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Wuppertal: Wie es zum Scheitern des Outlet-Centers kam

Chronologie des Stillstands  

Die unendliche Geschichte des Wuppertaler Outlet-Centers

Von Ulrich Brüne

17.06.2019, 10:05 Uhr
Wuppertal: Wie es zum Scheitern des Outlet-Centers kam. Für das Gebäude der ehemaligen Bundesbahndirektion in Wuppertal gab es viele Pläne: Jetzt sollen die Stadtwerke einziehen. (Quelle: Stadt Wuppertal)

Für das Gebäude der ehemaligen Bundesbahndirektion in Wuppertal gab es viele Pläne: Jetzt sollen die Stadtwerke einziehen. (Quelle: Stadt Wuppertal)

Eine perfekte Citylage und rund 20.000 Quadratmeter Fläche: Das Gelände der ehemaligen Bundesbahndirektion in Wuppertal bietet viele Möglichkeiten zur Nutzung. Doch statt eines Outlet-Centers sollen jetzt offenbar die Stadtwerke in die Gebäude am Döppersberg ziehen. t-online.de zeigt, wie es dazu kommen konnte.

Juni 2008 – Das Gelände wird verkauft

Eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, Aurelis, verkauft das imposante klassizistische Bauwerk an den Wülfrather Investor Uwe Clees. Der verspricht große Dinge und will am Döppersberg den Grundstein für "das neue innerstädtische Outlet Shopping-Erlebnis" legen. Viele Wuppertaler hoffen auf neue Arbeitsplätze und völlig neue Einkaufswelten. Doch jahrelang tut sich: nichts. 

Oktober 2015 – Neue Konkurrenz

Während man in Wuppertal auf die Baugenehmigung wartet, gibt es urplötzlich neue Konkurrenz in der Nachbarschaft: Auch im Remscheider Ortsteil Lennep wird ein Designer Outlet-Center geplant. Dafür hat man mit dem britischen Center-Entwickler McArthurGlen einen potenten Investor an Land gezogen – und schon streiten die beiden Nachbargemeinden heftig über die Frage, welche Stadt im Bergischen nun zum Standort eines Outlet-Centers werden darf. Remscheid klagt gegen den ersten Bauabschnitt der Wuppertaler Konkurrenz und bringt die Bauarbeiten damit weiter in Verzug.

Juli 2016 – Krieg der Nachbarn

Wuppertal macht es Remscheid nach und klagt nun selbst gegen die Planungen für das Outlet-Center in Lennep. Der Grund: Man habe in Remscheid im gesetzlich vorgeschriebenen interkommunalen Anhörungsverfahren die Wuppertaler Belange nicht ausreichend berücksichtigt. Insbesondere die Gutachten zu den Auswirkungen auf den Wuppertaler Einzelhandel seien mangelhaft, erläutert der damalige Rechtsdezernent Panagiotis Paschalis. 

Dezember 2016 – Neue Hoffnung

Es gibt Hoffnung, zumindest kurzzeitig: Die Stadt Wuppertal erteilt der Clees-Unternehmensgruppe die Baugenehmigung für den ersten Bauabschnitt. Auf rund 10.000 Quadratmetern sollen bis zu 65 Shops entstehen. Doch so richtig in Fahrt kommt die Sache nicht. Die Wuppertaler Einzelhändler machen massiv Front gegen die Outlet-Pläne. Mit einem Gutachten zeigen sie die städtebaulichen Probleme des Projekts auf. Von einer "gravierenden Unverträglichkeit des Vorhabens" ist die Rede, erklärt Ralf Engel, der Geschäftsführer der Wuppertaler Geschäftsstelle des Handelsverbandes NRW Rheinland. Er fordert Rat und Verwaltung auf, die "Defizite der Planung des FOC-Vorhabens entweder zu beheben oder die Planungen nicht weiter zu verfolgen". Die Folge: Stillstand.

November 2018 - Neuer Döppersberg

Mit der Eröffnung des neuen Busbahnhofs am 24. November ist der Umbau des Döppersberg geschafft. Doch auf die ersten Shops im Direktionsgebäude warten Wuppertals Bürger weiter vergeblich. Still ruht der See.

Januar 2017 – Der Stillstand geht weiter

Eigentlich soll Anfang 2017 die zweite Bauphase für das Center in Wuppertal beginnen. Die Investoren wollten es auf insgesamt 30.000 Quadratmeter erweitern. 150 Shops mit einem Branchen- und Marken-Mix, der sich an international erfolgreichen Outlet-Centern orientieren werde, hatten die bunten Projektbeschreibungen der Investoren versprochen. Das Investitionsvolumen sollte bei rund 120 Millionen Euro liegen. Doch auch jetzt rücken keine Bagger an. Es tut sich weiter: nichts.

Mai 2019 – Ein neuer Plan

Es kommt Bewegung in die Sache. Statt eines Outlet-Centers soll die ehemalige Bundesbahndirektion zur neuen Hauptverwaltung der Wuppertaler Stadtwerke werden. Das schlagen zumindest Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) und Stadtdirektor Dr. Johannes Slawig vor. Mucke geht davon aus, dass die FOC-Pläne von Großinvestor Uwe Clees vom Tisch sind. Stattdessen sollen die Stadtwerke in perfekter Citylage und mit hervorragender Anbindung an den ÖPNV untergebracht werden, heißt es in einer Erklärung der Stadtspitze.

Juni 2019 – Wie geht es weiter?

Die Parteien im Stadtrat scheinen den Vorschlag der Stadtspitze zu unterstützen. Für die FDP rücken "die WSW damit näher in die Stadt und zu den Menschen". Die Nähe zum Wuppertal Institut und der Universität gebe "die Gelegenheit zur Gründung eines Mobilitätsclusters, der für die Zukunft der Mobilität in Wuppertal mit Elektro- und Schwarmmobilität und autonom fahrenden Fahrzeugen spannende Impulse geben kann, wenn entsprechende Synergien klug genutzt werden", so Fraktionschef Alexander Schmidt.

Und auch die CDU sieht "einen Gewinn für unsere Unternehmen, den Standort Döppersberg und Elberfeld". Man sei überzeugt, dass Handel, Eigentümer und Investoren auf ein solches Signal des Aufbruchs warten.

Auch die Grünen bewerten den Umzug der WSW-Hauptverwaltung in das ehemalige Direktionsgebäude grundsätzlich positiv. Trotzdem bleiben für sie noch Punkte offen. Offen bleibe aber die Fragen wer den Umbau des Gebäudes am Ende eigentlich bezahlen soll. 

Umzug oder Neubau?

Denn eigentlich wollten die Stadtwerke ihr neues Verwaltungsgebäude am bisherigen Standort in der Bromberger Straße bauen. Die alte Zentrale ist mit PCB belastet, eine Sanierung laut WSW nicht rentabel. Für einen Neubau stünden 46,4 Millionen Euro zur Verfügung. Doch an der europaweiten Ausschreibung hat sich nur ein Unternehmen beteiligt. Mit einem Angebot, das deutlich teurer wäre. Was liegt da näher, als über einen Umzug der rund 500 Mitarbeiter nachzudenken?

Und dann wäre da ja noch die Sache mit der Konkurrenz in Remscheid: Kommt die Stadtwerke-Lösung, könnte der Stadtrat auch die Klagen gegen das dort geplante Designer Outlet-Center fallen lassen. Dann könnte ein "neues Kapitel der Kooperation beginnen", ließ die Stadt dazu verlauten.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen

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