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Stadionbau: Sportsenator schlägt Tegel vor

Berlin  

Stadionbau: Sportsenator schlägt Tegel vor

16.05.2019, 09:58 Uhr | dpa

Stadionbau: Sportsenator schlägt Tegel vor. Blick auf den Flughafen Berlin-Tegel

Blick auf den Flughafen Berlin-Tegel. Foto: Sophia Kembowski/Archivbild (Quelle: dpa)

Der Flughafen Tegel könnte nach der geplanten Schließung 2021 statt für Reisende und Urlauber zum Anlaufpunkt für Fußball-Fans werden. Der Berliner Sportsenator Andreas Geisel (SPD) hat in der Debatte über einen Stadionbau des Bundesligisten Hertha BSC einen Standort auf dem in Zukunft geschlossenen Airport vorgeschlagen. "Wenn Hertha einen Neubau in Berlin will, wäre der Flughafen Tegel ein Standort", erklärte Geisel in der "Bild"-Zeitung (Donnerstag). "Wir freuen uns, dass Bewegung in das für den Verein sehr wichtige Thema kommt", kommentierte Hertha-Manager Michael Preetz den Vorstoß von Geisel.

Den Plan mit Tegel bestätigte der Sprecher der Berliner Innenverwaltung, Martin Pallgen, der dpa. Ob das Flughafen-Gelände aufgrund verschiedener Faktoren überhaupt als Stadion-Standort geeignet wäre, ist aber nicht nur wegen der derzeitigen Verkehrsanbindung noch nicht gänzlich geklärt. "Es müsste dann geprüft werden", sagte Geisel. Dafür verantwortlich ist die Tegel Projekt GmbH. Pallgen betonte, dass andere Planungen auf dem Flughafen-Gelände nicht betroffen sein sollen.

Hertha wertet den Vorschlag als "gutes Signal", dass die Forderung einer eigenen Arena ernst genommen würde: "Erstmal freuen wir uns, dass beim Senat offenbar angekommen ist, dass es ein unterstützungswürdiges Projekt ist", sagte Preetz. Bisher habe der Verein "das nicht so klar von Herrn Geisel gehört". Hertha werde nun "mit dem Senat in Austausch gehen", sagte Preetz, "wir werden selbstverständlich den Ball aufnehmen und mit dem Senat über die Option sprechen. Wir sagen aber auch deutlich, dass wir den Olympiapark für den geeigneteren Standpunkt halten."

Indes stößt der Vorstoß von Geisel bei den Koalitionspartnern im Berliner Abgeordnetenhaus auf Verwunderung und Skepsis. "Das ist ein Schnellschuss, der niemanden weiterbringt", sagte die Sprecherin für Sport, Nicole Ludwig (Grüne). Geisel habe seinen Vorstoß nicht in der rot-rot-grünen Koalition abgestimmt.

Die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, die in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung von Katrin Lompscher (Linke) arbeitet, sagte: "Die bisherigen Planungen für die Nachnutzung sehen ein urban, sozial und funktional gemischtes Quartier vor." Ein möglicher Standort für ein neues Hertha-Stadion auf dem knapp 500 Hektar großen Areal wurde bislang weder von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen noch von der Tegel Projekt GmbH geprüft", fügte sie hinzu. "Es liegt auch kein entsprechender Prüfauftrag vor."

Hertha hatte den Flughafen Tegel bei der Suche nach einem geeigneten Ort für den Bau einer rein privat finanzierten Fußball-Arena mit geprüft, dann aber nicht weiter verfolgt. Für den Bundesligisten kam bislang nur ein Neubau im Olympiapark infrage, nachdem die Alternative Ludwigsfelde von den Mitgliedern abgewählt wurde.

Der neue Hauptstadtflughafen BER soll nach mehrmaliger Verschiebung des Eröffnungstermins im Oktober 2020 in Betrieb gehen. Tegel soll spätestens ein halbes Jahr später geschlossen werden, also aktuell im März 2021. Das wäre für Hertha zu kurz. Geplant ist, spätestens Anfang 2022 mit dem Bau des neuen Stadions zu beginnen. Aufgrund "dieser Zeitachse und der fehlenden Infrastruktur" sei Tegel "keine unmittelbare Möglichkeit für uns", hatte Preetz noch vor zehn Tagen erklärt. Nun ist Hertha bemüht, die Schärfe aus der Auseinandersetzung mit dem Senat zu nehmen.

Auch Geisel hält die Lösung Tegel bis 2025 nicht für realisierbar, "das wäre erst 2027/28 möglich". Der Sportsenator will bis dahin "mit Hertha Vereinbarungen treffen, um dem Verein den Aufenthalt im Olympiastadion angenehmer zu machen". Dazu soll eine neue Beleuchtung gehören, mit der die Arena wahlweise blau (bei Hertha-Spielen) oder grün (bei DFB-Veranstaltungen wie dem Pokalfinale) erstrahlen soll. Die 40 Millionen Euro, die der Senat investieren will in verbesserte Infrastruktur des Stadions auch mit Blick auf die Heim-EM 2024, waren schon zuvor ein Thema.

"Tegel ist der einzig sinnvolle Ort innerhalb der Stadtgrenzen, wo es keine Probleme mit Anwohnern geben würde", sagte der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dennis Buchner, in der "B.Z." zur langfristigen Idee, auf dem Flughafen-Gelände zu bauen. "Ich bin sicher, dass man die fünf bis sechs Hektar, die Hertha braucht, abzweigen kann", ergänzte der Abgeordnete der Berliner Regierungspartei und bekräftigte: Für einen Standort im Olympiapark werde es "weder vor noch nach der Wahl eine Mehrheit geben".

Die Abgeordnetenhaus-Fraktionen der rot-rot-grünen Koalition hatten erklärt, dass die Arena am bisher geplanten Standort im Olympiapark nicht zu realisieren" sei. Eine Genossenschaft, der 24 Wohnungen auf dem geplanten Stadion-Areal gehören, will mit dem Club nicht mehr über einen Verkauf verhandeln. Statt "irgendwelche Standorte rauszuposaunen", sei jetzt eine seriöse Prüfung mehrerer möglicher Alternativen zum Olympiagelände auf ihre Machbarkeit nötig, betonte Ludwig. Das brauche Zeit.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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