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Kontakt zur rechten Szene: Neue Hinweise im Mordfall Lübcke

Wiesbaden  

Kontakt zur rechten Szene: Neue Hinweise im Mordfall Lübcke

21.06.2019, 16:28 Uhr | dpa

Der Verdächtige im Mordfall Lübcke hatte möglicherweise noch in diesem Jahr intensiven Kontakt zur rechtsextremen Szene. Stephan E. habe an einem konspirativen Treffen von Mitgliedern von Neonazi-Organisationen teilgenommen, berichtete am Freitag das ARD-Magazin "Monitor". Das Magazin beruft sich auf Fotos, die es mit einem Gutachter ausgewertet hat. Demnach besuchte E. am 23. März eine rechtsextreme Veranstaltung im sächsischen Mücka, wo er mit Mitgliedern der neonazistischen Organisation "Combat 18" und der neonazistischen Vereinigung "Brigade 8" fotografiert wurde.

Innenminister Horst Seehofer (CSU) kündigte an, dass sein Ministerium die neuen Informationen prüfen werde. Auch das Landeskriminalamt in Sachsen will mögliche Kontakte des Tatverdächtigen zur Neonazi-Szene im Freistaat untersuchen.

Die Sprecher für antifaschistische Politik der Linken-Fraktionen in Bund und Ländern reagierten auf den Bericht mit der Forderung eines sofortigen Verbots des Neonazi-Netzwerkes "Combat 18". Der FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser erklärte, dass Anhänger von "Combat 18" zum radikalsten und gewaltbereitesten Flügel der Rechtsextremen gehörten. "Ein Teilnehmer an ihren Treffen kann eigentlich nicht vom Radar der Sicherheitsbehörden verschwunden sein."

Stephan E. soll aber in den vergangenen Jahren nicht mehr als Extremist aufgefallen sein und stand deshalb nicht mehr unter besonderer Beobachtung der Behörden. Die Akte über Stephan E. beim hessischen Landesamt für Verfassungsschutz ist nach Angaben der Behörde noch vorhanden, aber aus Datenschutzgründen dem allgemeinen Zugriff entzogen. Der Verfassungsschutz habe aber seine Informationen zum Tatverdächtigen dem ermittelnden Generalbundesanwalt angeboten, sagte ein Sprecher des hessischen Innenministeriums.

Währendessen prüfen die Ermittler eine mögliche persönliche Verbindung des Tatverdächtigen zum erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, könnte Stephan E. 2015 an einer Bürgerversammlung mit Lübcke teilgenommen haben. Auf dieser Veranstaltung hatte der CDU-Politiker eine geplante Flüchtlingsunterkunft verteidigt und sich gegen Schmährufe gewehrt. Dabei sagte er, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen.

Der "Spiegel" zitiert Ermittler mit den Worten, E. habe Lübckes Auftritt nicht nur "sehr genau wahrgenommen", sondern gegenüber Gleichgesinnten auch "kommentiert und bewertet". In einem Chat habe er sich über Lübcke aufgeregt und ihn als "Volksverräter" bezeichnet.

Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses im hessischen Wolfhagen-Istha niedergeschossen worden. Dringend tatverdächtig ist E., der 45-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft stuft das Verbrechen als politisches Attentat mit rechtsextremem Hintergrund ein.

"Wenn sich die Vermutungen der Bundesanwaltschaft im Mordfall Walter Lübcke bestätigen sollten, zeigt sich ein erschreckendes Ausmaß an extremistischem Gewaltpotenzial", sagte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble der "Freien Presse".

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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