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Trockenheit und ihre Folgen: Landwirtschaft leidet extrem

Koblenz  

Trockenheit und ihre Folgen: Landwirtschaft leidet extrem

05.07.2019, 06:04 Uhr | dpa

Trockenheit und ihre Folgen: Landwirtschaft leidet extrem. Wässern gegen anhaltende Trockenheit

Ein Feld mit Wintergerste wird mit einer Beregnungsanlage bewässert. Foto: Philipp Schulze/Archivbild (Quelle: dpa)

Teils unerbittlich hat die Sonne in der vergangenen Zeit vom Himmel gebrannt. Menschen und Tiere in Rheinland-Pfalz lechzen nach Wasser, auch den Grünflächen ist die Trockenheit anzumerken. Gelb und braun statt saftig grün sieht es so mancherorts aus. Und auch die landwirtschaftlichen Flächen leiden, vor allem für Raps, Mais und Winterweizen sieht es nicht gut aus. Eine Aufzählung:

- Die Versorgung mit TRINKWASSER in Rheinland-Pfalz ist akut nicht gefährdet. Die Wasserversorger wünschen sich aber mehr Regenfälle, damit die Grundwasserspeicher aufgefüllt werden. Besonders abhängig von Regenfällen seien die Quellschüttungen, erklärt der Geschäftsführer des Landesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland/Pfalz (LDEW), Horst Meierhofer. Darauf angewiesene Wasserwerke könnten Probleme kommen. "Wenn es über längere Zeit trocken ist, lässt die Quellschüttung nach." Dies könne auch bei der Trinkwassergewinnung aus Uferfiltrat passieren, wenn die Flüsse weniger Wasser führten. Dies sei aber zurzeit nicht akut. "Das Niedrigwasser ist nicht so schlimm wie im vergangenen Jahr, weil da auch das Frühjahr trockener war. Mit Blick auf die langfristige Versorgungssicherheit plädieren die Wasserversorger für einen wirksamen Schutz der Grundwassergewinnungsanlagen - Gefährdungen gehen sowohl von der zunehmenden Bebauung freier Flächen als auch von der Industrie und der Landwirtschaft aus, etwa in Form der Verschmutzung von Grundwasser mit Nitrat.

- Das STÄDTISCHE GRÜN verwandelt sich vielerorts in Gelb und Braun, etwa am Rheinufer in Mainz. Die zuständigen Ämter sind überall im Einsatz, um Bepflanzungen vor den Folgen der Trockenheit zu bewahren. "Wir sind schon seit April durchgängig am Gießen", sagt ein Sprecher der Stadt Trier. Zurzeit wird überlegt, den bisherigen Gieß-Rhythmus an fünf Tagen in der Woche in ein System mit zwei Schichten zu verändern, mit dann 16 Stunden am Tag. "Ohne das Gießen hätten die im Herbst gepflanzten Jungbäume keine Chance gehabt", sagt der Sprecher. Bei einem Teil der insgesamt 80 000 städtischen Bäumen werden Feuchtigkeitssensoren im Boden eingesetzt, die anzeigen, wenn eine Bewässerung besonders dringlich wird. Die Wiesen der städtischen Parkanlagen werden nicht bewässert - "die werden zwar braun, erholen sich aber wieder. In allen Städten gibt es Planungen, den Baumbestand an die wärmeren Temperaturen anzupassen. Als hitzeresistente Arten bieten sich etwa Eiche, Rotahorn, Silberlinde und Esskastanie an.

- Besonders schlimm haben die trockenen Sommer seit 2003 den STADTBÄUMEN in Koblenz zugesetzt: Rund 500 müssen nach Mitteilung des Rathauses vom Freitag gefällt werden. Es sei festgestellt worden, "dass sie abgestorben sind oder dass sie absterben werden". Infektionen durch Pilze wie die Rußrindenkrankheit bei Ahornbäumen hätten sich ausgebreitet. Ein Abschnitt des bekannten Fernwanderwegs Rheinsteig vom Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein über die gleichnamige Festung zum nahen Ort Urbar sei wegen der Gefahr des Astbruchs bei toten Bäumen vorübergehend gesperrt. Auch diese würden gefällt. Bei Jungbäumen in Koblenz, die laut Stadtverwaltung trotz regelmäßiger Wässerung teils die Blätter verloren haben, besteht die Hoffnung, dass die meisten wieder austreiben. Sie würden weiterhin gegossen.

- Die WALDBRANDGEFAHR in Rheinland-Pfalz steigt schon seit 1960 kontinuierlich an. "Der langjährige Trend der Gefahrenstufen ist auffällig", sagt eine Sprecherin des Forstministeriums. Dem Waldbrandgefahrenindex liege allerdings ein Kiefernbestand mit einer Nadelstreuauflage zugrunde. Die Waldbewirtschaftung in Rheinland-Pfalz setze auf Mischwälder mit einem hohen Anteil an Laubbäumen, die im Vergleich zu Kiefernwäldern ein erheblich geringeres Waldbrandrisiko aufwiesen. In dieser Woche brannten Waldgebiete bei Hahnstätten im Taunus. Für Samstag gilt vor allem im Pfälzerwald, aber auch in Rheinhessen und im Donnersbergkreis die zweithöchste Warnstufe 4.

- Auch für WILDTIERE kann die Trockenheit gefährlich werden. "Soweit sind wir noch nicht", sagt Naturschutzreferentin Ann-Sybil Kuckuk vom Naturschutzbund (NABU) Rheinland-Pfalz. Sollte sich der Hitzesommer des vergangenen Jahres aber wiederholen, könne es durchaus Probleme geben. Für Vögel können Gartenbesitzer schon Schalen mit Wasser rausstellen, auch über ein Gefäß mit Sand freuen sich die gefiederten Kollegen. Das Wild im Wald kommt Kuckuk zufolge durch die natürliche Waldklimafeuchtigkeit, wie Morgentau, der in den Bäumen hängenbliebt, mit der Hitze bisher noch ganz gut zurecht. Für die Gruppe der Amphibien sei das Wetter allerdings problematisch, sagt Kuckuck. Arten wie Gelbbauchunke oder Knoblauchkröte leiden darunter, dass ihre Lebensräume der Kleingewässer vermehrt austrocknen.

- Auch die LANDWIRTSCHAFT kämpft mit der Hitze und Trockenheit. "Es ist schon wieder ein Extremjahr. Das ist ganz klar der Klimawandel", sagt der Sprecher des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, Herbert Netter. Vor allem Winterweizen, Raps und Mais litten. "Die Kornfüllphase beim Winterweizen ist in die Hitze reingekommen." Die Gefahr sei groß, dass die Körner kleiner blieben. "Eigentlich müsste der Winterweizen jetzt hellgrün sein. Er ist aber schon gelb", ergänzt Netter.

Auch beim Raps erwarte er eine unterdurchschnittliche Erntemenge. "Beim Mais ist es eine Katastrophe. Der braucht dringend Regen für die Kolbenausbildung. Sonst gibt es eine Missernte." Sehr gut stehe dagegen die Wintergerste im Feld: "Da erwarten wir eine leicht überdurchschnittliche Ernte. Die Wintergerste hat die Winterfeuchtigkeit mitgenommen. Die Ernte läuft ja auch schon", erläutert der Verbandssprecher.

Probleme hätten dagegen Rinderhalter nach der extremen Dürre 2018: "Die haben keine Futterreserven mehr. Vor allem Gras- und Maissilage fehlt ihnen." Viele müssten Futter teuer hinzukaufen, sagt Netter. Sein Verband fordere die Landesregierung auf, möglichst rasch - wie schon 2018 - als ökologische Vorrangflächen ausgewiesene Brachen ausnahmsweise für das Mähen von Gras oder die Beweidung freizugeben.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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