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Bäumefällen für den Bau-Boom: Eichhörnchen in Not

München  

Bäumefällen für den Bau-Boom: Eichhörnchen in Not

23.02.2019, 08:09 Uhr | dpa

Bäumefällen für den Bau-Boom: Eichhörnchen in Not. Ein Eichhörnchen sitzt auf einem Baum

Ein Eichhörnchen sitzt auf einem Baum und hält eine Nuss in den Pfoten. Foto: Felix Kästle/Archiv (Quelle: dpa)

Um Platz für Baustellen zu schaffen, werden momentan viele große Bäume gefällt - oft mit gravierenden Folgen für Eichhörnchen. Denn in den Bäumen haben die Tiere ihre Nester, die sogenannten Kobel, für den Nachwuchs gebaut. "Es ist damit zu rechnen, dass sie jetzt schon Junge in den Kobeln haben", sagte der Biologe Konstantin Börner vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin der Deutschen Presse-Agentur in München. Oft versuchten die Mütter, den Nachwuchs in Sicherheit zu bringen.

Und wenn das nicht gelingt? "Dann sterben die natürlich, wenn ein Baum gefällt wird." Gerade in Boom-Städten wie München, wo viel gebaut wird, ist das ein Problem. Noch bis Ende Februar darf gefällt werden. Vom 1. März bis zum 30. September ist dies nur unter strengen Voraussetzungen erlaubt.

Eigentlich müssten die Baumfäller nachsehen, ob Junge im Nest seien, erklärte Heidi Gallenberger vom Verein Eichhörnchen Schutz in München. Dies geschehe jedoch oft nicht. Es sei keine Seltenheit, dass die Tierbabys mit den Kobeln lebend entsorgt würden. "Die sterben so qualvoll", meinte Gallenberger.

Auch der Bund Naturschutz (BUND) beklagt fehlende Sensibilität bei diesem Thema, vor allem weil Bäume immer wieder illegal gefällt würden. Geldstrafen zeigten wenig Wirkung, weiß der stellvertretende Geschäftsführer der BUND-Kreisgruppe München, Martin Hänsel, zu berichten. Gerade in Städten wie München ist bei den extrem hohen Grundstückspreisen jeder Quadratzentimeter kostbar. Bei diesem Mehrwert falle die Strafe nicht ins Gewicht. "Das ist eingepreist", ist Hänsel überzeugt.

Allein München verliert nach Schätzung der Naturschützer jedes Jahr 2500 Bäume, mit drastischen Folgen für Wildtiere wie Eichhörnchen, die so immer weniger Plätze für ihre Kobel finden. In ihrer Not weichen die putzigen Tiere aus: Auf Balkone, Vogelkästen, große Blumentöpfe oder sogar Polster und liegengelassene Handtücher, erklärt IZW-Biologe Börner.

Die Folgen bekommt der Verein Eichhörnchen Schutz zu spüren. Wenn die Hausbewohner im März ihren Frühjahrsputz machen, wird es kritisch: "Sie schütteln die Decken aus, machen ihre Blumenkästen sauber und räumen das Laub weg, dann zerstören sie ungewollt die Nester", sagte Gallenberger. "Das ist leider kein Einzelfall." Auch in Dachrinnen oder Jalousienkästen wurden schon welche gefunden, "als Ersatz für morsche Baumhöhlen". Unmengen solcher heimatloser Tiere landen dann bei ihr und anderen Aufnahmestellen, mit denen der Verein vernetzt ist. Doch oft kommt jede Hilfe für die Jungtiere zu spät, etwa wenn ihr Kobel an einer Hausfassade angebracht ist und die Tiere dort ihre ersten Kletterausflüge unternehmen. "Da gibt es keine schützenden Zweige, die die Tierbabys auffangen", beklagt Gallenberger. Wenn sie abstürzten, seien sie schwer verletzt oder tot.

Vom Aussterben bedroht sind Eichhörnchen nicht, trotzdem wünschen sich Verbände wie das IZW oder der BUND einen respektvolleren Umgang mit den Tieren. Der BUND entwickelt gerade eine App für Smartphones. Damit wolle man Eichhörnchen erfassen und herausfinden, wo sie sich aufhalten, sagt Christopher Busch von der BUND-Baumschutz-Hotline.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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