Sie sind hier: Home > Politik > Regionales > Wuppertal >

Wuppertal feiert 150 Jahre Else Lasker-Schüler

Moderne Frau und zeitlose Gedichte  

Wuppertal feiert 150 Jahre Else Lasker-Schüler

11.02.2019, 11:31 Uhr | dpa

Wuppertal feiert 150 Jahre Else Lasker-Schüler. Das Denkmal für Else Lasker-Schüler von Stephan Huber in der Fußgängerzone. Am 11. Februar ist der 150. Geburtstag der Dichterin Else Lasker-Schüler. (Quelle: dpa/Bernd Thissen)

Das Denkmal für Else Lasker-Schüler von Stephan Huber in der Fußgängerzone. Am 11. Februar ist der 150. Geburtstag der Dichterin Else Lasker-Schüler. (Quelle: Bernd Thissen/dpa)

Else Lasker-Schüler hat Gedichte für die Ewigkeit geschrieben. Sie war eine moderne und sehr streitbare Frau. Das Motto "Meinwärts" für das Programm zum 150. Geburtstag hat ihre Heimatstadt Wuppertal in ihrer Lyrik gefunden.

Franz Kafka mochte ihre Gedichte nicht. Aber für Gottfried Benn war Else Lasker-Schüler die "größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte". Die oft schrill angezogene Künstlerin Else Lasker-Schüler war Anfang des 20. Jahrhunderts ein Hingucker auf den Straßen von Berlin. Ihre ausdrucksstarken Gedichte beeindrucken immer noch.

Am 11. Februar 1869 wurde Else Lasker-Schüler in einem jüdischen Elternhaus in Elberfeld geboren, das heute ein Stadtteil von Wuppertal ist. Ihre Heimatstadt feiert die exzentrische Frau zum 150. Geburtstag unter dem Titel "Meinwärts".

Nach Umzug von Wuppertal nach Berlin entdeckte Lasker-Schüler das Künstlerleben

Ihr Leben zwischen Boheme in Berlin, Verfolgung und Flucht aus Nazi-Deutschland spiegelt sich in ihrem Werk deutlich wider. Eine Ikone ist geradezu das Gedicht "Mein blaues Klavier", geschrieben 1936 in der Schweiz. "Es ist das Exil-Gedicht schlechthin", sagt Gabriele Sander, Germanistik-Professorin an der Bergischen Universität Wuppertal und Herausgeberin der Lasker-Schüler-Gedichte. Von anderen Autoren gebe es nichts Vergleichbares. Auf wenigen Zeilen verdichtet sind die Erinnerung an Kindheit und die Erfahrung von Verlust und Gewalt in der NS-Zeit.

Das Schild der Else Lasker-Schüler-Straße in Wuppertal. (Quelle: dpa/Bernd Thissen)Das Schild der Else Lasker-Schüler-Straße in Wuppertal. (Quelle: Bernd Thissen/dpa)

Eigentlich war der jungen Else Schüler ein bürgerliches Leben bestimmt. Der Vater war Privatbankier, Ehemann Berthold Lasker ein Arzt. Mit ihm zieht sie von Wuppertal nach Berlin – und entdeckt das Künstlerleben. Treffpunkt waren Künstlercafés, mittendrin als Dauergast Else Lasker-Schüler. Zum Bekanntenkreis gehörten Georg Trakl, Egon Erwin Kisch, Franz Werfel und die Künstler des Blauen Reiters.

Experte über Lasker-Schüler: "Sie war ihrer Zeit voraus"

Ihre Gedichte veröffentlichte Lasker-Schüler in Büchern, Zeitungen und etwa der expressionistischen Zeitschrift "Der Sturm". Manche ihrer Texte haben Bezüge zur Bibel oder sind Freunden gewidmet, andere behandeln auch Alltägliches. Dass die Dichterin keine Wohnung hatte, sondern in billigen Hotels wohnen musste, ließ sie 1923 die Berliner Zeitungsleser in einer Art Bänkelsang wissen. Vier Jahre zuvor war ihr expressionistisches Drama "Die Wupper" uraufgeführt worden.

"Sie war ihrer Zeit voraus und ihre Texte verführen heute noch", meint Hajo Jahn, Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft. Die Anfangszeilen ihres Gedichts "Weltende" von 1905 lauten: "Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben wär".

Ausstellung zur Dichterin im Wuppertaler Von der Heydt-Museum

"Sie war ständig in finanziellen Nöten", berichtet die Germanistin Gabriele Sander, "sie hat auf Risiko gelebt". Um Geld für sie aufzutreiben, spendeten 1913 Künstler Bilder für eine Auktion in München. Zu den Stiftern gehörten August Macke, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Oskar Kokoschka und Franz Marc. Verkauft wurde aber kaum etwas. Lasker-Schüler war inzwischen zweifach geschieden und alleinerziehende Mutter. Ein Skandal.

Mit Franz Marc verband sie eine einzigartige Postkarten-Freundschaft. Vier Jahre lang, bis zu Marcs Tod 1916 im Ersten Weltkrieg, dauert der von beiden mit Zeichnungen bestückte Briefwechsel. Else gibt sich darin einen orientalischen Namen. Marc antwortet mit blauen Pferden. Die Ausstellung "Prinz Jussuf von Theben und die Avantgarde" zeigt die zeichnende Dichterin im Wuppertaler Von der Heydt-Museum (6. Oktober bis 16. Februar 2020).

Wegen Geldmangel in Zürich aufgegriffen

Ihre Theaterstücke werden nur noch selten aufgeführt. Der Deutsche Bühnenverein nennt für die Jahre von 2012 bis 2017 nur zwei Inszenierungen. Im Jubiläumsjahr ist das anders. Das Schauspiel Wuppertal führt im Juli ihre Tragödie "IchundIch" auf. Dieses Stück bringt die Hamburgische Staatsoper im Herbst als Auftragskomposition von Johannes Harneit zur Uraufführung.

Seit ihrer Kindheit hatte Lasker-Schüler antisemitische Anfeindungen erlitten. Im November 1932 erhielt sie endlich den renommierten Kleist-Preis. Das Nazi-Blatt "Völkischer Beobachter" höhnte, die Preisträgerin sei die "Tochter eines Beduinenscheichs". Nach körperlichen Angriffen emigrierte sie, 64 Jahre alt, 1933 nach Zürich. Hier wurde die kurz zuvor preisgekrönte Dichterin aufgegriffen: Aus Geldmangel hatte sie mehrere Nächte auf einer Bank am See zugebracht. Von einer Reise nach Palästina konnte Lasker-Schüler 1939 wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs nicht zurückkehren. Sie starb am 22. Januar 1945 in Jerusalem kurz vor ihrem 75. Geburtstag.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
10-Tages-Vorhersage

Anzeige
Nichts für Warmduscher: coole Badezimmereinrichtungen
jetzt auf otto.de
Gerry Weberbonprix.deOTTOCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2019