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"Friedhofstimmung": Ultras sagen Treffen ab

Berlin  

"Friedhofstimmung": Ultras sagen Treffen ab

04.11.2018, 19:05 Uhr | dpa

"Friedhofstimmung": Ultras sagen Treffen ab. Michael Preetz

Michael Preetz, Geschäftsführer von Hertha BSC, steht im Stadion. Foto: Uwe Anspach/archiv (Quelle: dpa)

Die erste Heimpleite der Saison will Hertha BSC "schnell komplett vergessen", erklärte Berlins Trainer Pal Dardai am Tag nach dem 0:3 gegen RB Leipzig. Aber das schwer gestörte Verhältnis zum eigenen Anhang, der dem Team am 10. Spieltag der Fußball-Bundesliga fast komplett die Unterstützung verweigerte, wird den Hauptstadtclub noch länger belasten.

"Wenn man böse wäre, würde man sagen, das war eine Friedhofstimmung. Ich habe so etwas noch nie erlebt bei einem Heimspiel", sagte Dardai am Sonntag. "Aber für uns ist das kein Alibi. Wir waren nicht frisch genug und dadurch nicht aggressiv genug." Dennoch braucht Hertha die Fans, auch im Schlagerspiel der Pokal-Achtelfinals. Die Berliner empfangen am 5. oder 6. Februar kommenden Jahres Bayern München. "Irgendeiner muss ja in jeder Runde gegen die Bayern spielen. Und wir sind sehr froh über ein volles Olympiastadion", kommentierte Dardai die schwere und attraktive Aufgabe.

Als Antwort auf das Verbot des Vereins, der nach den schweren Ausschreitungen Berliner Ultras in Dortmund mit 45 Verletzten alle Banner, Spruchbänder und Blockfahnen im Stadion verboten hatte, verzichtete fast der komplette Hertha-Anhang gegen Leipzig auf jede Art von Gesängen und Sprechchören. In der Ostkurve war nur ein Spruchband zu sehen: "Gegen Kollektivstrafen".

Die rund 5000 Leipziger Anhänger unter den 50 382 Zuschauern übernahmen nicht erst nach dem Tore-Doppelpack von Nationalstürmer Timo Werner (7. und 53. Minute) die Stimmungshoheit im Olympiastadion. Der junge Brasilianer Matheus Cunha (75.) sorgten für den Endstand.

Wie angespannt derzeit das Verhältnis der Fans nicht nur in Berlin zu den Vereinsführungen und zur Polizei ist, verdeutlichten auch Solidarisierungen in anderen Stadien. In München war auf einem Banner zu lesen: "Die Polizei prügelt und ihr fallt euren Fans in den Rücken". In Stuttgart wurde von VfB-Fans ein Spruchband entrollt: "Fahnen sind und bleiben unantastbar. Bullen aus der Kurve".

Die Fraktion der Ultra-Fans von Hertha hat nach Vereinsangaben ein für Montag geplantes Treffen mit den Chefs des Berliner Fußball-Bundesligisten abgesagt. Die Fangruppe sehe "nicht die Notwendigkeit eines exklusiven Treffens mit der Geschäftsleitung", teilte eine Hertha-Sprecher am Sonntagabend mit.

"Es ist ein kleiner Teil der Fans, mit dem wir aktuell nicht im Gespräch sind. Es gilt aber, dass unsere Hand auch nach dem Dortmund-Spiel ausgestreckt ist", sagte Manager Michael Preetz dem Pay-TV-Sender Sky.

Für vergangenen Donnerstag war bereits langfristig ein runder Tisch mit verschiedenen Fangruppen von den Ultras über das Fanprojekt bis zur Fanbetreuung vorgesehen gewesen, mit dem der Dialog neu gestartet werden sollte. Dieses Treffen war nach den Ereignissen von Dortmund verschoben worden. Es soll nun stattfinden, nachdem die gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Dortmunder Polizei aufgearbeitet sind.

"Natürlich müssen wir an einen Tisch. Es müssen Dinge besprochen und Grenzen gezogen werden", sagte Preetz. Trainer Dardai bemerkte: "Ich habe vor unseren Fans keine Angst. Wir reden mit ihnen."

Der schwache Auftritt gegen Leipzig habe auch nichts mit der ausgebliebenen Unterstützung der Fans zu tun, erklärte der Ungar: " Die Mannschaft war darauf mental vorbereitet." Man werde zusammen mit dem Management alles analysieren: "Wir werden gute Entscheidungen für den Verein, für die Hertha-Familie treffen", sagte Dardai. "Hätten wir heute gewonnen, würde das nicht bedeuten, dass wir die Fans nicht brauchen. Wir haben verloren: Das bedeutet nicht, wir haben verloren, weil die Stimmung nicht da war. Die Leistung war einfach nicht da."

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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