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Verdi: Dünne Personaldecke im ÖPNV ist überall Problem

Kassel  

Verdi: Dünne Personaldecke im ÖPNV ist überall Problem

13.06.2019, 05:33 Uhr | dpa

Verdi: Dünne Personaldecke im ÖPNV ist überall Problem. Öffentlicher Nahverkehr - Bus

Fahrgäste stehen an einer Haltestelle für Busse und Straßenbahnen an der Konstablerwache in der Innenstadt. Foto: Frank Rumpenhorst/Archivbild (Quelle: dpa)

Schlechte Arbeitsbedingungen und zu wenig Personal sind nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi bundesweit zu einem Problem für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) geworden. Man beobachte Ausfälle in erheblichen Größenordnungen, sagte Mira Ball, Bundesfachgruppenleiterin bei Verdi im Vorfeld der ÖPNV Betriebs- und Personalrätekonferenz in Kassel. "Die Entwicklung hat mit der dünnen Personaldecke zu tun, die Folge des Sparzwangs der letzten 20 Jahre ist." Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen bestätigt die Personalsituation, die Schuld sei aber nicht bei den Unternehmen zu suchen.

Laut Verdi arbeiten bundesweit 130 000 Beschäftigte bei ÖPNV-Unternehmen, 50 000 weitere bei Subunternehmen. Das seien weniger als früher. "Wir haben 18 Prozent weniger Personal als vor 20 Jahren, aber 24 Prozent mehr Fahrgäste", sagte Ball. Zudem hätten die häufigen Ausfälle mit den Arbeitsbedingungen zu tun: "Da gibt es unglaublich eng getaktete Dienste, zugleich nimmt der Verkehr immer mehr zu."

So richteten Unternehmen Planungen an Fahrzeugen aus, nicht an Mitarbeiter: "Das Fahrzeug muss in erster Linie fahren und dann schaut man, wie man da innerhalb der gesetzlichen und vertraglichen Regelung das Personal drauf setzt." Beispielsweise könne nach viereinhalb Stunden ein Fahrer erst auf die Toilette gehen. Ist die Planung aber zu eng, könne es sein, "dass durch Verspätungen diese Pause verkürzt wird oder ganz entfallen muss."

Laut Verdi sind die Belegschaften überaltert. 40 Prozent seien über 50 Jahre. Doch bereits jetzt gebe es auf dem freien Markt keine Busfahrer. "Wenn in den nächsten 15 Jahren die Hälfte der Belegschaft erneuert werden muss, müssen die Arbeitsbedingungen attraktiver werden." Auch der Umstieg auf E-Busse habe Folgen: Es fehlten Elektroniker. Und weil Subunternehmer keine Elektro-Werkstätten hätten, fließe mehr Arbeit zurück in die ÖPNV-Unternehmen.

Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sieht die Lage als problematisch an. "Die Schuld bei den Unternehmen zu suchen, ist aber nicht ganz fair", erklärte Sprecher Lars Wagner. Die Personaldecke sei dünn geworden, weil Städte und Gemeinden in der Vergangenheit auf Kosten geachtet hätten und weil das Verkehrssystem seit 20 Jahren permanent wachse.

Die Unternehmen hätten überproportional ausgebildet. "Man hat unter dem Kostendruck Auszubildende aber nicht übernehmen können", sagte Wagner. Heute seien diese Leute gefragt auf dem Arbeitsmarkt, die ÖPNV-Unternehmen hätten es im Wettbewerb mit anderen Branchen schwer.

Die Probleme mit E-Bussen seien Symptom einer Übergangsphase: Man müsse bei E-Bus-Linien mit mehr Personal und Fahrzeugen planen, weil die Busse noch Kinderkrankheiten hätten.

In Kassel werden am Donnerstag und Freitag 260 Betriebs- und Personalräte von privaten und öffentlichen Nahverkehrsunternehmen aus ganz Deutschland erwartet. Sie beschäftigen sich mit der Mobilitätswende, neuer Technik und den Auswirkungen auf die Beschäftigten.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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