Interview
Unsere Interview-Regel

Der Gespr├Ąchspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschlie├čend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

"Die Dummen w├Ąhlen die AfD"

  • Patrick Diekmann
Von Patrick Diekmann

Aktualisiert am 23.05.2019Lesedauer: 10 Min.
Martin Sonneborn, Bundesvorsitzender von "Die Partei".
Martin Sonneborn, Bundesvorsitzender von "Die Partei". (Quelle: dpa-bilder)
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"Die Partei" macht mit Satire Politik und gewinnt vor der Europawahl an Zustimmung. Ihr Chef Martin Sonneborn erkl├Ąrt die Methode dahinter und spricht ├╝ber absurde Erlebnisse in Br├╝ssel und ├╝ber andere Protestparteien.

Wie viel Spa├č vertr├Ągt die Politik? Brexit, Donald Trump und das globale Erstarken des Nationalismus ÔÇô die Zeiten sind hart. Die EU steht vor der Europawahl am Sonntag am Scheideweg. EU-kritische Parteien k├Ânnen laut aktueller Umfragen zulegen und diverse politische Kr├Ąfte in Europa machen die Abstimmung zu einer Zerrei├čprobe. K├Ânnen wir trotzdem Witze dar├╝ber machen?

Dar├╝ber haben wir mit dem ehemaligen "Titanic"-Chefredakteur und dem Bundesvorsitzenden von "Die Partei", Martin Sonneborn, gesprochen. Seine Partei k├Ânnte laut Umfragen bei der Wahl am Sonntag deutlich zulegen, sie steht zwischen zwei und drei Prozent und k├Ânnte somit zwei bis drei Mandate im n├Ąchsten Europaparlament erhalten. Sonneborn ist seit f├╝nf Jahren der einzige Abgeordnete seiner Partei in Br├╝ssel und berichtet dort regelm├Ą├čig von seinem Alltag als Parlamentarier.

Im Interview mit t-online.de erkl├Ąrt er die Funktion von Satire als politisches Instrument und spricht ├╝ber M├Âglichkeiten, die EU zu reformieren.

t-online.de: Herr Sonneborn. Das Erstarken des Rechtspopulismus und der Brexit stellen die EU aktuell vor eine Zerrei├čprobe. Europa ist am Scheideweg. Sind die Zeiten nicht zu ernst und eine politische Meinung zu wichtig, um bei der Europawahl eine Spa├čpartei zu w├Ąhlen?

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Sonneborn: Nat├╝rlich ist eine politische Meinung wichtig. Aber wen meinen Sie mit Spa├čpartei? Ich rate auf jeden Fall davon ab, die FDP zu w├Ąhlen.

"Die Partei" ist keine Spa├čpartei?

Nein, das ist sie nicht. Sie wird sicher als solche bezeichnet, aber wir haben auch in den letzten Jahren einen Schwenk hingelegt. Sicherlich machen wir Politik, aber mit satirischen Mitteln. Die Zeiten sind mittlerweile zu ernst, um nicht satirisch darauf zu reagieren.

Wie hilft uns Satire, beispielsweise beim Brexit?

Im Fall des Brexits ist es tats├Ąchlich schwierig, das Ganze satirisch zu sehen. Aber ich behaupte nat├╝rlich, dass ich die Briten aus der EU geschmissen habe. Das bringt uns Sympathien bei den Menschen, die die Briten nicht m├Âgen. Das Arbeiten mit satirischen Formen garantiert eine ├ľffentlichkeit, weil es einfacher konsumierbar ist. Wenn ich die Rede gegen Erdogan halte und diese mit einem Witz versehe, erh├Âht das die Reichweite massiv und es ist dementsprechend viel effektiver. Deshalb nutzen wir Satire. Und weil wir nichts anderes k├Ânnen.



Martin Sonneborn (54) ist Satiriker, Journalist und Politiker. Er ist Bundesvorsitzender der Partei f├╝r Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenf├Ârderung und basisdemokratische Initiative (Die Partei) und seit 2014 Mitglied des Europ├Ąischen Parlaments.

Sie haben in der Vergangenheit oft gesagt, in Br├╝ssel nichts erreichen zu wollen. Wie lief es mit diesem Vorhaben?

Mit diesem Vorhaben bin ich gescheitert. Es gab f├╝r einen einzelnen Abgeordneten wie mich eigentlich keine Chance, in Br├╝ssel etwas zu erreichen. Nicht mal die Gr├╝nen und Linken k├Ânnen gro├čartig Politik machen in Europa, denn es gibt hier eine unselige "Groko Haram", ├Ąhnlich wie in Deutschland. Die macht eine sehr konservative und wirtschaftsfreundliche Politik und die kleineren Fraktionen haben eigentlich keine gro├če Gestaltungsm├Âglichkeit.

Warum sollten die Menschen dann trotzdem kleineren Parteien wie Ihrer Partei ihre Stimme geben?

Wir machen keinen Wahlkampf um Ihre Stimme. "Die Partei" ist eine Partei f├╝r W├Ąhler, die gerne w├Ąhlen w├╝rden, aber sich von anderen Parteien nicht repr├Ąsentiert f├╝hlen. Wir haben unsere Partei gegr├╝ndet, weil wir auch nicht mehr wussten, was wir auf dem Wahlzettel ankreuzen sollten. Es erleichtert die Wahlentscheidung erheblich, wenn Sie Ihren eigenen Namen auf dem Wahlzettel finden.

Das klingt aber schon nach Wahlkampf.

Wir betreiben keinen aktiven Wahlkampf, indem wir Leute ├╝berzeugen, "Die Partei" zu w├Ąhlen. Um uns zu w├Ąhlen, braucht man ein Mindestma├č an Intelligenz und Humor ÔÇô und das haben nicht mehr als ein bis zwei Millionen Menschen im Land.

Martin Sonneborn und Nico Semsrott, die Spitzenkandidaten von "Die Partei", bei der Europawahl 2019.
Martin Sonneborn und Nico Semsrott, die Spitzenkandidaten von "Die Partei", bei der Europawahl 2019. (Quelle: imago-images-bilder)

Demnach m├Âchten Sie eine humoristische Protestpartei f├╝r Intellektuelle sein?

Ja, wir sind eine Partei f├╝r intelligente Protestw├Ąhler. F├╝r Menschen, die eigentlich die SPD w├Ąhlen w├╝rden, wenn diese noch sozialdemokratische Inhalte vertreten w├╝rde. Oder die Gr├╝nen, wenn sie noch Ideale h├Ątten und nicht zu einer zu gut gelaunten Partei der Besserverdienenden geworden w├Ąren. Wir sind in eine L├╝cke gesto├čen.

Intelligent oder nicht. Sie geben als Protestpartei den Menschen auch eine einfache Ausrede, um sich vor einer Wahl eben nicht mit den komplexen politischen Fragen der Gegenwart auseinandersetzen zu m├╝ssen.

Wir besch├Ąftigen uns ja t├Ąglich mit diesen komplexen politischen Fragen und setzen dann populistische, einfache und m├Âglichst lustige L├Âsungen dagegen und die verbreiten sich dann dementsprechend. Das ist trotzdem eine Form von Politik. Es ist eine M├Âglichkeit, Protest zu zeigen. Die Wahlbeteiligung d├╝rfte durch "Die Partei" auf jeden Fall etwas steigen.

Ihr Wahlslogan f├╝r die Europawahl ist "F├╝r Europa reicht's". Damit werben Sie nicht gerade f├╝r die Bedeutung dieser Wahl.

Es wird heute an jeder Ecke eine Schicksalswahl ausgerufen. Dieser Wahlslogan sollte ein Kontrapunkt dazu sein. Es wird immer wieder gesagt, dass die n├Ąchste Wahl so ernst ist, dass man keine kleineren Parteien w├Ąhlen darf. Dennoch m├Âchten wir aber damit andeuten, dass die anderen Parteien in der Vergangenheit nicht ihre Besten nach Europa geschickt haben, sondern oft ihre D├╝mmsten.

"F├╝r Europa reicht's": Ein Wahlslogan der Partei "Die Partei" bei der Europawahl 2019.
"F├╝r Europa reicht's": Ein Wahlslogan der Partei "Die Partei" bei der Europawahl 2019. (Quelle: imago-images-bilder)

Auf dem Wahlzettel der Europa-Wahl stehen, neben Ihrem Namen und dem von Nico Semsrott, vor allem Nachnamen von Nazi-Verbrechern. Was wollen Sie damit erreichen?

Ich beobachte in Br├╝ssel eine radikale Remilitarisierung Europas, ohne dass das in Deutschland wahrgenommen wird. Ich habe ├╝ber einen EU-Haushalt abgestimmt, in dem mehr Geld f├╝r Waffenentwicklung, Grenzsicherung und Aufr├╝stung vorgesehen ist als f├╝r Entwicklungshilfe. Das ist eine unglaublich kurzsichtige Politik.

Warum?

Wenn wir jetzt die Grenzen hochziehen, die Menschen im Mittelmeer sterben lassen und in Waffensysteme investieren, dann wird es sicherlich zehn Jahre halten, aber das ist keine langfristige L├Âsung. Europa kann Armut, Hunger und Migration nicht mit automatischen Waffen und Grenzz├Ąunen entgegentreten.

Und darauf machen Sie aufmerksam, indem Sie Menschen auf die Wahlliste setzen, die die Nachnamen von Nazi-Verbrechern haben?

Das reicht, damit Sie mir im Interview diese Fragen stellen und wir dar├╝ber reden. Oder?

Offensichtlich.

Es bringt die Leute dazu hinzuschauen und sich zu fragen, was sich dahinter verbirgt. Das ist die Methode, mit der wir arbeiten. Wir m├Âchten damit wichtige Inhalte, die aktuell nicht behandelt werden, in einen inhaltsleeren Wahlkampf einbringen.

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Nat├╝rlich generiert "Die Partei" mit derartigen Skandalen Aufmerksamkeit. Mit diesen Methoden arbeiten heute jedoch vor allem Rechtspopulisten. Wie gelingt es Ihnen trotzdem, eher linke W├Ąhler anzusprechen?

Wir waren die erste populistische Partei und nutzen diese Methoden schon seit 2004. Wir betreiben gesunden Populismus mit einem moralischen R├╝ckhalt. Es ├Ąrgert uns sehr, dass die Protestparteien, die die W├Ąhler im unteren Spektrum abholen, jetzt mehr Erfolg haben als wir. Die Frage ist eher, wie die rechten Parteien mit unseren Methoden zweistellige Wahlergebnisse einfahren k├Ânnen.

Aber Sie haben zum Wahlkampfauftakt gro├č angek├╝ndigt, Protestw├Ąhler von der AfD gewinnen zu wollen.

Das war ein Spa├č. Ich glaube tats├Ąchlich, dass wir die Protestw├Ąhler im Land aufgeteilt haben: Die Dummen w├Ąhlen die AfD, die Intelligenteren "Die Partei".

Es scheint in jedem Fall mehr Menschen zu geben, die Ihre Partei w├Ąhlen m├Âchten. Sie stehen in aktuellen Umfragen zwischen zwei und drei Prozent. Was versprechen Sie sich von der n├Ąchsten Legislaturperiode?

Die Leute interessieren sich f├╝r Politik, wenn man sie entsprechend aufbereitet. Wir m├╝ssen mehr ├ľffentlichkeit f├╝r die Geschehnisse im EU-Parlament herstellen. In den n├Ąchsten Jahren k├Ânnen wir viel Interesse generieren und Nico Semsrott hat angek├╝ndigt, dass er in den 5 Jahren 60 Filme aus Br├╝ssel machen will. Das hat mich sofort ├╝berzeugt, weil er zu klugen Analysen dieses irrsinnigen kapitalistischen Systems f├Ąhig ist und das mit einem Witz versehen kann.

Als Abgeordneter im EU-Parlament sollte er allerdings Politik machen und nicht nur Filme drehen. Wenn "Die Partei" zwei oder drei Abgeordnete in Br├╝ssel h├Ątte, k├Ânnte es bei Abstimmungen ├Âfters auch mal auf Sie ankommen.

Ich hoffe, dass wir ├Âfter das Z├╝nglein an der Waage spielen k├Ânnen. In der letzten Legislatur konnte ich drei Abstimmungen entscheiden, bei denen es wirklich auf eine Stimme ankam. Ich hoffe auch, dass es im n├Ąchsten Parlament keine gro├če Koalition mehr geben wird, die alles im Alleingang durchwinken kann. Vielleicht gibt es nach der Wahl drei gr├Â├čere Fraktionen.

Ein Wahlplakat von "Die Partei".
Ein Wahlplakat von "Die Partei". (Quelle: imago-images-bilder)

Haben Sie in den letzten Jahren Freunde im Parlament gefunden?

Im Parlament nicht wirklich. Wir sitzen da wie in der Schule zusammen. Der verr├╝ckte Monarchist Janusz Korwin-Mikke war zwar sehr unterhaltsam, aber ich w├╝rde ihn nicht als Freund bezeichnen. Im Moment sitze ich mit Nazis und Neonazis zusammen, zum Beispiel drei Leuten von der Goldenen Morgenr├Âte aus Griechenland. Von Freunden w├╝rde ich da nicht sprechen, aber so nah Nazis wie Udo Voigt zu kommen, ist f├╝r einen "Titanic"-Redakteur normal nicht so einfach.

Warum schlie├čen Sie sich keiner Fraktion an? Dann h├Ątten Sie auch andere Sitznachbarn.

Wenn es gut l├Ąuft, k├Ânnen wir mit drei Abgeordneten ins Parlament einziehen. Wir haben sonst noch Kontakt zu einem tschechischen Piraten und zu einem Vertreter der ungarischen Spa├čpartei, der Partei des zweischw├Ąnzigen Hundes. Wenn diese den Einzug schaffen, w├Ąren wir f├╝nf Leute und dann k├Ânnte es sein, dass wir h├Ąufiger Abstimmungen entscheiden k├Ânnen.

Sie k├Ânnten sich aber auch einer gr├Â├čeren Fraktion anschlie├čen?

Ja. Ich habe Angebote von gr├Â├čeren Fraktionen. Die F├╝hrung der Gr├╝nen und der Linken, in Form von Gregor Gysi, haben mich angesprochen, wir k├Ânnen jeder Zeit mit zwei oder drei Mandaten zu ihnen gehen. Aber wir werden nach der Wahl erst einmal verhandeln und alle massiv gegeneinander ausspielen.

Gregor Gysi mit Martin Sonneborn bei der Bundesversammlung 2017 im Bundestag.
Gregor Gysi mit Martin Sonneborn bei der Bundesversammlung 2017 im Bundestag. (Quelle: imago-images-bilder)

Als Mitglied einer gr├Â├čeren Fraktion k├Ânnten Sie jedoch wahrscheinlich nicht mehr abwechselnd mit "Ja" und "Nein" stimmen.

Das mache ich jetzt auch schon nicht. Bei den Abstimmungen, die mit gro├čer Mehrheit durchs Parlament gehen, stimme ich abwechselnd mit "Ja" und "Nein". Wenn es knapper wird, werde ich von den progressiven Parteien informiert und dann gehe ich mit meiner Stimme auch sehr bewusst um.

"Die Partei" hat ein vergleichsweise linkes Wahlprogramm. Nehmen Sie dadurch nicht in Kauf, dass das linke Parteienspektrum im Parlament weiter geschw├Ącht wird, indem Sie dort Stimmen abgreifen?

Nein, immer wenn es in Abstimmungen entscheidend war, gab ich meine Stimme f├╝r das linke Spektrum. Wir schw├Ąchen und verunsichern eher konservative Parteien. Die Konservativen im Parlament stimmten in der Vergangenheit beispielsweise gegen die Gleichstellung von Frauen, gegen die Gleichstellung von Behinderten oder f├╝r eine Militarisierung der EU. Die Medien m├╝ssen mehr dar├╝ber berichten und wir generieren ├Âffentliches Interesse daf├╝r.


Sie sind allerdings auch der Abgeordnete, der mit am h├Ąufigsten bei namentlichen Abstimmungen fehlt. Hatten Sie oft keine Zeit?

Nein. Ich bin mit meiner Familie nach Br├╝ssel gezogen und das Parlament zieht 12 Mal im Jahr von dort f├╝r eine Woche nach Stra├čburg. In einem Monat sogar zweimal, um den Ferienmonat August auszugleichen. Da mache ich den Unfug dann nur einmal mit. Trotzdem habe ich an rund 18.000 Abstimmungen teilgenommen.

Hat sich in Ihrer Zeit als Abgeordneter Ihre Meinung ├╝ber die EU ver├Ąndert?

Ich kann auf jeden Fall aus den letzten Jahren ein Res├╝mee ziehen: Die b├╝rgerfreundliche Politik im EU-Parlament wird von Linken und Gr├╝nen gemacht. Das Konstrukt der EU funktioniert eigentlich gut. Das infrage zu stellen ist d├Ąmlich und typisch rechtsradikal. Aber Europa ist aktuell mit den falschen Leuten besetzt. Der Rat ist konservativ, die meisten Staats- und Regierungschefs sind konservativ und die Kommission und das Europaparlament sind ├╝berwiegend konservativ. Wenn die Menschen linker und gr├╝ner w├Ąhlen w├╝rden, k├Ânnten wir ein anderes Europa haben.

Wie s├Ąhe dieses andere Europa aus?

Es w├Ąre ein Europa, das sozialer, friedlicher und umweltfreundlicher ist. Wenn seit 20 Jahren durchgehend 24 Prozent der Menschen in Europa von Armut bedroht sind, dann fangen diese an, rechtsradikale Parteien zu w├Ąhlen. Dann haben wir am Ende Zust├Ąnde wie in ├ľsterreich.

Ihr Abstimmungsverhalten im Parlament folgt bei Betrachtung schon einem linksliberalen Muster. War das die wahre politische Haltung des Martin Sonneborn und die satirische Fassade ging in den letzten Jahren etwas verloren?

Ich habe mich bei den letzten Abstimmungen tats├Ąchlich an Gr├╝nen und Linken orientiert. Der Knackpunkt daf├╝r war eine Abstimmung, die mir ganz schlechte Laune gemacht hat und die ich am Ende entschieden habe.

Worum ging es dabei?

Um einen Bericht zur Seenotrettung, der im Parlament abgestimmt wurde. Dabei ging es eigentlich nur darum, den Seenotrettern im Mittelmeer moralisch den R├╝cken zu st├Ąrken. Humanit├Ąre Hilfe sollte nicht kriminalisiert werden. Dieser Bericht hatte absolut keine praktische Folge und ist nur mit 312 zu 310 Stimmen durchgekommen. H├Ątte ich nicht daf├╝r gestimmt, w├Ąre er abgelehnt worden. Es macht schlechte Laune, wenn ich sehe, dass 310 Arschl├Âcher im Parlament sitzen, die aus nationalistischen oder parteitaktischen Gr├╝nden so abstimmen. Das l├Âst Emp├Ârung bei mir aus.

Der polnische Monarchist Janusz Korwin-Mikke.
Der polnische Monarchist Janusz Korwin-Mikke. (Quelle: imago-images-bilder)

Was war das Absurdeste, das Sie in den letzten Jahren erlebt haben?

Der Kollege Korwin-Mikke hat in einer Debatte um den Gender Pay Gap in einer Rede erkl├Ąrt, dass es absolut korrekt sei, dass Frauen weniger verdienen, weil sie kleiner, langsamer und d├╝mmer sind als M├Ąnner. Es war unterhaltsam, als vorne eine Spanierin zwischen ihren Kopfh├Ârern erstarrte, weil sie nicht glauben konnte, was ihr da gerade ├╝bersetzt wurde und dann im Anschluss lospolterte.


Sie konnten in Ihrer ersten Legislatur viele Einblicke sammeln. Wir sprechen aktuell oft ├╝ber die Reformierung der EU. Was w├╝rden Sie ver├Ąndern?

Es m├╝sste ein Initiativrecht f├╝r das Parlament geschaffen werden. Au├čerdem k├Ânnen wir aktuell den Menschen in Europa keine gr├Â├čeren Zusammenschl├╝sse mehr zumuten, weil die Lebensrealit├Ąt in vielen L├Ąndern Europas noch sehr unterschiedlich ist. Mehr Entscheidungen aus Br├╝ssel k├Ânnte man den Menschen im Moment nicht verkaufen. Der Reichtum in Europa muss gerechter verteilt werden, wir m├╝ssen das Erstarken von Rechtspopulisten r├╝ckg├Ąngig machen, indem wir die EU sozialer machen. Zus├Ątzlich m├╝ssen wir friedlich mit unseren Nachbarn im Osten umgehen und keine Bedrohungsszenarien aufbauen.

Wie m├Âchte Ihre Partei auf diese Reformierungsprozesse Einfluss nehmen?

Wir werden auch in Zukunft dicke, wei├če M├Ąnner im Europaparlament ├Ąrgern und wir werden auch weiterhin auf unterhaltsame Weise Interesse f├╝r Europa wecken.

Nicht ausschlie├člich als Polit-Clowns?

Nein, das bestimmt nicht.

Vielen Dank f├╝r das Gespr├Ąch, Herr Sonneborn.

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