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Kirchenpräsident: Sensibilität im Umgang mit Transsexuellen

Darmstadt  

Kirchenpräsident: Sensibilität im Umgang mit Transsexuellen

01.06.2019, 09:30 Uhr | dpa

Kirchenpräsident: Sensibilität im Umgang mit Transsexuellen. Volker Jung

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, blickt in die Kamera. Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv (Quelle: dpa)

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) will mehr kirchliche Angebote für Transsexuelle schaffen und die Gesellschaft für dieses Thema sensibilisieren. "Es geht darum, für eine gesellschaftliche Sensibilität zu werben, die Menschen nicht einfach in feste Kategorien einordnet", sagte EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung der Deutschen Presse-Agentur. Die EKHN ist nach eigenen Angaben die erste evangelische Landeskirche, die sich mit dem Thema befasst. Die Landeskirche erstreckt sich über Teile Hessens und Rheinland-Pfalz und vertritt rund 1,5 Millionen Mitglieder der evangelischen Kirche.

"Es gibt keinen offiziellen Auftrag der EKD, das für alle zu machen. Allerdings verfolgen viele andere Landeskirchen unsere Arbeit", sagte Jung. Bundesweit gebe es Schätzungen zufolge rund 100 000 Transsexuelle. Die Bundesvereinigung Trans* hält diese Schätzungen eher für konservativ und rechnet mindestens mit doppelt so vielen Menschen.

Eine Frage, die Jung zufolge im Raum steht, ist: Was ist mit Menschen die ihr äußeres Geschlecht ihrem erlebten Geschlecht angleichen wollen? "Sie fragen: Stellt ihr mir eine neue Taufurkunde aus? Die Menschen wollen diesen Wechsel auch dokumentieren", sagte Jung. Da sei die Kirche flexibler als der staatliche Bereich. Manche würden auch nach einem begleitenden Gottesdienst oder einer Segnung nach einer Geschlechtsumwandlung fragen. "Zurzeit arbeiten wir daran, wie so etwas aussehen kann. Möglich ist das auf jeden Fall."

Das notwendige Engagement für Transsexuelle sei nicht aus der Erfahrung heraus entstanden, dass die Kirche in anderen Fällen wie zum Beispiel homosexuellen Partnerschaften zu zögerlich war. "Wir haben zu den Kirchen gehört, die sich sehr früh auch für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ausgesprochen haben, nämlich schon 2002", sagte Jung. "Wir sehen uns jetzt nicht unter dem Druck, wir müssten etwas Versäumtes aufholen." Es gehe darum, für eine Sensibilität zu werben, die Menschen nicht einfach in feste Kategorien einordnet.

Dabei gebe es auch Widerstände. "Manche greifen uns an, indem sie sagen: Jetzt kümmert ihr euch wieder um eine Minderheit, das sind doch gar nicht viele", sagte Jung. Es sei aber gerade Auftrag der Kirche, allen Menschen gerecht zu werden. Die entscheidende theologische Frage sei die Auslegung der Aussage in der Bibel "Gott schuf sie als Mann und Frau". Dies sei eine Beschreibung, dass Menschen weiblich und männlich sind. "Damit ist nicht gesagt, dass Menschen Frau oder Mann sein müssen."

"Wir sind schon einige Jahre dabei, uns mit Transsexualität zu beschäftigen. Insbesondere unser Jugendverband hat das eingefordert", sagte Jung. Das habe auch damit zu tun, dass Jugendliche, die sich bei uns engagiert haben, von dem Thema betroffen sind. Und es gebe auch Pfarrerinnen und Pfarrer, die selbst eine Umwandlung vollzogen hätten. Spannenderweise sei es in der Tat so, dass Transsexualität als Thema bekannt sei, aber die theologische Bearbeitung durchaus zu wünschen übrig lasse.

Die Bundesvereinigung Trans* sieht die EKHN in ihren Bemühungen um transsexuelle Menschen "ganz weit" vorne. "Wir würden uns wünschen, dass hier mehr evangelische Landeskirchen nachziehen", sagte Sprecherin Rebecca Jäger. Transsexuelle seien im Alltag nach wie vor benachteiligt, das könne bis hin zu Diskriminierungen gehen. Auch gebe es weiterhin verbale, in Einzelfällen auch gewalttätige Übergriffe.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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