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Freier Eintritt in Museen für alle? Ministerin hat Bedenken

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Freier Eintritt in Museen für alle? Ministerin hat Bedenken

07.04.2019, 09:34 Uhr | dpa

Freier Eintritt in Museen für alle? Ministerin hat Bedenken. Städel Museum

Besucher gehen im Städel Museum über eine Treppe. Foto: Andreas Arnold/Archivbild (Quelle: dpa)

Hessens Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) sieht einen generellen freien Eintritt in Museen kritisch. Ein solches Angebot müsse gut gegenfinanziert werden, sagte die Grünen-Politikerin in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. Ansonsten fehle womöglich Geld für andere wichtige Angebote in der kulturellen Bildung. "Also einfach nur einen Eintritt kostenlos zu machen hat noch nicht dazu geführt, dass jemand sich mit Kunst und Kultur wirklich auseinandersetzt", gibt Dorn zu Bedenken.

In Deutschland wird seit einigen Wochen über generellen freien Eintritt ins Museum diskutiert. Auslöser sind Pläne, im künftigen Humboldt Forum im Berliner Schloss keinen Eintritt für die ständige Ausstellung zu verlangen. Das rund 600 Millionen Euro teure Museums- und Kulturzentrum soll von Ende 2019 an schrittweise öffnen. Nach drei Jahren soll unter anderem überprüft werden, welche Auswirkungen das Pilotprojekt "Freier Eintritt" auf andere Häuser hat.

Ministerin Dorn sagte: "Wir müssen schon sehr achtgeben bei der Prioritätensetzung: Wie kann ein Mensch wirklich teilhaben an der Gesellschaft und an der Kultur. Das muss ja die Frage sein." Erforderlich seien vielmehr Angebote der Museumspädagogik und der kulturellen Bildung. "Und die müssen passend auf die jeweilige Einrichtung zugeschnitten sein", erklärte die Ministerin.

"Allein dem Land würde es jährlich einen höheren einstelligen Millionenbetrag kosten, für die Landesmuseen den Eintritt generell kostenfrei zu machen", rechnete Dorn vor. "Aber man muss auch im Blick haben: Was macht das mit den Kommunen und ihren Museen?" Diese seien auf Eintrittsgelder enorm angewiesen. "Insofern haben wir auch eine Verantwortung der Kulturlandschaft gegenüber." Dorn verwies auf kostenfreie Angebote, die es bereits gibt, etwa für Kinder und Jugendliche, Schulklassen oder für bestimmte Projekte.

In Frankfurt müssen Kinder und Jugendliche seit 2017 in den 16 städtischen Museen keinen Eintritt mehr bezahlen. Dafür zahlt die Stadt an die Museen jährlich rund 135 000 Euro als Ausgleich. Museen in anderer Trägerschaft, zum Beispiel das Städel, das Senckenberg- oder Filmmuseum waren von der Regelung zunächst nicht betroffen.

Nach dem ersten Jahr waren die Initiatoren sehr zufrieden. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sprach im Mai 2018 von einer überwältigenden Resonanz: Die Zahl der Besuche Minderjähriger habe sich deutlich erhöht. 2017 sahen sich rund 69 500 Menschen unter 18 Jahren die Ausstellungen an. Im Jahr zuvor - als noch Eintritt erhoben wurde - waren es noch 47 400 gewesen.

Nach den Sommerferien sollen jetzt auch die nicht-städtischen Museen dazukommen. Im Januar beschloss der Frankfurter Magistrat ein "Kultur- und Freizeitticket": Kinder, deren Eltern weniger als 4500 Euro netto im Monat verdienen, sollen ab Sommer in allen Frankfurter Museen und im Zoo freien Eintritt haben. Wie das umgesetzt und kontrolliert wird, ist im Detail noch nicht entschieden.

In Bad Hersfeldist der Eintritt in städtischen Museen generell kostenfrei. Das Angebot werde über Haushaltsmittel der osthessischen Kreisstadt finanziert, sagte ein Stadtsprecher. Das Konrad-Duden-Museum und die Alte Tuchfabrik werden über einen Verein beziehungsweise privat betrieben und haben ebenfalls freien Eintritt. Im Wortreich, dem Museum für Sprache und Kommunikation, haben Kinder unter sechs Jahren freien Eintritt, gleiches gilt für Geburtstagskinder. Das Wortreich wird von einer städtischen Tochterfirma betrieben. Somit besteht auch dort eine mittelbare Finanzierung über den Haushalt der Stadt.

"Der freie Eintritt in die städtischen Museen sowie für jüngere Kinder im Wortreich ist klarer politischer Wille der Stadtverordneten in Bad Hersfeld", sagte Meik Ebert, Referent des Bürgermeisters. "Man will den leichten Zugang zu den kulturellen und historischen Gütern unserer Stadt und stellt dafür auch Haushaltsmittel bereit."

In Hanau wird Kindern unter sechs Jahren freier Eintritt gegeben. Kinder ab sechs Jahren zahlen einen Euro, wie die Stadt mitteilte. Im Hessischen Puppen- und Spielzeugmuseum, das von der Stadt Hanau mit einem Betriebs- und Personalkostenzuschuss unterstützt wird, zahlen Kinder ebenfalls nur einen Euro. "Gerade dieses Haus, in Trägerschaft eines gemeinnützigen Vereins, ist auf die Einnahmen der "Kinder-Eintritte" angewiesen, um das Veranstaltungs- und Programmangebot finanzieren zu können", erklärte die Stadt.

Auch die Kinder-Akademie in Fulda kann auf Eintritte nicht verzichten. "Wir sind dringend auf Einnahmen angewiesen, weil wir unsere Kosten ansonsten nicht decken könnten", begründete Leiterin Yvonne Petrina. "Generell finde ich freien Eintritt für Museen oder gegen eine Spende toll. Denn dadurch kommen Besucher ins Haus, die es sonst nicht besuchen würden. Aber wir können uns das leider nicht leisten."

In einigen städtischen Fuldaer Museen wie im Vonderau-Museum, im Stadtschloss und im Planetarium haben Kinder bis sechs Jahre generell freien Eintritt, ebenso im Deutschen Feuerwehr-Museum. Wegen des Fuldaer Stadtjubiläums haben in diesem Jahr aber auch Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren freien Eintritt. Ebenfalls für das Jubiläumsjahr 2019 gilt: freier Eintritt für alle am ersten Sonntag eines Monats im Vonderau-Museum. Die Effekte? "Für eine Zwischenbilanz ist es noch zu früh. Jedoch ist die erste Resonanz generell positiv", teilte die Stadt Fulda mit. Einnahmeausfälle würden über Haushaltsmittel kompensiert.

In Kassel kommen Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre kostenlos ins Stadtmuseum. Im Naturkundemuseum ist der Eintritt frei für Kinder unter sechs Jahren. Zudem gibt es ein Kulturticket, dass Studierenden gegen die Zahlung eines semesterbezogenen Betrags die kostenlose Nutzung verschiedener Kulturangebote erlaubt – so auch den Besuch der städtischen Museen. Der kostenlose Eintritt für Kinder und Jugendliche im Stadtmuseum habe bisher nicht zu einer höheren Besucherzahl in dieser Altersgruppe geführt, sagte ein Stadtsprecher. Dennoch wolle man die Initiative fortführen, um Barrieren für den Museumsbesuch abzubauen und die Chancen auf Teilhabe unabhängig vom Einkommen zu erhöhen. Die Nutzung des Kulturtickets für Studenten zeige dagegen eine positive Resonanz.

Freien Eintritt haben Kinder, Jugendliche und Studenten der Universität Kassel auch in den Museen der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Gleiches gilt für die Mitglieder vieler Verbände wie VDK und dem Hessischem Museumsverbands. "Der freie Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wurde bei der MHK zum 1. April 2007 eingeführt und wurde von den Besuchern außerordentlich positiv aufgenommen", sagte eine MHK-Sprecherin ohne Zahlen zu nennen. Finanzielle Auswirkungen bei der Museumslandschaft gebe es nicht, der Verlust werde aufgewogen durch den höheren Bekanntheitsgrad der Institution. Dadurch würden auch mehr zahlende Besucher kommen.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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