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Gullydeckel gegen Bahn: Kein Terror, aber ungeheuerliche Tat

Bad Berleburg  

Gullydeckel gegen Bahn: Kein Terror, aber ungeheuerliche Tat

15.04.2019, 11:22 Uhr | dpa

Gullydeckel gegen Bahn: Kein Terror, aber ungeheuerliche Tat. Ein Zug der Hessischen Landesbahn mit zerstörter Frontscheibe

Ein Zug der Hessischen Landesbahn steht mit zerstörter Frontscheibe in der Werkstatthalle in Siegen. Foto: Markus Klümper (Quelle: dpa)

Ein riesiges Loch klaffte in der Frontscheibe, das Steuerpult war mit Glassplittern übersäht - der Zugführer blieb nur durch seine Geistesgegenwart fast unverletzt. Im Fall der Gullydeckel-Attacke auf einen Regionalzug der Hessischen Landesbahn in Nordrhein-Westfalen haben die Ermittler nach eigenen Angaben keine Hinweise auf einen Terroranschlag. "Wir ermitteln weiter in alle Richtungen und haben derzeit keinerlei Hinweise, dass es eine politisch motivierte Tat wäre", sagte Staatsanwalt Philipp Scharfenbaum am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Ermittler suchen Zeugen. "Jeder Hinweis kann uns weiterbringen."

Unbekannte hatten in der Nacht zum Samstag mehrere Gullydeckel von einer Brücke herab an Seilen über den Schienen aufgehängt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Mindestens ein Gullydeckel durchschlug die Frontscheibe eines Zuges, der zwischen Bad Berleburg und Erndtebrück in NRW fuhr. Der 49-jährige Lokführer wurde leicht verletzt. Die Behörden sprechen von einem Mordversuch. Wegen einer geplanten Leerfahrt waren keine Fahrgäste an Bord der Bahn.

"Wenn jemand massive Gullydeckel auf Höhe des Fahrerstandes hängt, dann geht es nicht mehr darum, den Zug am Dach oder an der Seite zu beschädigen. Dann nimmt man den Tod des Fahrers billigend in Kauf", erläuterte der Staatsanwalt. Deshalb werde wegen versuchten Mordes ermittelt. Der oder die Täter hätten eine aus Ketten und Seilen gebastelte Konstruktion mit mehreren Gullydeckeln gebaut. Einen der Gullydeckel beschrieb der Staatsanwalt als einen massiven quadratischen Rost, wie man ihn als Abdeckung von Wasserabflüssen am Straßenrand verwendet.

Die Ermittler gehen weiter davon aus, dass die am Tatort gefundenen Gullydeckel in der Nacht von Donnerstag auf Freitag von der Kreisstraße 31 in Hilchenbach gestohlen worden waren. Laut Polizei sollten am Montag Beamte noch einmal am Tatort nach Spuren suchen.

Die Hessische Landesbahn (HLB) zeigte sich schockiert. "Das war ein ungeheuerlicher Anschlag, bei dem bewusst der Tod eines Menschen in Kauf genommen wurde. Es handelt sich um keinen sogenannten Dumme-Jungen-Streich. Da ist jemand geplant und mit krimineller Energie vorgegangen. Wir sind sehr betroffen und erschrocken", sagte HLB-Sprecherin Sabrina Walter in Frankfurt. "Wir würden gern wissen, ob es uns zufällig getroffen hat oder die HLB bewusst geschädigt werden sollte." Ein Erpresser- oder Bekennerschreiben liege aber nicht vor.

Der Lokführer erlitt laut HLB einen mittelschweren Schock. Er sei krankgeschrieben, psychisch sehr mitgenommen und erhole sich derzeit zu Hause. Betreut werde er vom Notfall-Management des Unternehmens. "Wir sind heilfroh, dass durch seine geistesgegenwärtige Reaktion nichts Schlimmeres passiert ist." Der Lokführer habe eine Notbremsung vollzogen und sich nach hinten weggeduckt.

Der betroffene Zug werde derzeit in einer Werkstatt in Siegen untersucht. Nach erster Schätzung liegt der Sachschaden bei mindestens 20 000 Euro, wie die Sprecherin sagte. Am Mittwoch liege womöglich eine Bilanz zur Schadenshöhe vor, sagte Walter.

Der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, bezeichnete die Tat als "unglaubliche Provokation". "Hier ist ein gezielter Angriff auf das Leben des Lokführers vorgenommen worden - denn es gehört schon einiges dazu, dass diese Gullydeckel auf der richtigen Höhe hängen und dann direkt auf Führerstandshöhe in die Frontscheibe einschlagen", sagte Weselsky dem Radiosender MDR aktuell.

Die Hessische Landesbahn betreibt die Linie RB 93, die zwischen Bad Berleburg (NRW) und Altenkirchen (Rheinland-Pfalz) verkehrt und über Siegen (NRW) führt. Die eingleisige Strecke könne seit Samstagnachmittag wieder befahren werden. Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen als Reaktion auf die Aktion sei nicht möglich. "Wir können nur an unser Personal appellieren, mit höchster Aufmerksamkeit unterwegs zu sein", sagte Walter.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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