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Flüchtlinge sterben: Mutmaßlicher Schleuser vor Gericht

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Flüchtlinge sterben: Mutmaßlicher Schleuser vor Gericht

23.05.2018, 18:09 Uhr | dpa

Flüchtlinge sterben: Mutmaßlicher Schleuser vor Gericht. Landgericht Osnabrück

Ein Mann fotografiert den Eingang zum Landgericht. Foto: Friso Gentsch/aktuell (Quelle: dpa)

Ein aus Afghanistan stammender Mann steht seit Mittwoch als mutmaßlicher Schleuser vor dem Landgericht Osnabrück. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen vor, im Januar 2016 bei einer Bootsüberfahrt vom türkischen Bodrum nach Griechenland den Tod von zwei jungen Frauen und ihren vier Kindern im Alter von ein bis sieben Jahren herbeigeführt zu haben. Die Anklage lautet auf Einschleusen mit Todesfolge.

Das überladene Boot sank am 22. Januar 2016 in der Ägäis vor Griechenland. Die meisten der 85 Flüchtlinge ertranken, auch die beiden Frauen und ihre Kinder. Staatsanwältin Nicole Jakielski sagte, dass dem Angeklagten hätte klar sein müssen, dass das Boot nicht seetüchtig gewesen sei. Er soll zusammen mit zwei weiteren noch nicht identifizierten Männern gehandelt haben.

Insgesamt habe der Mann den Frauen 16 200 Euro für die illegale Einreise nach Europa abgenommen, sagte die Staatsanwältin - 2700 Euro pro Person. Im Gegensatz zu den Ertrunkenen habe der Angeklagte eine Schwimmweste gehabt.

Die griechische Küstenwache hatte den Angaben zufolge nur 24 Menschen lebend aus dem Wasser vor der Insel Kalolimnos geholt, darunter auch den Angeklagten. 35 Leichname wurden geborgen, darunter eine der Schwestern mit ihrer Tochter.

Der Angeklagte reiste nach der Überfahrt als Flüchtling nach Deutschland weiter. Im Dezember vergangenen Jahres wurde er bei Osnabrück festgenommen. Der Asylbewerber arbeitete bei einer Zeitarbeitsfirma.

Der Anwalt des 28-Jährigen, Thorsten Diekmeyer, kündigte an, dass sich sein Mandant schriftlich äußern wolle. Er sagte vor der Verhandlung, die Anklage basiere auf der Aussage eines Zeugen, und die Hauptverhandlung müsse zeigen, ob dieser Zeuge glaubhaft sei. Sein Mandant sei nach eigener Aussage auch als Flüchtling - nicht als Schleuser - auf dem gekenterten Boot gewesen. Das sei plausibel, da es für einen Schleuser keinen Sinn mache, ebenfalls mit an Bord zu sein.

Der 28-Jährige sagte, er habe nach dem Abitur zwei Jahre lang Politikwissenschaften studiert, aber keinen Abschluss gemacht. Seinem Anwalt zufolge hat er eine Frau und zwei Kinder in Afghanistan. In seinem Heimatland habe er eine Privatschule betrieben, die den Taliban ein Dorn im Auge gewesen sei. Daher habe sich sein Mandant zur Flucht nach Deutschland entschlossen, sagte Diekmeyer. Der Plan sei gewesen, nach einer Anerkennung als Asylsuchender seine Familie auf legalem Wege nachreisen zu lassen.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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