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Ölpest: 258 Tanklaster täglich

"258 Tanklaster voll Öl täglich"

21.07.2010, 15:07 Uhr | ak, dpa , t-online.de , AFP

Ölpest: 258 Tanklaster täglich. Ölpest: So viel Öl wie 258 Tanklaster fassen, sprudeln täglich ins Meer - nur ein kleiner Teil kann bisher aufgefangen werden. (Foto: Reuters)

So viel Öl wie 258 Tanklaster fassen, sprudeln täglich ins Meer - nur ein kleiner Teil kann bisher aufgefangen werden. (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Im Golf von Mexiko sprudelt das Öl in 1500 Metern Tiefe unaufhörlich weiter ins Meer. Momentan handelt es sich nach offiziellen Angaben um rund 9 Millionen Liter pro Tag. "Das entspricht 258 Öltanklastern, die man von der Tankstelle kennt", so der Biologe und Ölexperte Jörg Feddern von Greenpeace gegenüber t-online.de.

Zwei Entlastungsbohrungen sollen nach BP-Angaben im August das Öl auffangen und damit den Druck von der Austrittsstelle nehmen. Ob das aber hundertprozentig funktioniert und ob man den Bohrschacht trifft, das sei noch unklar, so Feddern. Bis dahin fließe das Öl erst einmal weiter ins Meer.

Entlastungsbohrung einzige Lösung

Zwar wird nach BP-Angaben ein Teil des Öls durch einen Auffangtrichter abgeleitet. Das meiste Öl sprudelt aber daran vorbei, wie auf den Unterwasseraufnahmen zu sehen ist. "Das ist nicht die Lösung", so Feddern. Es gibt nach Einschätzung des Greenpeace-Experten momentan nur eine Möglichkeit: "Wenn die Entlastungsbohrung funktioniert, bekommt man das Bohrloch dicht." Diese Methode habe schon einmal im vergangenen Jahr bei einem kleineren Unglück vor der westaustralischen Küste funktioniert. Wenn die Bohrung fehlschlägt, sieht der Experte erst einmal keine andere Lösung: "Dann sprudelt es weiter - und man steht wieder bei Null", so Fedder.

Schlimmster Fall: 16 Millionen Liter Öl täglich?

Unterdessen werden immer neue Hiobsbotschaften bekannt: Laut einem internen BP-Dokument könnte die Ölkatastrophe noch verheerender werden als zuletzt angenommen. Im schlimmsten Fall könnten aus dem lecken Bohrloch täglich bis zu 100.000 Barrel (15,9 Millionen Liter) Öl austreten, heißt es in dem Bericht des britischen Ölkonzerns an den US-Kongress, den der demokratische Abgeordnete Ed Markey am Sonntag veröffentlichte. Derzeit schätzt die US-Regierung, dass bis zu 9,5 Millionen Liter am Tag in den Golf von Mexiko fließen.

US-Demokrat: BP hätte "es von Anfang an wissen müssen"

Laut Markey geht es in dem BP-Bericht um die Risiken der Ölauffang-Methoden. Die Experten schätzten demnach, dass zwischen 55.000 bis 100.000 Barrel Rohöl pro Tag ins Meer fließen könnten, wenn das kaputte Sicherheitsventil komplett entfernt würde.

Zum selben Zeitpunkt, an dem der Bericht Markey zufolge im Mai den Abgeordneten zuging, sprach BP in der Öffentlichkeit noch von 5000 Barrel täglich. Im TV-Sender NBC warf der US-Demokrat dem britischen Konzern nun vor, "entweder zu lügen oder schlicht inkompetent" zu sein: "Erst sprechen sie von 1000 Barrel, dann von 5000 Barrel, jetzt sind es schon bis zu 100.000 Barrel", sagte er. "Es war ihre Technologie, ihr Leck, sie hätten es von Anfang an wissen müssen", sagte er.

BP: Bericht "falsch interpretiert"

BP wies die Vorwürfe umgehend zurück. Der Bericht werde "völlig falsch interpretiert", sagte Sprecher Robert Wine. Er wies darauf hin, dass die Schätzungen auf Bedingungen beruhten, die nie eingetreten seien. So werde das Sicherheitsventil erst dann entfernt, "wenn wir garantieren können, dass das Bohrloch keine Gefahr mehr darstellt", sagte er. Nach seinen Angaben haben die damaligen Schätzungen nichts damit zu tun, "wie viel Öl derzeit tatsächlich" aus dem Leck fließe. Vergangene Woche hatte BP-Chef Tony Hayward vor einem Ausschuss des US-Kongresses gesagt, dass sich noch mehr als sieben Milliarden Liter Öl in der Ölquelle befänden. Damit würde die Quelle noch immer 94 bis 97 Prozent ihres Öl enthalten.

Auf der gesunkenen Ölplattform "Deepwater Horizon" hatte es nach Angaben eines ehemaligen Mitarbeiters schon Wochen vor der Explosion Sicherheitsprobleme gegeben. Er habe einen Fehler an einer Dichtungsvorrichtung festgestellt und die zuständigen Vorgesetzten informiert, erläuterte Tyrone Benton der BBC. Statt das wichtige Teil zu reparieren, habe man es aber einfach abgeschaltet und sich auf eine zweite Sicherheitsdichtung verlassen, berichtete der britische Sender. BP verwies darauf, der Plattform-Besitzer Transocean sei für die Instandhaltung der betroffenen Vorrichtung zuständig gewesen. Transocean wiederum gab an, man habe das Teil noch kurz vor der Explosion überprüft und für fehlerfrei befunden.

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