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Freiheitsbäume für Mainz: Kunsthalle startet Ausstellung

Mainz  

Freiheitsbäume für Mainz: Kunsthalle startet Ausstellung

11.07.2019, 07:33 Uhr | dpa

Freiheitsbäume für Mainz: Kunsthalle startet Ausstellung. "Flasche und Sepia-Tusche, Dimensionen variabel"

"Flasche und Sepia-Tusche, Dimensionen variabel" heißt die Installation von Latifa Echakhych in der Kunsthalle Mainz. Foto: Kunsthalle Mainz (Quelle: dpa)

Die Vergänglichkeit von Revolutionen und ihrer Ideale ist Thema einer neuen Ausstellung in der Kunsthalle Mainz. Dabei greift die französische Installationskünstlerin Latifa Echakhch auf vielfältige Weise Eindrücke aus der Stadt am Rhein auf, in der Bürger vor mehr als 220 Jahren die Französische Revolution begeistert aufgenommen und die Mainzer Republik ausgerufen hatten.

In der ersten Halle der Ausstellung mit dem Titel "Freiheit und Baum" werden die Besucher von drei Freiheitsbäumen begrüßt, hochgewachsene Schwarzpappeln, wie sie damals von den Jakobinern im Rheinland aufgestellt wurden. Die Erinnerung daran verbinde sie mit der Frage, was bis zur Gegenwart davon geblieben sei, erklärt Kuratorin Stefanie Böttcher. "Was ist übrig geblieben von diesen Revolutionen? Sind Revolutionen nicht im Grunde sinnlose Bestrebungen, etwas ändern zu wollen?"

Im zweiten Raum sind die Blätter zu Boden gefallen. Melancholie schiebt sich in die Erinnerung. So ähnlich wie die schwarze Chinatusche in die textile Struktur der Leinwand auf den Bildern in diesem Raum einsickert. "Seit Jahren arbeitet Latifa Echakhch mit schwarzer Tinte", erklärt Böttcher bei einem Rundgang. Auslöser dafür sei Paul Celans (1920-1970) Gedicht "Die Todesfuge" gewesen - dieses Werk zum Holocaust mit der Zeile "der Tod ist ein Meister aus Deutschland" beginnt in jeder Strophe mit der "schwarzen Milch".

Im Turm der Kunsthalle sind sieben Objekte der Erinnerung mit Tusche eingeschwärzt und teilweise verklebt: Romane, Briefumschläge, eine Schachtel, Garn, Muscheln, Fotos und eine Leinwand. Sieben weitere hat die Künstlerin eigens für die Ausstellung erst vor Ort in Mainz ausgesucht.

"Ihr ästhetischer Umgang mit Materialien ist extrem unspektakulär, sensibel und fragil", sagt Kuratorin Böttcher, die "die begehrte und rührige Künstlerin" schon lange im Blick hat. Spannend sei auch ihre Beschäftigung mit der eigenen Geschichte - Latifa Echakhch wurde 1974 in Marokko geboren und kam als kleines Mädchen nach Paris. "Sie wurde dort mit einer Gesellschaft konfrontiert, die sie nicht kannte, was sie bis heute beschäftigt."

Die Ausstellung schließt mit einem Video, das am 11. März 2005 nach einer Demonstration in Paris aufgenommen wurde. Auf dem breiten Boulevard sind in der Ferne noch die roten Fahnen zu sehen, doch kurz darauf tritt die Straßenreinigung mit einer eingespielten Choreographie in Aktion und lässt mit einem Wasserstrahl die auf der Straße liegende Erinnerung an den Protest verschwinden.

Das Verschwinden von Revolutionen, Erinnerungen oder auch von Bäumen fügt sich ein in die bisherigen Arbeiten von Stefanie Böttcher an der Kunsthalle. In der Schau "Mit den Händen zu greifen und doch nicht zu fassen" trug sie 2017 die Arbeiten von Künstlern aus elf Ländern zum Verschwinden zusammen. "Ja, das Verschwinden lässt mich nicht los", lacht die künstlerische Leiterin der Kunsthalle.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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