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Boehringer-Managerin: Zeit der großen "Blockbuster" vorbei

Ingelheim am Rhein  

Boehringer-Managerin: Zeit der großen "Blockbuster" vorbei

14.04.2019, 08:44 Uhr | dpa

Boehringer-Managerin: Zeit der großen "Blockbuster" vorbei. Boehringer Ingelheim

Ein Mann geht an der hell erleuchteten Unternehmenszentrale des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim vorbei. Foto: Andreas Arnold/Archiv (Quelle: dpa)

Der Fokus der Medizin wird künftig nach Einschätzung der neuen Deutschland-Chefin von Boehringer Ingelheim auf individualisierten Therapien liegen. Der Trend gehe in Richtung differenzierterer Ansätze, sagte Sabine Nikolaus der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Krebserkrankungen etwa würden immer "tumorspezifischer" und exakter auf den einzelnen Patienten abgestimmt bekämpft. Das heiße auch, dass es anders als in der Vergangenheit nicht mehr die Medikamente geben werde, die bei einer großen Masse von Kranken einheitlich verwendet würden. "Die Zeit der großen Blockbuster wird die Zukunft nicht mehr sein", sagte Nikolaus.

An diesem Mittwoch (17.4.) stellt Boehringer Ingelheim auf einer Pressekonferenz die Bilanz 2018 vor. Nikolaus ist seit Jahresanfang Nachfolgerin des langjährigen Boehringer-Landesleiters Stefan Rinn.

Noch mehr an Bedeutung gewinnen ihrer Einschätzung nach auch Biopharmazeutika - also Arzneimittel, die aus lebenden Organismen gewonnen werden. "Der Trend geht zu großen biopharmazeutischen Molekülen. Das ist der Grund, warum wir dort in der Forschung und Entwicklung investieren", sagte sie.

Im vergangenen Jahr hatte die Beratungsgesellschaft EY berichtet, dass der Umsatz mit Biopharmazeutika in Deutschland 2017 um acht Prozent auf den Rekordwert von vier Milliarden Euro gestiegen ist.

Boehringer stärke gezielt seine biopharmazeutische Eigenproduktion - vor allem in Mittel gegen Magen-Darm- sowie Lungenkrebs. Bislang macht in der am Boehringer-Standort im baden-württembergischen Biberach konzentrierten Biologika-Produktion die Herstellung im Auftrag von Drittfirmen einen beträchtlichen Teil aus. In der Boehringer-Produktpalette machen Biopharmazeutika Nikolaus zufolge derzeit 40 Prozent aus - Tendenz steigend. "Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit noch mehr in diese Richtung gehen." 2018 übernahmen die Ingelheimer das Biopharma-Unternehmen Viratherapeutics aus Innsbruck.

Große Bedeutung misst Nikolaus zudem Forschungskooperationen bei. "Das ist ein Weg der Zukunft", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Auch deswegen habe Boehringer eine Substanz-Datenbank erstellt, über die interessierte Forschende Substanzen bestellen könnten. "Wir machen unsere eigenen Forschungssubstanzen so für andere Ideen nutzbar", sagte Nikolaus. Bislang seien schon über 17 000 Anforderungen für Substanzen eingegangen. Gerade in der Krebstherapie brauche es Kombinationen von Wirkmechanismen, um die Krankheit erfolgreich bekämpfen zu können. Klar sei trotz aller Digitalisierung und neuer technischer Möglichkeiten: "Arzneistoffforschung ist ein Hochrisikogeschäft und wird das auch bleiben. Da dürfen wir uns nichts vormachen."

Ein großes Augenmerk legt Boehringer auch auf das Geschäft mit Tiermedizin. 2017 wurde die entsprechende Sanofi-Sparte Merial erworben, dafür das eigene Geschäft mit verschreibungsfreien Mitteln zur Selbstmedikation an die Franzosen abgegeben. Die Integration von Merial in den Boehringer-Konzern habe sehr gut funktioniert, sagte Nikolaus. Man sei weltweit zur Nummer zwei in der Tiermedizin geworden. "Wenn man die Nummer zwei ist, hat man immer auch die Nummer eins im Visier", sagte die Managerin. Weltmarktführer ist der US-Tiergesundheitskonzern Zoetis. Zahlreiche Pharmariesen haben sich in den vergangenen Jahren indes von diesem Geschäftsbereich getrennt.

"Tiere sind für das Wohl der Menschheit essenziell", sagte Nikolaus. "Wir glauben, dass das weiter zunimmt. Denken Sie an das Thema Alterung der Gesellschaft: Viele ältere Menschen leben gesünder mit einem Haustier, mit einer Katze oder einem Hund." Potenzial sieht sie auch im Nutztierbereich. "Die menschliche Bevölkerung wächst, und das zeigt sich in der zunehmenden Nutztierhaltung."

Gerade in der Tiergesundheit spiele das Thema Prävention eine extrem große Rolle. Dabei gehe es um Impfstoffe und um Methoden, um kranke Tiere frühzeitig zu erkennen - zum Beispiel, wenn Tiere andere Laute von sich geben. Firmen arbeiten beispielsweise an Algorithmen, die Tierlaute im Stall analysieren und bei Anomalitäten ein Signal geben. Boehringer beispielsweise arbeitet in seinem digitalen Labor "BI X" in Ingelheim an Lösungen mit künstlicher Intelligenz.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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