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Olaf Scholz kapituliert rhetorisch vor der Corona-Krise: Das Staatsmännchen


Das Staatsmännchen

Von Florian Harms

Aktualisiert am 20.11.2021Lesedauer: 3 Min.
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Olaf Scholz macht in der Corona-Krise keine gute Figur mehr.
Olaf Scholz macht in der Corona-Krise keine gute Figur mehr. (Quelle: Michael Kappeler/dpa-bilder)
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Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

lassen Sie sich sofort impfen. Machen Sie einen Termin im nächstgelegenen Impfzentrum oder bei Ihrem Arzt. Wenn Sie das nicht tun, droht Ihnen der Tod. Schlimmer noch: Sie machen sich mitschuldig am Tod weiterer Menschen, indem Sie das Virus verbreiten. Denn infizierte Ungeimpfte sind länger ansteckend als Geimpfte. Also hören Sie endlich auf mit Ihren absurden Befindlichkeiten und lassen Sie sich die Spritze geben. Jetzt. Das ist Ihre Pflicht als Dienst an der Gesellschaft. Falls Sie die Impfung jedoch weiter verweigern und an Covid-19 erkranken sollten, werden die Ärzte sehr genau abwägen, wie sie Sie behandeln. Im Falle von Triage-Entscheidungendie uns jetzt in vielen deutschen Kliniken bevorstehen – werden Patienten mit besseren Überlebenschancen bevorzugt. Sie als Ungeimpfter also eher nicht. Sie spielen mit Ihrem Leben.

Es ist nicht so schwer, diese Zeilen zu formulieren. Sie schreiben sich fast von selbst. Sie schildern keine Dystopie, sondern die deutsche Realität am Winterbeginn 2021. Worte können etwas bewirken. Stellen Sie sich vor, Millionen Menschen, die bisher eine Corona-Impfung verweigert oder vertrödelt haben, würden diese Worte abends im Fernsehen vom künftigen Bundeskanzler hören. Stellen Sie sich vor, Olaf Scholz hätte den Mut, sich als Vertreter der stärksten Bundestagsfraktion vor die Nation zu stellen und diese Worte zu sprechen. Es hätte eine Wirkung. Vielleicht eine ähnlich starke Wirkung wie Helmut Schmidts Fernsehansprache im deutschen Herbst 1977, als er alle Bürger verpflichtete, mit Hinweisen bei der Ergreifung der RAF-Terroristen zu helfen (siehe hier). Das war der Auftritt eines echten Staatsmanns.

Olaf Scholz ist bislang kein echter Staatsmann. Er ist höchstens ein Staatsmännchen. Wenn er den Mund aufmacht, kommen Schwurbelsätze heraus, die bei den Zuhörern zum einen Ohr hinein und zum anderen hinausgehen. Das klingt so: "Und dann, glaube ich, müssen wir uns natürlich damit auseinandersetzen, dass das Virus eben nicht weg ist, dass wir all diese Maßnahmen ergreifen müssen, aber es trotzdem dazu kommen wird, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger infizieren, ganz besonders diejenigen, die sich nicht haben schützen lassen und die nicht geimpft sind."

So klingt kein Appell in einer Notlage, so klingt eine rhetorische Kapitulationserklärung. Der Mann, der nach Deutschlands mächtigstem Amt greift und das Land durch den Krisensturm führen will, scheint sich nicht darum zu scheren, ob er von den Menschen überhaupt verstanden wird. Seit er aus dem Wahlkampf heraus ist, traut er sich keinen Klartext mehr zu – und damit ist er nicht der Einzige. Auch viele andere Spitzenpolitiker klingen wie Formularroboter. Damit tragen sie dazu bei, dass sich die Notlage hierzulande weiter verschlimmert.

Und das kommt dabei heraus:

(Quelle: Mario Lars)

So, aber bevor ich jetzt in eine längere Litanei verfalle, empfehle ich Ihnen lieber unseren heutigen Wochenend-Podcast. Darin unterhalte ich mich mit unseren Reportern Tim Kummert und Sebastian Späth über die brisante Lage an der EU-Grenze zu Belarus. Tim ist gerade von einer tagelangen Reise im Grenzgebiet zurückgekehrt und hat Unfassbares zu berichten. Hören Sie bitte hinein:

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Und wenn Sie uns fertig zugehört haben, haben Sie sich ein wenig heitere Musik verdient, damit Sie frohgemut ins Wochenende starten können. Ich habe da etwas Feines für Sie.

Erholen Sie sich gut von der ereignisreichen Woche und bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüße, Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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