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Kirchen laufen Mitglieder davon

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Kirchen laufen Mitglieder davon

19.07.2019, 12:46 Uhr | dpa

Kirchen laufen Mitglieder davon. Ein Kruzifix ist vor Gewitterwolken zu sehen

Ein Kruzifix ist vor Gewitterwolken zu sehen. Foto: Felix Kästle/Archivbild (Quelle: dpa)

Wenn sonntags die Predigten im Land gelesen werden, hören immer weniger Menschen zu: Die Zahl der Kirchenaustritte steigt und steigt, die Eintritte dagegen bleiben minimal, die Zahl der Taufen stagniert. Die katholische und die evangelische Kirche in Baden und in Württemberg haben den Schwund am Freitag bei der Vorlage der Zahlen beklagt.

In den beiden Bistümern Rottenburg-Stuttgart und Freiburg legte die Zahl der Austritte deutlich zu, wie aus den Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz (Bonn) für die Katholiken hervorgeht. Insgesamt haben sich demnach mehr als 35 500 Menschen entschieden, der katholischen Kirche im Südwesten den Rücken zu kehren, weitere rund 37 500 starben. Dem stehen nur 357 Eintritte und etwas mehr als 26 500 Taufen gegenüber.

Im Jahr 2017 hatten die katholischen Bistümer im Südwesten noch rund 28 000 Austritte hinnehmen müssen. Bis Ende 2018 gehörten noch etwa 3,64 Millionen Menschen in Baden-Württemberg der katholischen Kirche an (2017: 3,69 Millionen).

Auch die evangelische Kirche wird immer kleiner, wenngleich der Schwund nicht so rasant ist wie bei den Katholiken: In Württemberg stieg die Zahl der Austritte im Jahr 2018 auf etwas mehr als 19 000 (2017: rund 17 300). Ende 2018 zählte die württembergische Landeskirche noch fast zwei Millionen Mitglieder.

In Baden entschieden sich mehr als 12 100 Protestanten für den Austritt (2017: 10 500), die Zahl der Gläubigen in der Landeskirche liegt dort bei rund 1,14 Millionen. Aufgerechnet mit den Eintritten, Taufen und Todesfällen liegt der Mitgliederschwund auch in den beiden evangelischen Kirchen noch höher.

Die Kirchen erklären den Rückgang vor allem mit der Alterung der Gesellschaft. Nach einer Studie des katholischen Bistums Essen sind die Hauptgründe für den Austritt aus der Kirche dagegen die Kirchensteuer, Entfremdung oder fehlende Bindung zur Kirche, rückständige Haltung der Kirche, Glaubenszweifel, ein persönlich enttäuschendes Erlebnis und Skandale.

Für die badische Landeskirche nannte deren Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh die sinkende Akzeptanz der Taufe "erschreckend". Er sei davon überzeugt, dass "viele unsere Kirche verlassen, weil sie die Frage nach Gott nicht mehr bewegt". Diese Menschen beraubten sich einer wichtigen Kraftquelle für ihr Leben. "Denn der Glaube kann Mut machen, in schwierigen Situationen stärken und Orientierung geben."

"Wir dürfen uns mit zurückgehenden Mitgliederzahlen nicht einfach abfinden, sondern müssen zeigen, dass Kirche für die Lebensfragen der Menschen relevant ist und bleibt", hatte der Freiburger Erzbischof Stephan Burger noch im vergangenen Mai betont. Die Kirche müsse neue Wege beschreiten.

Der Kirchenrechtsexperte Thomas Schüller aus Münster in Nordrhein-Westfalen betont dagegen: "Kirchenaustritte sind kein Naturphänomen, sondern Ausdruck einer Entfremdung der Gläubigen von der Kirche und einer Glaubwürdigkeitskrise der Kirche selbst."

Der Kriminologe Christian Pfeiffer, selbst evangelischer Christ, regte eine Diskussion über die Notwendigkeit von Kirchensteuern an. So seien die Kirchen in den USA - wo es keine Kirchensteuer gebe - viel lebendiger, sagte Pfeiffer der Deutschen Presse-Agentur. "Ein Grund dafür ist mit Sicherheit, dass sie es sich dort nicht auf dem Ruhekissen der Kirchensteuer bequem machen können." Sie müssten etwas unternehmen. "In Deutschland dagegen verlangweilen sich die Kirchen immer mehr. Die Pfarrer sind quasi verbeamtet. Vielleicht wäre es ein Befreiungsschlag, wenn sie sich von der Kirchensteuer befreien würden."

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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