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Blick zurück nach vorn: Daniel Biskups Fotoband "Wendejahre"

Ludwigshafen am Rhein  

Blick zurück nach vorn: Daniel Biskups Fotoband "Wendejahre"

10.05.2019, 05:45 Uhr | dpa

Blick zurück nach vorn: Daniel Biskups Fotoband "Wendejahre". Daniel Biskup

Fotograf Daniel Biskup kommt zur Vernissage der Ausstellung "Foto.Kunst.Boulevard" im Martin-Gropius-Bau in Berlin. Foto: Jörg Carstensen/Archiv (Quelle: dpa)

Zum bevorstehenden 30. Jahrestag des Mauerfalls legt der deutsche Fotograf Daniel Biskup ein Buch vor, das wohl wie kaum ein anderer Bildband den Anteil von Helmut Kohl am damaligen Geschehen dokumentiert. In "Wendejahre" (Verlag Salz und Silber) steht der Pfälzer zwar nicht allein im Mittelpunkt - aber die Aufnahmen mit dem damaligen Bundeskanzler markieren Meilensteine der Zeit vor und nach dem 9. November 1989. Die Wahrnehmung vieler DDR-Bürger von Kohl als "Heilsbringer" und später als Sündenbock ist oft erzählt. Aber selten wurde sie so prägnant eingefangen.

Als "Auge der Revolution" wird der 1962 in Bonn geborene Fotograf oft bezeichnet. Biskup war seit den 1980-er Jahren immer wieder zum Fotografieren in den damaligen "Ostblock" gereist und hat zahlreiche Bildbände darüber vorgelegt. Parallel wurde er gleichermaßen zu einer Art Leibfotograf von Kohl und war nach der Amtszeit des Kanzlers oft in dessen Bungalow in Oggersheim. Der in Augsburg lebende Biskup hat auch etwa Wladimir Putin und Donald Trump fotografiert - Aufnahmen von Helmut Kohl ziehen sich aber wie ein roter Faden durch sein Werk.

Am 20. Februar 1990 steht er neben dem Bundeskanzler, als dieser von einem Balkon in Erfurt auf 140 000 Menschen schaut. ""Helmut, Helmut, Helmut" schrien sie", erinnert sich Biskup. Aus Erfurt ist im Buch auch ein Bild von April 1991 abgedruckt: eine Frau schmiegt sich beim Stadtrundgang eng an den lächelnden Kohl. Drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall hat das Foto etwas Ikonenhaftes. Aber die Stimmung gegen den Westpolitiker kippt, das dokumentieren die Bilder mit Parolen wie "Herr Kohl - Sie trau'n sich wohl nicht mehr nach Leipzig?"

Wäre "Wendejahre" ein Film - Kohl wäre wohl der Hauptdarsteller. Doch es gibt noch andere wie Angela Merkel, Richard von Weizsäcker und Oskar Lafontaine, die Biskup in wichtigen Momenten zeigt. Überwiegend sind aber Passanten, Demonstranten, Uniformierte, Arbeiter zu sehen. Und Graffiti an der Mauer, Schrottberge stehen gelassener Trabis, Schaufenster, Bautafeln, durchgestrichene Straßenschilder. "Ich habe die Menschen in ihrem Alltag fotografiert, auf Märkten, ganz normale Szenen", sagt Biskup. Und das hat er nicht nur in Berlin oder anderen ostdeutschen Großstädten getan, sondern auch auf dem Land.

Umfragen zufolge sind 30 Jahre nach dem Mauerfall viele Menschen in Ost und West müde, über genutzte und vertane Chancen der Vereinigung zu diskutieren. "Wendejahre" könnte ein Anlass für einen Blick zurück nach vorn sein. Schmunzeln ist erlaubt, etwa über die Parole "Einheit auf eigene Gefahr" auf der Mauer. "Man muss die banalen Dinge fotografieren", sagt Biskup. "Mit Abstand bekommen sie Bedeutung."

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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