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Klinikmörder Niels Högel dachte nicht ans Aufhören

Oldenburg  

Klinikmörder Niels Högel dachte nicht ans Aufhören

08.03.2019, 03:04 Uhr | dpa

Klinikmörder Niels Högel dachte nicht ans Aufhören. Prozess gegen Niels Högel

Der wegen Mordes an 100 Patienten angeklagte Niels Högel steht im Gerichtssaal. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/Archiv (Quelle: dpa)

Der verurteilte Patientenmörder Niels Högel hat zwischen seinen Taten nicht ans Aufhören gedacht. Er sei zwar zeitweise vorsichtig geworden, um nicht entdeckt zu werden, sagte der 42-Jährige am Freitag im Mordprozess vor dem Landgericht Oldenburg. Später habe er jedoch nicht mehr groß auf die Auswahl der Patienten geachtet, denen er Medikamente spritzte.

In seiner letzten Zeit im Delmenhorster Klinikum sei er schließlich ein höheres Risiko eingegangen. "Ich wollte endlich aufhören und erwischt werden", schilderte Högel die Phase, bevor er von einer Pflegerin auf frischer Tat ertappt worden war. In diesem Zeitraum habe er auch viel Alkohol getrunken, allerdings nach dem Dienst und damit ohne Auswirkungen auf seine Arbeit.

Die Staatsanwaltschaft hat den Ex-Krankenpfleger wegen Mordes an 100 Patienten an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg angeklagt. Sie wirft ihm vor, seine Opfer mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt zu haben. Wegen des Todes von sechs Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation hatte das Landgericht Oldenburg den Mann bereits zu lebenslanger Haft verurteilt.

Högel habe aus Imponiergehabe getötet, zitierte Richter Sebastian Bührmann am Freitag aus den Unterlagen des bisherigen Gutachters Konstantin Karyofilis. Dieser ist für den Prozess wegen einer schweren Krankheit ausgefallen, er hatte Högel bereits 2015 psychiatrisch begutachtet und viele Stunden mit ihm gesprochen. Nach Ansicht von Karyofilis gierte Högel nach Anerkennung und Lob, er wollte zum Elite-Kreis der Pfleger gehören. Mitgefühl gegenüber den Patienten, um sie etwa von Schmerzen zu erlösen, empfand Högel dabei nicht.

"Waren Ihre Angaben zu Karyofilis zutreffend?", fragte am Freitag der neue Gutachter Professor Henning Saß. "Ja, absolut", sagte Högel. Er antwortete erstmals auf einige Nachfragen des Sachverständigen. Der Ex-Krankenpfleger hatte zuvor Explorationsgespräche mit dem neuen Gutachter Saß abgelehnt, der zuvor schon im NSU-Prozess die Angeklagte Beate Zschäpe im Hinblick auf ihre Schuldfähigkeit begutachtet hatte.

Die vielleicht größte Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte hatte auch ein bisher beispielloses Verfahren der Rechtsmedizin eröffnet. Die Ermittler der Sonderkommission "Kardio" hatten in fast drei Jahren die Leichen von 134 ehemaligen Patienten der Krankenhäuser Oldenburg und Delmenhorst exhumiert. Dazu wurden Gräber auf 67 Friedhöfen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und in der Türkei geöffnet und dort auch Bodenproben untersucht. Zur Messung verschiedener Substanzen in den Geweberesten seien spezielle Verfahren entwickelt worden, sagten Rechtsmediziner.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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