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Staufener Missbrauchsfall: Behörden räumen Fehler ein

Karlsruhe  

Staufener Missbrauchsfall: Behörden räumen Fehler ein

06.09.2018, 03:06 Uhr | dpa

Staufener Missbrauchsfall: Behörden räumen Fehler ein. Gerichtsakten

Gerichtsakten liegen auf dem Richtertisch. Foto: Patrick Seeger/Archiv (Quelle: dpa)

Im grausamen Fall um den jahrelangen Missbrauch eines kleinen Jungen aus Staufen bei Freiburg haben die Behörden Fehler und Versäumnisse eingeräumt und Verbesserungsvorschläge gemacht. Nicht alle Erkenntnismöglichkeiten seien ausgeschöpft worden, hieß es in einem am Donnerstag vorgestellten Abschlussbericht. Vorhandene Informationen seien "nicht frühestmöglich" weitergegeben worden. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Stellen müsse verbessert, der Anhörung von Kindern vor Gericht noch größere Bedeutung beigemessen werden. Verbote, die Gerichte erlassen, müssten kontrolliert werden - von wem, müsse direkt abgestimmt werden.

Das Opfer - ein heute zehn Jahre alter Junge - war mehr als zwei Jahre von seiner Mutter und deren Lebensgefährten vergewaltigt und an andere Männer verkauft worden. Das Paar ist bereits verurteilt. Den Behörden waren in dem Fall schwere Fehler vorgeworfen worden. Die Familie stand zwar unter Beobachtung. Der Missbrauch blieb aber trotz Hinweisen verschiedener Stellen lange unentdeckt. So wurde beispielsweise ein Kontaktverbot des einschlägig vorbestraften Lebensgefährten zu dem Kind von niemandem überwacht. Der Mann lebte viele Monate unter einem Dach mit dem Jungen.

Das seinerzeit für den Fall zuständige Jugendamt betonte, sich bei Kinderschutzverfahren stärker einbringen zu wollen. "Wir haben unsere Rolle nicht voll ausgespielt", sagte der Leiter des Dezernats Soziales und Jugend des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald, Thorsten Culmsee. Als Beispiel nannte er die Tatsache, dass das Jugendamt den Jungen in Obhut genommen hatte, das Kind vom Familiengericht vier Wochen später aber zurück in die Familie geschickt wurde.

Außerdem sei nicht kritisch hinterfragt worden, warum der Junge nicht angehört wurde. "Wir sind der Entscheidung des Gerichtes, dem Kind keinen Verfahrensbeistand zur Seite zu stellen, nicht entgegengetreten", sagte Culmsee. Er kündigte an, dass für das Jugendamt zeitnah eine neue Stelle für einen Volljuristen geschaffen werde. Damit soll den Sozialarbeitern künftig juristischer Sachverstand für familiengerichtliche Verfahren zur Seite gestellt werden - Neuland in Baden-Württemberg, sagte er.

Anhörungen des Kindes vor Gericht sind eigentlich als Normalfall im Gesetz vorgeschrieben. Ausnahmen sind zwar möglich, wurden im Fall des Jungen von Staufen aber nicht schriftlich begründet. Auch das müsse künftig anders gehandhabt werden, sagte der Präsident des Karlsruher Oberlandesgerichts (OLG), Alexander Riedel. "Wir müssen das dokumentieren, auch um uns selber nochmal zu vergewissern, ob eine solche Entscheidung korrekt ist."

Es gehe aber nicht um Schuldzuweisungen. Jeder würde das Geschehene gerne ungeschehen machen. "An erster Stelle steht das Bedauern über das Schicksal des Jungen, das nicht rückgängig zu machen ist", sagte Riedel. "Die Beteiligten tragen schwer daran", sagte auch die Landrätin des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald, Dorothea Störr-Ritter.

Die Arbeitsgruppe des OLG Karlsruhe sowie des Amtsgerichts Freiburg und des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald hatten in den vergangenen Wochen mehrfach getagt, um die Vorgänge rund um den Fall intern aufzuarbeiten. Eine Aufarbeitung auf Landesebene beginnt nun und soll mithilfe einer interministeriellen Arbeitsgruppe (IMA) aus Sozial-, Justiz- und Innenministerium geleistet werden. Eine ressortübergreifende Kommission Kinderschutz werde dabei gemeinsam mit Experten analysieren, welche Konsequenzen sich aus dem Fall ergeben könnten, hieß es von Seiten des federführenden Sozialministeriums.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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