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Gedenken an Opfer von Internierungslagern

Neubrandenburg  

Gedenken an Opfer von Internierungslagern

01.09.2018, 13:39 Uhr | dpa

Gedenken an Opfer von Internierungslagern. Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen

Schüler besuchen den südlichen Friedhof des sowjetischen Internierungslagers in der Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen. Foto: Bernd Wüstneck/Archiv (Quelle: dpa)

Rund 300 Menschen haben am Samstag in Fünfeichen bei Neubrandenburg an die Schicksale der Gefangenen in den Internierungslagern der NS-Zeit und des Sowjet-Geheimdienst NKWD erinnert. "Zwei Diktaturen haben hier ihre Willkür an Menschen ausgelebt", erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU). Die Gedenkstätte Fünfeichen sei damit ein bedeutendes Stück deutscher Geschichte.

An die von Hunger, Krankheiten und Misshandlungen geprägte Zeit von 1939 bis 1948 erinnerten Schüler, die Auszüge aus Tagebüchern der Gefangenen vorlasen. Anlässlich der Gedenkveranstaltung wurde auch das neu aufgestellte und elf Meter hohe "Gestützte Holzkreuz" als Wahrzeichen der Mahn- und Gedenkstätte eingeweiht.

Anders als in anderen Lagern wie Sachsenhausen oder Buchenwald wird in Fünfeichen gemeinsam an die Zeit der Kriegs- und Nachkriegsjahre erinnert. Anlass für die Gedenkveranstaltung der Stadt Neubrandenburg mit Gästen aus Italien, Polen, Georgien und England, darunter auch Überlebende, war die Schließung des letzten Lagers 1948 - vor 70 Jahren.

Während in der Stadt Menschen ihrem Alltag nachgingen, habe in den Lagern das Grauen der Nazizeit und die Willkür der Nachkriegsjahre stattgefunden, sagte Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos). Er appellierte an die Zivilgesellschaft, wach zu sein und im Alltag Ungerechtigkeiten in der Welt nicht zu übersehen.  

Fünfeichen war von 1939 bis 1945 das erste Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht für das damalige Pommern und Mecklenburg - mit rund 120 000 Häftlingen. Bis 1945 kamen rund 5600 Häftlinge aus zehn europäischen Staaten und den USA ums Leben, darunter rund 5200 Rotarmisten. An sie erinnern Gräberfelder und Namenstafeln.

Von 1945 bis 1948 war Fünfeichen als "Speziallager NR.9" eines der größten von insgesamt zehn Lagern des Sowjetgeheimdienstes NKWD in Ostdeutschland. In Fünfeichen wurden etwa 15 000 Deutsche in den meisten Fällen unschuldig und ohne Gerichtsverfahren eingesperrt. Etwa 5000 Menschen starben. Hunderte wurden nach Sibirien oder in andere Lager überstellt. Überlebende mussten in der DDR über ihre Erfahrungen schweigen, erst nach 1990 wurde ihr Schicksal langsam aufgearbeitet.

Da es in der DDR keine Aufarbeitung dieser Lagergeschichte gab, wird man wohl nie alle Schicksale aufklären können, sagte Hoffmeister. "Dazu hat man zu spät beginnen können."

So wurden tote Rotarmisten und andere Soldaten in der NS-Zeit auch in Massengräbern bestattet, von denen niemand genau weiß, wo diese liegen und wer dort begraben liegt. In der DDR-Zeit war Fünfeichen Militärgelände. Das Neubrandenburger Stadtarchiv findet unter anderem mit Hilfe russischer Quellen immer wieder Namen von Toten heraus, die auf Namenslisten in der Gedenkstätte eingearbeitet werden.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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