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Kinder vergiftet aus Verzweiflung: Mutter ins Gefängnis?

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Prozesse  

Kinder vergiftet aus Verzweiflung: Mutter ins Gefängnis?

16.05.2018, 17:19 Uhr | dpa

Kinder vergiftet aus Verzweiflung: Mutter ins Gefängnis?. Landgericht Karlsruhe

Das Landgericht in Karlsruhe. Foto: Uli Deck/Archiv (Quelle: dpa)

Weil eine Mutter ihren Kindern und sich selbst einen beinahe tödlichen Medikamenten-Mix verabreichte, will die Staatsanwaltschaft sie ins Gefängnis bringen. Wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung forderte der Vertreter der Anklage am Mittwoch in Karlsruhe dreieinhalb Jahre Haft. Der Verteidiger hingegen hält eine Freiheitsstrafe für ausreichend, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann, maximal zwei Jahre.

Zum Prozessauftakt (1 Ks 200 Js 21399/17) legte die Mutter vor dem Landgericht Karlsruhe ein Geständnis ab. Sie habe aus Verzweiflung gehandelt, sagte die 27-Jährige unter Tränen. Im Juni vergangenen Jahres hatte die Frau aus Marxzell sich und ihre Kinder im Alter von zwei und vier Jahren mit einer Limonade vergiftet, in der sie verschiedene Schmerzmittel aufgelöst hatte. Alle drei wurden rechtzeitig gerettet, da der getrennt lebende Ehemann aus Sorge die Polizei verständigt hatte.

"Nach dem Gutachten des Toxikologen habe ich keinen Zweifel daran, dass die Mischung geeignet gewesen wäre, die beiden Kinder ins Jenseits zu befördern", sagte die Staatsanwaltschaft. Entscheidend sei jedoch, ob die Frau ihre Kinder aus Vorsatz töten wollte oder ihren möglichen Tod nur billigend in Kauf nahm. Der Verteidiger der Angeklagten bezeichnete die Tat als "Kurzschlussreaktion" und "großen Hilfeschrei".

"Die Trennung, die Überforderung mit den Kindern, die gekündigte Wohnung, kein Job - ich hatte überhaupt keine Hilfe", sagte die Mutter über ihre damalige Situation. Das Wochenende, an dem sich die Tat ereignete, hatte die Frau gemeinsam mit ihren Kinder und dem getrennt lebenden Ehemann verbringen wollen - eine Art Neuanfang, nachdem sich das Paar nach einer Affäre des Mannes getrennt hatte. Dass dieser die Verabredung kurzfristig absagte, brachte wohl das Fass zum Überlaufen.

"Mit diesem Schmerz will ich nicht mehr leben. Und so ein Leben will ich auch nicht für meine Kinder", hatte die Angeklagte ihrem Mann per WhatsApp geschrieben, während sie den lebensgefährlichen Medikamenten-Cocktail mischte. Die Aussagen ihres Ehemannes sowie zweier Polizisten, die an der Rettung der Vergifteten beteiligt waren, deckten sich weitgehend mit der Schilderung der Angeklagten.

Nach dem Aufenthalt in einer Psychiatrie lebt die Frau aus Marxzell mittlerweile wieder in einer Mietwohnung und arbeitet als Altenpflegerin. Die Kinder wohnen bei ihren jeweiligen Vätern und haben telefonisch beziehungsweise per E-Mail Kontakt zu ihrer Mutter. Diese hat beantragt, ihre Kinder bald auch wieder persönlich treffen zu dürfen.

Bereits zu früheren Zeitpunkten in ihrem Leben war die junge Frau in psychotherapeutischer Behandlung. Anzeichen für eine schwere psychische Störung zum Tatzeitpunkt, die ihre Schuldfähigkeit mindern könnten, gibt es nach Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters jedoch nicht. Das Gericht will sein Urteil am Donnerstag verkünden.

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