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Schnellere Entscheidung bei Problemen: Neue Wolfsordnung

Dresden  

Schnellere Entscheidung bei Problemen: Neue Wolfsordnung

16.04.2019, 14:51 Uhr | dpa

Schnellere Entscheidung bei Problemen: Neue Wolfsordnung. Wolf

Ein Wolf läuft durch die Wolfsanlage im Moritzburger Wildgehege. Foto: Monika Skolimowska/Archivbild (Quelle: dpa)

Eine neue Verordnung macht in Sachsen eine schnellere Entscheidung über den Abschuss von Wölfen möglich. Sie regelt anhand von Musterfällen die Vergrämung und Tötung bei Gefahr für Menschen und zur Vermeidung erheblicher wirtschaftlicher Schäden. Die Ende Mai in Kraft tretenden Regelungen würden für die zuständigen Behörden mehr Rechtssicherheit schaffen und sollten Konflikte vermeiden und entschärfen helfen, wie Umwelt- und Agrarminister Thomas Schmidt (CDU) am Dienstag nach der Kabinettssitzung in Dresden sagte. Scharfe Kritik kam von den Grünen aus dem Landtag.

Nach der Verordnung dürfen Wölfe verjagt werden, wenn sie sich einem Wohngebäude oder Menschen auf unter 100 Meter nähern, sich nicht verscheuchen lassen und das öffentliche Leben gestört wird. Wenn sie Menschen weniger als 30 Meter nahekommen und eine Vergrämung erfolglos ist, darf ein Tier abgeschossen werden. Auch wenn sie Schutzmaßnahmen für Nutztiere innerhalb von zwei Wochen zwei Mal überwinden, ist das möglich. Künftig ist aber die Region entscheidend, es muss nicht mehr die gleiche Herde sein. Die Ausnahmegenehmigungen erteilen weiterhin die Landkreise und kreisfreien Städte.

"Der Abschuss ist nur die allerletzte Maßnahme", sagte Schmidt. Die Verordnung verbiete zudem Anlocken, Füttern und zielgerichtete Annäherung an Wölfe - bei einer Strafe von bis zu 1000 Euro. "Der Wolf als hochgeschütztes Tier darf seine Scheu vor dem Menschen nicht verlieren", appellierte Schmidt an die Bevölkerung. Zugleich forderte er Nutztierhalter auf, ihre Tiere vor Angriffen zu schützen. Die Wölfe dürften sich nicht an leichte Beute gewöhnen.

"Das ist das, was wir auf Landesebene tun können, wir sind bis an die Grenzen gegangen", erklärte Schmidt. Die Regelungen sind aus den Aufgaben abgeleitet, die die Länder erfüllen müssen. Nach Angaben des Ministeriums wurden 2018 über 200 gerissene Schafe registriert, wo ein Wolf als Urheber nicht ausgeschlossen werden kann. Darunter waren auch nicht ordnungsgemäß geschützte Tiere.

Erst am Dienstagmorgen waren in der Muldenaue im Kreis Leipzig fünf tote und zwei verletzte Schafe gefunden worden. Es könne nicht ausgeschlossen werden,dass sie Wölfen zum Opfer fielen, teilte der Landkreis Leipzig mit. Drei weitere Schafe werden demnach vermisst. Der Vorfall hat sich laut Behörde im Einzugsbereich des bekannten Dahlener Wolfsrudels ereignet.

Für einen Überblick über Aufenthaltsorte und Bewegungsmuster der derzeit 18 Rudel und vier Paare im Freistaat soll nun wenigstens je ein Tier davon besendert werden. Schmidt schätzt den Bestand aktuell auf 160 bis 200 Tiere, bei einem jährlichen Zuwachs von 25 bis 30 Prozent. Die Begutachtung von Wolfsrissen, Beratung und Förderung von Nutztierhaltern wird mit einer Fachstelle Wolf beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie mit sechs Mitarbeitern konzentriert.

Mit Blick auf die Bundesregierung forderte Schmidt erneut, dass die deutschen Regelungen entschärft und die europäische FFH-Linie 1:1 umgesetzt werden. "Wir wollen wenigsten das, was Europa vorgibt und in anderen Ländern gilt." Danach reichen für Nutztierhalter ernste Schäden für eine Entnahme, zudem kann diese mehrere Tiere betreffen. In Deutschland müssen erhebliche Schäden nachgewiesen werden, was für Nebenerwerbs- und Hobbylandwirte schwer ist, und im Einzelfall kann nur ein Tier getötet werden. "Wir wollen bis zur Sommerpause Klarheit haben."

Die Grünen indes fordern die Vergrämung des potenziellen Rudels, solange ein entstandener Schaden keinem Einzeltier zugeordnet werden kann. Erst danach dürften Maßnahmen zum Abschuss folgen, sagte Fraktionschef Wolfram Günther. Für ihn steht der Bestand des unter Schutz stehenden Wolfes "faktisch auf der Abschussliste", wenn nach der Verordnung ein beliebiges Tier eines Rudels nach einem Wolfsriss getötet werden könne.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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