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Wahl des CDU-Chefs: Die neue Nummer eins

MEINUNGWas heute wichtig ist  

Die neue Nummer eins

16.01.2021, 07:00 Uhr
Wahl des CDU-Chefs: Die neue Nummer eins. Vorbereitung für den virtuellen CDU-Parteitag. (Quelle: Reuters/Odd Andersen)

Vorbereitung für den virtuellen CDU-Parteitag. (Quelle: Odd Andersen/Reuters)

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Krisenzeiten erfordern Führungsstärke. Wenn die Welt Kopf steht, braucht es Anführer, die wissen, wo oben und unten ist, was kurzfristig zu tun und langfristig anzupeilen ist, wie sie den Weg dorthin so anschaulich erklären, dass die Mehrheit der Leute ihnen folgt. Schenken wir den Umfragen Glauben, misst eine Mehrheit der Bundesbürger derzeit Angela Merkel diese Qualitäten bei; die Kanzlerin genießt großes Vertrauen und starken Rückhalt im ganzen Land. Doch Merkels Amtstage sind gezählt, sie werden noch nicht einmal das Ende der Corona-Pandemie überdauern.

Und dann? Deutschland steht vor enormen Herausforderungen. So groß wie heute waren die Aufgaben seit Jahrzehnten nicht. Die gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Schäden der Corona-Krise heilen. Die Demokratie beleben und ihre Feinde in die Schranken weisen. Den europäischen Zusammenhalt und die EU im Ringen mit China und den USA stärken. Die Klimakrise entschärfen, ohne die Wirtschaft kaputtzumachen. Den Wohlstand auch dann bewahren, wenn immer weniger Junge immer mehr Alten die Renten sichern müssen. Den digitalen Rückstand in Schulen, Behörden und Unternehmen aufholen. Den föderalen Wirrwarr im Bildungswesen ordnen. Konflikte, Not und Armut im Süden und Osten des Mittelmeers lindern, um Frieden zu fördern und die Migration einzudämmen. Eine gedeihlichere Zusammenarbeit mit Russland etablieren. Und, und, und, die Liste ließe sich fortsetzen.

Niemand kann alle diese Aufgaben allein stemmen, aber eine oder einer muss das Team anführen, das sie anpackt. Muss die Richtung vorgeben, ohne dabei die Bürger abzuhängen. Man braucht Autorität, Empathie, Überzeugungen, Fachwissen und taktisches ebenso wie strategisches Geschick. Ohne eine robuste Gesundheit geht es nicht. Man muss zuhören, aber auch Ansagen machen können. Darum geht es heute. Sicher, formal wählt nur die CDU ihren neuen Vorsitzenden, aber die 1.001 Delegierten des virtuellen Parteitags wissen, dass sie auch eine Vorentscheidung über den Kanzlerkandidaten der stärksten Partei treffen.

Ist das den drei Bewerbern Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen zuzutrauen: ein schwieriger Wahlkampf in Seuchenzeiten, trickreiche Koalitionsverhandlungen mit den Grünen (wahrscheinlich) oder der SPD (weniger wahrscheinlich) oder gar der FDP (falls es für Schwarz-Grün allein nicht reicht) – und dann die Lösung all der politischen Aufgaben? Können die das? Oder schlägt doch noch die große Stunde des ehrgeizigen Jens Spahn oder des populären Markus Söder?

Röttgen, Merz, Laschet: Heute fällt die Entscheidung. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)Röttgen, Merz, Laschet: Heute fällt die Entscheidung. (Quelle: Michael Kappeler/dpa)

Wir werden an diesem Samstag einen neuen CDU-Chef sehen, der mit seiner Wahl einen entscheidenden Vorteil im Rennen um die Kanzlerkandidatur bekommt (selbst wenn die Abstimmung aus formalen Gründen dann noch per Briefwahl bestätigt werden muss). Aber endgültig entschieden ist damit noch nichts. Das Superwahljahr, immerhin das lässt sich heute mit ziemlich großer Sicherheit sagen, wird noch viele Höhe-, manche Tiefpunkte und wohl auch Überraschungen mit sich bringen. 

Genug zu diskutieren gibt es trotzdem schon jetzt, erst recht, wenn man einen Blick hinter die Kulissen des politischen Geschäfts wirft. Wer dort sehr guten Einblick hat, das ist unser Reporter Tim Kummert. Also haben unser Moderator Marc Krüger und ich ihn eingeladen, heute gemeinsam mit uns über die Weichenstellungen in der CDU und in der deutschen Politik zu sprechen. Außerdem geht es um die jüngsten Wendungen im amerikanischen Drama und um den vielleicht großartigsten Karikaturisten unserer Zeit. Hören Sie bitte hinein: 

Wenn Sie uns Ihre Meinung mitteilen möchten, erreichen Sie uns per E-Mail sowie auf SpotifyApple PodcastsDeezerGoogle Podcasts oder über die Sprachassistenten von Amazon und Google.

Wenn ich den Tagesanbruch schreibe, dann habe ich dabei meistens Musik auf den Ohren. Gerne zufällige Titel aus meiner nicht ganz kleinen Sammlung. Als ich gestern Nachmittag diese Zeilen schrieb und draußen vorm Fenster die Schneeflocken sah, da drang aus meinen Kopfhörern plötzlich dieses wunderbare Lied. Wenn Sie es kennen, werden Sie mir wohl zustimmen, dass es einer der ganz, ganz großen Songs der Musikgeschichte ist. Wenn nicht, habe ich Ihnen heute vielleicht ein kleines Geschenk gemacht.

So oder so gebührt Ihnen allen ein herzlicher Dank für Ihre Treue zum Tagesanbruch und für die vielen, vielen netten, anregenden oder auch mal kritischen E-Mails in den vergangenen Tagen. Wir in der Redaktion freuen uns darüber. Nun genießen Sie das Wochenende und bleiben Sie bitte auch in diesen schwierigen Zeiten zuversichtlich und gesund.

Herzliche Grüße,
Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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