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Tagesanbruch: Verkorkste Wohnungspolitik in Deutschland

MEINUNGTagesanbruch  

Was heute Morgen wichtig ist

Von Florian Harms

24.08.2018, 06:12 Uhr

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

Neubaugebiet in Köln  (Quelle: dpa/Oliver Berg)Neubaugebiet in Köln (Quelle: Oliver Berg/dpa)

Skandale im Weißen Haus, der Zusammenbruch Venezuelas, die Flüchtlingsdebatte: Die großen Krisen sorgen jeden Tag für Schlagzeilen. Andere Krisen kommen dagegen nur unter ferner liefen vor – dabei sind sie ebenfalls groß. Gestern hat sich das geändert, da haben Wissenschaftler, die den Bundeswirtschaftsminister beraten, ein Gutachten zur Wohnungspolitik vorgestellt – und ihre Analyse fällt vernichtend aus (hier der Bericht).

Die Mietpreisbremse: ein Rohrkrepierer. Der soziale Wohnungsbau: halbherzig, langsam und vielerorts miserabel organisiert. Das Wohnungsgeld und andere Maßnahmen gegen horrende Mieten und den Wohnraummangel: Scheitern, wohin man schaut. In vielen deutschen Städten können sich Familien, Rentner und Geringverdiener nicht einmal mehr eine kleine Behausung leisten. Investoren und Immobilienspekulanten verwandeln ganze Straßenzüge in Spekulationsobjekte, filetieren große Wohnungen in sündhaft teure "Studios".

Schon als Normalverdiener gleicht es heute einer Odyssee, in den Innenstädten Münchens, Frankfurts, Berlins oder Stuttgarts eine bezahlbare, ansprechende Wohnung zu finden; als sozial Bedürftiger ist es nahezu unmöglich. Der sogenannte Medianwert für Neu- und Wiedervermietungsmieten ist in den vergangenen zehn Jahren in 14 deutschen Großstädten durchschnittlich um mehr als 34 Prozent gestiegen, in München und Stuttgart um mehr als 40 Prozent, in Berlin gar um fast 68 Prozent. Wer eine Immobilie kaufen will, muss entweder ein Vermögen auf der hohen Kante haben oder sich tief verschulden. In Berlin sind neu gebaute Wohnungen heute 90 Prozent teurer als vor zehn Jahren, bestehende Wohnungen sogar 159 Prozent.

Diese Entwicklung hat nicht erst gestern eingesetzt, sie hat sich über Jahre verschärft – und die Politik hat jahrelang dabei zugesehen. Wobei, das ist nicht ganz richtig, es ist noch schlimmer: Die SPD wollte in der vergangenen Legislaturperiode etwas ändern. Aber die CDU hat jede wirksame Reform abgeschmettert. Und die SPD hat sich das gefallen lassen. Ein Armutszeugnis. Hoffen wir, dass die Großkoalitionäre die Kritik der Wissenschaftler nun beherzigen und endlich gegensteuern.

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Donald Trump (Quelle: Reuters/Leah Millis)Donald Trump (Quelle: Leah Millis/Reuters)

Ja, ich habe in den vergangenen Tagen viel über Donald Trump geschrieben, und für diese Woche will ich es dabei belassen – aber eine Bemerkung gestatten Sie mir bitte noch: Ich finde es einfach unfassbar, wie fremdgesteuert der mächtigste Mann der Welt oft wirkt, wie leicht es ist, sein offenbar begrenztes politisches Verständnis zu beeinflussen, wie impulsiv er handelt. Die Leute beim rechten Propagandasender Fox News wissen sich das geschickt zunutze zu machen: Sie senden Beiträge, die ihrem ideologischen Weltbild entsprechen, gern gezielt zu jenen Tageszeiten, in denen der Präsident bekanntermaßen fernsieht (und das tut er oft). Jüngstes Beispiel ist Südafrika. Und wieder mal hat es funktioniert: Trump sprang sofort auf das Thema an, griff zum Handy, twitterte über das, was er in der Glotze sah – und löste damit einen diplomatischen Eklat aus. Atemberaubend.

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WAS STEHT AN?

Einsatz der Polizei in Dresden, Pegida-Demonstrant (Quelle: Screenshot/Facebook/Twitter/GDKJournalisten)Einsatz der Polizei in Dresden, Pegida-Demonstrant (Quelle: Screenshot/Facebook/Twitter/GDKJournalisten)

In keinem Bundesland ist die AfD so stark wie in Sachsen, es ist die Heimat von Pegida – und im Landeskriminalamt arbeitet ein Mann, der sich bei einer Veranstaltung heftig dagegen gewehrt hat, von einem ZDF-Team gefilmt zu werden. Haben die anwesenden Polizisten sich bei der folgenden Aktion zum Handlanger von Pegida gemacht? Über diese Frage ist nun ein heftiger Streit entbrannt, der den Rahmen einer sachlichen Auseinandersetzung längst gesprengt hat. Gegen die "Pegizei" wird in sozialen Netzwerken gewettert, Bundespolitiker fühlen sich bemüßigt, den Sachsen zu erklären, wie sie bitteschön ihre Polizei organisieren sollen, während Ministerpräsident Kretschmer die Beamten erst pauschal in Schutz nahm, dann schwieg und schließlich ein kleines bisschen zurückruderte. Viel Aufregung, viel Lautstärke.

Festzuhalten bleibt beim jetzigen Sachstand: Selbstverständlich müssen Journalisten frei berichten dürfen, der Vorwurf des Pegida-Mannes gegen die ZDF-Reporter war schlicht falsch, und in Sachsens Polizei sind in der Vergangenheit tatsächlich Verstrickungen in die rechte Szene dokumentiert worden. Aber so pauschal, wie die Geschichte vielerorts berichtet wurde, hat sie sich wohl nicht zugetragen. Recherchen meines Kollegen Lars Wienand zeigen: Die Polizisten hielten nicht nur das ZDF-Team vom Filmen der Pegida-Aktivisten ab – sondern auch einen Pegida-Demonstranten vom Filmen der ZDF-Leute. Einseitig war das Verhalten der Beamten also wohl nicht. Fragwürdig hingegen schon. Deshalb ist es gut, dass sich heute Vertreter von Polizei und ZDF zusammensetzen wollen, um miteinander statt übereinander zu reden.

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Hochtal Jackson Hole  (Quelle: Christian Röwekamp )Hochtal Jackson Hole (Quelle: Christian Röwekamp )

Jackson Hole ist ein beschauliches Tal in den Rocky Mountains. Touristen auf dem Weg in die nahe gelegenen Nationalparks machen dort Rast, freuen sich, dass Harrison Ford um die Ecke wohnt, lassen sich die herzhaften Speisen munden. Aber einmal im Jahr wandelt sich das Idyll zum Schauplatz der Macht: Die führenden Notenbanker der Welt jetten heute nach Jackson Hole und debattieren über Geld und Politik. Investoren und Händler an den Finanzmärkten beäugen die Signale des Gipfeltreffens mit Argusaugen, diesmal wird vor allem die Rede von US-Notenbankchef Jerome Powell mit Spannung erwartet: Schaffen es die USA, nach dem jahrelangen Krisenmodus wieder vollständig auf einen Stabilitätskurs umzuschwenken – und was ist der Preis dafür? Meine Kollegin Sabrina Manthey wird die Lage heute Mittag analysieren.

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t-online.de-Kolumnist Stefan Effenberg (Quelle: t-online.de/imago)t-online.de-Kolumnist Stefan Effenberg (Quelle: t-online.de/imago)

Heute ist es so weit. Bundesliga. Endlich. 20.30 Uhr: Bayern gegen Hoffenheim. Und ab morgen dann der ganze restliche Rummel. Damit Sie mitreden können, hat unser Kolumnist Stefan Effenberg alle 18 Bundesliga-Klubs für Sie unter die Lupe genommen und Urteile gefällt. In der Effenberg-Tabelle erklärt er, welchen Verein er am Saisonende auf welchem Platz sieht. Für Leverkusen, Gladbach oder Hoffenheim schaut das Ergebnis gut aus – den Aufsteigern und DFB-Pokalsieger Frankfurt prognostiziert er dagegen eine Blut-Schweiß-und-Tränen-Saison. Aber sehen Sie bitte selbst.

Der FC Bayern ist zwar der Topfavorit, klar. Aber die Münchner haben in diesem Transfersommer überraschenderweise nicht das getan, was viele erwartet hätten: Millionen in neues Personal zu investieren. Stattdessen hat der Rekordmeister keinen einzigen Euro an Ablöse für Neuzugänge ausgegeben. Doch, Sie haben richtig gelesen: 0 Euro. Ein Novum? Mitnichten. Mein Kollege Daniel Gahn weiß, dass die Bayern diese, nennen wir es ruhig: "Strategie" schon einmal verfolgt haben, nämlich genau vor zehn Jahren. Und das ging, nennen wir es ruhig: mächtig in die Hose. Wenn Sie also diesen Text gelesen haben, dürfte Ihre Hoffnung auf eine spannende Saison wachsen.

Ich persönlich drücke natürlich nur einem Verein die Daumen: dem … ach stimmt, das wissen Sie als Tagesanbruch-Abonnent ja schon. Zwar wird mein Heimatverein den Kampf um die Meisterschale wieder mal nur mit dem Fernglas betrachten können – in der vergangenen Saison war er aber immerhin das zweitbeste Rückrunden-Team. Okay, ich weiß, ist nicht gerade der coolste Titel. Aber hey, jetzt hat mein Klub 35! Millionen! Euro! in coole neue Spieler investiert und … wie? Was lese ich da im Text meines Kollegen Noah Platschko – dieses Investment entpuppt sich nicht als Vorteil, sondern als Problem? Sapperlott! 

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Heute steht ein rundes Jubiläum an, zumindest bei uns in der t-online.de-Redaktion: Heute veröffentlicht unser Kollege Marc von Lüpke in seiner Serie "Historisches Bild" das 100. Foto – und erzählt die Geschichte dahinter. Auf den ersten Blick sehen Sie…

 (Quelle: ullstein bild) (Quelle: ullstein bild)

…genau: eine Moschee. Allerdings handelt es sich um ein ganz besonderes Gebäude, errichtet nicht im Orient, sondern nahe Berlin. Gebaut haben es dort deutsche Militärs  – und die hatten dabei einen ziemlich martialischen Hintergedanken. Mehr über dieses und 99 weitere Motive erfahren Sie, wenn Sie auf unserer Startseite ganz nach unten scrollen.

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WAS LESEN UND ANSCHAUEN?

Wissen Sie, wer schuld daran ist, dass Sie auf Flügen keine Wasserflaschen, Shampoos und andere Flüssigkeiten mit an Bord nehmen dürfen, dass die Kontrollen auf Flughäfen oft nerv-töt-end lang dauern? Der Mann heißt Ibrahim Hassan al-Asiri. Er gilt als einer der gefährlichsten Terroristen der Welt. Das heißt, er galt, denn nun ist er offenbar tot. Die Kollegen der "Süddeutschen Zeitung" haben die Geschichte aufgeschrieben.

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Wenn Sie viel arbeiten oder/und eine Familie zu organisieren haben, dann geht es Ihnen womöglich wie mir: Sie kommen einfach nicht dazu, mal ins Kino zu gehen. Sie verpassen j-e-d-e-n interessanten Film. Auch DVD, Streaming oder die umständliche Suche in Mediatheken bieten oft keine Hilfe: kosten halt Geld oder halten den gesuchten Streifen nicht mehr vorrätig. Aber es gibt Abhilfe. Mein lieber Kollege Lars Wienand hat mir einen Tipp gegeben, und da ich auch lieb sein will, gebe ich ihn hier gleich weiter: Viele spannende Dokus und Spielfilme zur deutschen Geschichte und zur Nachwendezeit stehen kostenlos im Internet. Man muss nur wissen, wo.

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Viele Leserinnen und Leser haben es bemerkt: Gestern habe ich die letzte Rubrik des Tagesanbruchs vergessen. Zu meiner Entschuldigung führe ich an: Es war spät in dieser Nacht. Als Wiedergutmachung spendiere ich Ihnen heute nicht einen, sondern gleich zwei Schmunzelgründe:

WAS AMÜSIERT MICH?

Langeweile soll ja enorm erholsam sein. Rachel Young hatte nach einem Autounfall mehr Erholung nötig, als ihr lieb war, und die Langeweile kam dann sicher von allein. Irgendwann jedenfalls hat sie damit begonnen, auf Google Earth nach Buchstaben zu suchen. Nicht in den Ortsnamen. In den Formen der Hecken. Einfach kann es nicht gewesen sein, ein komplettes Alphabet aus britischen Büschen aufzuspüren. Hut ab! Wir hoffen, es geht ihr nun wieder gut. "Weiter so!" sagen wir diesmal ausnahmsweise nicht.

WAS AMÜSIERT MICH NOCH?

Ja, sie ist wirklich schlimm und bedrohlich und angsteinflößend, diese Dürre, über die gerade alle reden. Aber wer in der größten Not wahre Freunde hat, der braucht sich keine Sorgen zu machen, weiß unser Cartoonist Mario Lars:

 (Quelle: Mario Lars) (Quelle: Mario Lars)

Ich wünsche Ihnen einen frohen Freitag und ein geselliges Wochenende, an dem Sie keinen Durst leiden müssen. Wenn Sie mögen: Ab Samstagmorgen können Sie die Wochenendausgabe des Tagesanbruchs hören und auch kostenlos abonnieren: Hier im Webplayer, hier auf Spotify und hier bei iTunes. Am Montag schreibt mein Kollege Rüdiger Schmitz-Normann für Sie, ab Dienstag bin ich dann wieder für Sie da.

Ihr Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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