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Zwei Schweigeminuten für Susanna F. in Mainz

Kriminalität  

Zwei Schweigeminuten für Susanna F. in Mainz

09.06.2018, 18:39 Uhr | dpa

Zwei Schweigeminuten für Susanna F. in Mainz. Todesfall Susanna

Junge Frauen legen an einer provisorischen Gedenkstätte für die getötete Susanna F. Blumen nieder und entzünden Kerzen. Foto: Boris Roessler (Quelle: dpa)

Rund 175 Menschen haben am Samstag mit Schweigeminuten der getöteten 14-jährigen Susanna F. friedlich in ihrer Heimatstadt Mainz gedacht. Am Petersplatz versammelten sich rund 75 Menschen bei einer Trauerkundgebung, zu der die "Gutmenschliche Aktion Mainz" aufgerufen hatte. Die Veranstaltung richte sich gegen Rassismus und sexualisierte Gewalt an Frauen, hieß es von der Organisatorin. Sie rechne die Demonstranten eher dem linken politischen Spektrum zu. Wenige Meter weiter demonstrierten rund 100 Menschen bei einer von der AfD angemeldeten Kundgebung.

Die Leiche der 14 Jahre alte Susanna aus Mainz war am Mittwoch in einem Waldstück in Wiesbaden gefunden worden. Ein 20 Jahre alter Iraker wird verdächtigt, das seit dem 22. Mai vermisste Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben. Der Fall sorgt deutschlandweit für großes Aufsehen.

Eine Rednerin von der linksgerichteten Kundgebung forderte bei sexueller Gewalt nicht tatenlos zu bleiben. Jede Frau könne von sexueller Gewalt berichten. Es fange schon bei vermeintlich harmlosen Berührungen im Bus an. Der 20-jährige Felix Kosanke von der Linksjugend in Mainz forderte: "Wir müssen die zutiefst frauenfeindlichen Strukturen in der Gesellschaft überwinden."

Eine Rednerin der Gruppe "Solidarität grenzenlos" aus dem Main-Taunus-Kreis berichtete über die Stimmung unter Flüchtlingen: "Die Geflüchteten sind genauso geschockt über diesen Mord wie wir." Sie kämpfe weiter für die Rechter aller Frauen, "auch für die Rechte geflüchteter Frauen".

Die 52 Jahre alten Marcella Bonavita sagte am Rande der Kundgebung, es sei "völlig egal, welchen Hintergrund der Täter hat." Es solle nicht unwidersprochen bleiben, dass "die neue Rechte das Thema für ihre Zwecke ausschlachtet". Sie habe das Vertrauen in den Rechtsstaat dass der Täter hier seine gerechte Strafe bekomme. Es helfe nicht, "Hass mit Hass zu begegnen", sagte auch Barbara.

Nur wenige Meter vom Petersplatz entfernt rief die AfD-Landtagsfraktion am Platz der Mainzer Republik kurz darauf zu einer Trauerkundgebung auf. Zur Veranstaltung unter dem Motto "Es reicht! Endlich Konsequenzen ziehen!" kamen rund 100 Teilnehmer. Mit dabei waren unter anderem der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Uwe Junge und Bundesvorstandsmitglied Guido Reil. Er wolle Trauer und Solidarität bekunden, sagte Reil. Vor der Kundgebung, die ebenfalls mit einer Schweigeminute begann, kritisierte er den sonstigen Umgang mit deutschen Gewalt-Opfern in der Gesellschaft: "Für Deutsche gibt das keine Schweigeminute."

In seiner Rede forderte Junge Abschiebezentren außerhalb Deutschlands. Illegale und Kriminelle müssten umgehend dorthin abgeschoben werden. Er erwarte durchgreifende Maßnahmen. "Wir müssen die Asylgesetze zumindest vorübergehend aussetzen." Man müsse darüber nachdenken, ob sie noch zeitgemäß seien.

Junge widersprach der Anschuldigung, die AfD missbrauche den Mordfall für politische Zwecke. "Das ist ein reflexartiger Vorwurf." Er werfe Landes- und Bundesregierung vor, Gewalttaten mit Flüchtlingen als Tätern zu bagatellisieren. Der Mord sei politisch, weil er offenbare, "dass die Asylpolitik insgesamt offensichtlich zum Scheitern verurteilt ist". Im Fall Susanna handle es sich um völliges totales Staatsversagen, sagte Reil.

Während der Rede Junges ertönten mehrmals kurze Zwischenrufe von Gegendemonstranten hinter einer Absperrung. Es sei auch zu beleidigenden Äußerungen gekommen, teilte die Polizei mit. Insgesamt blieb die Stimmung bei 29 Grad im Schatten während beider Kundgebungen aber weitgehend friedlich.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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