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Aufarbeitung Missbrauch: Bischof schlägt Machtverzicht vor

Münster  

Aufarbeitung Missbrauch: Bischof schlägt Machtverzicht vor

16.07.2019, 14:14 Uhr | dpa

Aufarbeitung Missbrauch: Bischof schlägt Machtverzicht vor. Felix Genn

Felix Genn, Bischof von Münster, spricht bei einem Gottesdienst. Foto: Rolf Vennenbernd/Archivbild (Quelle: dpa)

Bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche will Münsters Bischof Felix Genn Macht abgeben. "Als Bischof bin ich dazu bereit, auch meinerseits Macht abzugeben und mich beispielsweise auch einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit unterzuordnen", hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Brief des Bischofs an ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitglieder von Pfarreiräten und Kirchenvorständen.

Bistumssprecher Stephan Kronenburg konkretisierte auf dpa-Nachfrage: "Bislang liegt beim Bischof sowohl die Exekutive und die Judikative." Der Bischof könne zum Beispiel Personal entlassen oder versetzen, ohne dass diese Entscheidung innerkirchlich überprüfbar wäre. Mit einer neu aufzubauenden Verwaltungsgerichtsbarkeit könnten Entscheidungen der Bistumsleitung dann angefochten werden.

Genn greift damit eine bestehende Diskussion in der Deutschen Bischofskonferenz auf. Dort wird der Aufbau von Verwaltungsgerichten bereits als eine Möglichkeit genannt, um Machtmissbrauch durch Priester zu verhindern.

Es sei daher sinnvoll, dass so eine Lösung nicht nur für das Bistum Münster umgesetzt würde, sondern bundesweit im Rahmen der Deutschen Bischofskonferenz, sagte Bistumssprecher Kronenburg.

Die katholische Kirche hatte im September 2018 eine Studie zu sexuellem Missbrauch vorgestellt. Demnach sollen zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 Minderjährige missbraucht haben. Im Bistum Münster fanden sich bei 138 Klerikern Hinweise auf Beschuldigungen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. Die Akten wurden an die Staatsanwaltschaft Münster übergeben.

Im November 2018 gestand das Bistum ein, dass der 2013 gestorbene Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, in seiner Zeit als Generalvikar einen vorbestraften pädophilen Priester versetzt und damit weitere Missbrauchsfälle möglich gemacht hatte. Genn betont jetzt in dem Schreiben, dass es "systemische Bedingungen gibt, die sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche begünstigen. Die zwingende Konsequenz kann daher nur lauten, dass wir diese systemischen Bedingungen soweit als möglich verändern."

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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