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"Colonia Dignidad"-Opfer sollen bis zu 10 000 Euro erhalten

Colonia Dignidad  

"Colonia Dignidad"-Opfer sollen bis zu 10 000 Euro erhalten

17.05.2019, 09:54 Uhr | dpa

"Colonia Dignidad"-Opfer sollen bis zu 10 000 Euro erhalten. Colonia Dignidad

Der Eingangsbereich der "Colonia Dignidad". Foto: Ceibo Produccionest/Archivbild (Quelle: dpa)

Opfer der früheren deutschen Sektensiedlung "Colonia Dignidad" in Chile sollen erstmals finanzielle Unterstützung bekommen. Bis zu 10 000 Euro pro Person seien vorgesehen, teilte Staatssekretär Niels Annen am Freitag in Berlin mit. Dabei seien rechtskräftig verurteilte Straftäter sowie herausgehobene Führungspersonen von den Hilfen ausgeschlossen. Das Konzept wurde von einer gemeinsamen Kommission aus Bundestag und Bundesregierung ausgearbeitet. Insgesamt gehe man von einem Hilfsvolumen von rund 3,5 Millionen Euro bis 2024 aus.

Im Bundeshaushalt für 2019 war bereits im November auf Druck von Abgeordneten eine Million Euro unter anderem für mögliche Hilfszahlungen eingeplant. Dieser Betrag sei mit einem Sperrvermerk versehen, sagte der menschenrechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion Michael Brand (CDU) und ergänzte: "Der kann jetzt aufgehoben werden." Ab dem Haushalt 2020 müssten dann noch zusätzlich 2,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden.

Die "Colonia Dignidad" war 1961 rund 350 Kilometer südlich von Santiago de Chile von deutschen Auswanderern aus Siegburg bei Bonn gegründet worden. In der Kolonie kam es unter dem 2010 gestorbenen Sektenführer Paul Schäfer jahrzehntelang zu Folter, Zwangsarbeit und Kindesmissbrauch. Während der chilenischen Militärdiktatur wurden auf dem abgeschotteten Areal zudem Regimegegner gefoltert und ermordet. Nach dem Ende der Diktatur von Augusto Pinochet 1990 begann die chilenische Justiz, gegen die Siedlung vorzugehen. Später benannte sich die Siedlung in "Villa Baviera" um und sagte sich von Schäfer, der 2006 wegen Kindesmissbrauchs in Chile zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war, los.

Bereits 2016 sagte der damalige SPD-Außenminister Frank-Walter Steinmeier: "Über viele Jahre hinweg (...) haben deutsche Diplomaten bestenfalls weggeschaut - jedenfalls eindeutig zu wenig für den Schutz ihrer Landsleute in dieser Kolonie getan." Auch Grünen-Politikerin Renate Künast betonte, dass Deutschland Schuld auf sich geladen habe. "Es sollte ein Lehrstück sein, was wegsehen manchmal auslösen kann", sagte sie.

Nach Angaben der Kommission leben noch rund 240 ehemalige Mitglieder der Sekte - davon 80 in Deutschland. Neben Geld sollen auch Beratungsstellen eingerichtet werden. Mit der organisatorischen Umsetzung soll die Internationale Organisation für Migration (IOM) beauftragt werden, da sie bereits Erfahrung im Umgang mit traumatisierten Menschen hat. Die IOM soll der gemeinsamen Kommission halbjährlich Tätigkeitsberichte vorlegen.

Vor gut einer Woche war bekannt geworden, dass die Ermittlungen in Deutschland gegen Hartmut Hopp, einst Arzt der berüchtigten Sekte, eingestellt worden sind. Es habe sich trotz erheblichen Aufwands kein hinreichender Tatverdacht ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft Krefeld mit. Eine Opferanwältin hat bereits Beschwerde gegen die Einstellung der Ermittlungen angekündigt.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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