an Stalingrad eine Lehre, die wir aus der Geschichte ziehen: Nie wieder darf von deutschem Boden ein Angriffskrieg ausgehen, nie wieder dürfen wir uns anderen Völkern, Ethnien, Ländern überlegen wähnen. Die Verpflichtung zu einem demokratischen, friedlichen, europäischen Deutschland – auch sie ist eine Lehre aus Stalingrad.
syrien
Kämpfer der "Freien Syrischen Armee" in der Region Azaz (Quelle: dpa)
Von den Schlachtfeldern der Vergangenheit zu den Schlachtfeldern der Gegenwart: Heute treffen sich in Sotschi Vertreter von Russland, Iran und der Türkei, um über eine "Nachkriegsordnung für Syrien" zu sprechen. Das klingt nach einer ermutigenden, Frieden stiftenden Initiative. In Wahrheit geht es vor allem darum, das Bürgerkriegsland in verschiedene Einflusszonen aufzuteilen. Kein Wunder, dass die meisten Oppositionsgruppen die Konferenz boykottieren. mehr
stone
(Quelle: dpa)
Auch Bundespräsident Steinmeier ist heute im Nahen Osten unterwegs. Am Morgen besucht er in Jordanien das syrische Flüchtlingslager al-Asrak und anschließend die nahe gelegene Luftwaffenbasis. Dort sind deutsche Soldaten stationiert, die den Kampf gegen den "Islamischen Staat" unterstützen.

Am Nachmittag fliegt Steinmeier nach Beirut und trifft den libanesischen Präsidenten Michel Aoun. Das Land ist wegen der konfessionellen Konflikte und der vielen syrischen Flüchtlinge dringend auf Unterstützung angewiesen. Zwar darf sich der Bundespräsident qua Amt nicht in die Außenpolitik einmischen. Aber wenn der Bundespräsident zugleich Deutschlands erfahrenster Diplomat ist, dürften die Grenzen des Amtes ein wenig durchlässiger sein. mehr
trump
(Quelle: dpa)
Auch auf der anderen Seite des Globus geht es heute um Konflikte, allerdings eher hausgemachte. Der Stab von US-Präsident Trump will am Abend seine Eckpunkte für eine Einwanderungsreform vorstellen. Dazu sollen neue Regeln und auch eine Entscheidung über die umstrittene Mauer zu Mexiko gehören. Ich bin gespannt. mehr
nagelsmann imago
(Quelle: imago)
"Vor dem Spiel habe ich ihn noch gesiezt. Jetzt darf ich Jupp sagen", verkündete Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann am Samstag stolz. Dass Heynckes ihm das Du angeboten hat, war allerdings der einzige Grund zur Freude für den jüngsten Trainer der Bundesliga-Geschichte. Er hat nicht nur 2:5 bei den Bayern verloren, sondern mit der TSG auch nur drei der letzten 14 Ligaspiele gewonnen. 

Nun werden die Zweifel immer lauter: Hat Nagelsmann überhaupt das Zeug zur Führung eines Top-Klubs? "Nein, der Hype ist vorbei", urteilt Sportbuzzer-Fußballchef Heiko Ostendorp, der sich in unserem Format "Zweikampf der Woche" mit meinem Kollegen Florian Wichert duelliert. Warum der t-online.de-Sportchef Ostendorps Meinung für Unsinn hält und weiter an den 30-jährigen Trainer glaubt: Das lesen Sie heute morgen in den Tageszeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland und natürlich auf t-online.de.
Was lesen?
Am Freitag flocht ich im "Tagesanbruch" dem scheidenden Grünen-Chef Cem Özdemir einen kleinen Lorbeerkranz und bezeichnete seinen Abgang als Verlust für die Partei. Da wird es jeder Nachfolger schwer haben, dachte ich. Aber dann sah ich am Samstag die Antrittsrede der neuen Vorsitzenden Annalena Baerbock und las ihr Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Da kann ich nur sagen: Alle Achtung. Von dieser Frau können wir interessante Impulse erwarten.
Zur Entspannung einfach mal wieder ins Kino..., das geht nicht immer auf. Derzeit vor allem in Indien nicht, wo eine melodramatische Bollywood-Produktion angelaufen ist, die nicht mit Schlangen an der Kasse, sondern brennenden Autos, Anschlägen und Unruhen begrüßt wird. Im 14. Jahrhundert spielt der Streifen und stellt den Angriff eines muslimischen Königs auf das Reich einer Hindu-Königin dar. Stein des Anstoßes ist eine Romanze zwischen den beiden Gekrönten, inklusive einer Szene, in der sich der König in einem angeblich unsittlichen Traum an seine Gegnerin heranmacht. Dabei gibt es die Szene gar nicht. Hindu-Extremisten sind lediglich Gerüchten aufgesessen – ihre Gewaltausbrüche sind trotzdem real. (engl.)
Viele kleine Läden verschwinden, ohne dass man sich darüber wundert, warum das so ist. Der sprichwörtliche Tante-Emma-Laden an der ebenso sprichwörtlichen Ecke: Man muss schon etwas älter sein, um sich daran überhaupt noch zu erinnern. Der Siegeszug der Supermärkte hat dieser Branche ein rasches Ende gemacht. Überrascht hat mich aber, nun auch vom Niedergang der Blumenläden zu erfahren. Können Discounter einem fähigen Floristen wirklich zur Gefahr werden? Sie können. Leider.
Was fasziniert mich?
Erinnern Sie sich noch? Vergangene Woche habe ich Ihnen einen virtuosen Skifahrer bei seiner rasenden Abfahrt gezeigt. Heute darf er noch mal ran – wieder bei einer rasenden Abfahrt auf seinen zwei Brettern, diesmal aber ohne Schnee. Der Clip ist als virales Video gedacht, um Werbung für eine bekannte deutsche Automarke zu machen – normalerweise ein K.-o.-Kriterium für meine Empfehlungen an dieser Stelle. Aber wenn sie das Video gesehen haben, werden Sie verstehen, warum ich diesmal eine Ausnahme mache.
Ich wünsche Ihnen einen rasanten Start in die Woche. Und falls Sie den "Tagesanbruch" noch nicht abonniert haben, können Sie das unten tun.
Ihr Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: harms.chefredaktion@t-online.de
Mit Material von dpa.

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