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Tagesanbruch am Wochenende: Die Lüge und die Vernunft

MEINUNGWas heute wichtig ist  

Die Lüge und die Vernunft

30.05.2020, 07:00 Uhr
Tagesanbruch am Wochenende: Die Lüge und die Vernunft. US-Präsident Donald Trump liefert sich eine Propagandaschlacht mit der Firma Twitter, die seine viralen Ergüsse seit kurzem mit Faktenchecks versieht. (Quelle: Reuters/Jonathan Ernst)

US-Präsident Donald Trump liefert sich eine Propagandaschlacht mit der Firma Twitter, die seine viralen Ergüsse seit kurzem mit Faktenchecks versieht. (Quelle: Jonathan Ernst/Reuters)

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Der Newsletter von Chefredakteur Florian Harms

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

"Vernunft annehmen kann niemand, der nicht schon welche hat", hat die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach notiert, und wenn ich den Satz lese, fallen mir gleich eine ganze Reihe aktueller Beispiele ein. Ist es vernünftig, wenn der amerikanische Präsident Lügen und wilde Behauptungen an seine 80 Millionen Follower auf Twitter schickt und die Betreiber des Netzwerks dann mit einer Gesetzesänderung bestraft, wenn sie seine viralen Geschosse mit Links zu Faktenchecks versehenIst es vernünftig, wenn Herr Trump in einem weiteren Tweet damit droht, auf Randalierer schießen zu lassen, die gegen tödliche Polizeigewalt aufbegehren – und die Firma Twitter die Kurznachricht als "Verstoß gegen die Regeln zur Gewaltverherrlichung" brandmarkt, sie aber trotzdem an die 80 Millionen Follower durchwinkt, weil "möglicherweise ein öffentliches Interesse daran besteht, den Tweet zugänglich zu lassen"? Ist es vernünftig, wenn der Chefredakteur der "Bild"-Zeitung den Auflagenverlust seines Blattes bekämpft, indem er eine Kampagne gegen den Berliner Virologen Christian Drosten anzettelt, aber im "Spiegel" behauptet, der Vorwurf sei "Quatsch und frei erfunden"? Ist es vernünftig, wenn die EU zuschaut, wie Herr Putin und Herr Erdogan den libyschen Bürgerkrieg anheizen, der neben Tod, Leid und Chaos auch weitere Flüchtlingswellen Richtung Europa auslösen kann? Ist es vernünftig, wenn die Weltgemeinschaft zusieht, wie Herr Bolsonaro die Corona-Krise ausnutzt, um insgeheim den Amazonas-Regenwald abholzen zu lassen, was wiederum gravierende Folgen für das Weltklima hat? Ist es vernünftig, dass die deutsche Außenpolitik allenfalls kleinlaut miaut, wenn Chinas Diktatoren die Niederschlagung der Demokratiebewegung in Hongkong durch ein ebenso nebulöses wie gefährliches "Sicherheitsgesetz" vorbereiten?

Es sind sehr unterschiedliche Nachrichten, die uns in diesen Tagen erreichen, aber zweierlei verbindet sie: Erstens stehen sie im Kontext der Corona-Krise und zweitens in auffallendem Kontrast zum Prinzip der Vernunft. Viel Redestoff bieten sie deshalb, auch für meinen Kollegen Marc Krüger und mich in unserem heutigen Podcast: Der Fall "Bild" vs. Drosten sowie die Krisen im Schatten der Corona-Pandemie, das sind heute unsere Themen. Bitte schenken Sie uns dafür ein paar Minuten Ihr Ohr:

Den Audio-Tagesanbruch mit dem Leitartikel und der Themenübersicht über den Tag finden Sie jeden Morgen ab 6 Uhr auf t-online.de/tagesanbruch oder zum Abonnieren bei SpotifyApple PodcastsDeezerGoogle Podcasts sowie auf den Sprachassistenten von Amazon und Google.

Nun wünsche ich Ihnen ein frohes Pfingstwochenende. Weil viele von Ihnen sich über die Musiktipps an den vergangenen Samstagen gefreut haben, gebe ich Ihnen heute wieder einen: Benjamin Biolays Album "Rose Kennedy" lief bei mir vor Jahren hoch und runter, gerade habe ich es wiederentdeckt. Wunderbar melodisch, wunderbar melancholisch, wunderbar französisch. Am Montag schreibt mein Kollege Carsten Werner den Tagesanbruch, ich bin dann ab Dienstagmorgen wieder für Sie da. 

Herzliche Grüße,

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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