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Algen sollen Treibhausgas fressen

Algen sollen Treibhausgas fressen

22.07.2010, 12:27 Uhr | Von Johannes Frewel, AFP, AFP

Algen sollen Treibhausgas fressen.

Die mit Algen gefüllten Bioreaktoren erinnern an überdimensionale transparente Heizkörper. (Foto: Vattenfall)

Mit einem trägen Gluckern steigen Blasen in der trüben dunkelgrünen Algenbrühe nach oben. Was in seinem Swimmingpool niemand haben möchte, könnte einmal die Hoffnung der deutschen Stromkonzerne werden. Scenedesmus obliquus heißt die Grünalge, mit der Vattenfall im Algenreaktor des Braunkohlekraftwerks Senftenberg experimentiert.

Das Pilotprojekt hat zum Ziel, dass die Algen das bei der Stromerzeugung anfallende Treibhausgas Kohlendioxid in unschädliche Stoffe umwandeln. Seit kurzem prüft der Energiekonzern in der brandenburgischen Anlage, ob die Umwandlung der Kraftwerks-Abgase vom Kostenfaktor zur Geldquelle umsetzten lässt.

Bereits 2008 hatte von RWE eine neuartige Algenzuchtanlage in Niederaußem bei Köln in Betrieb genommen. Geplant war, einen Weg zu finden, die Algen zur Aufnahme von Industrieabgasen zu verwenden. Der Kraftwerksstandort wird zu Forschungs- und Entwicklungszwecken genutzt.

Algen als Milliardengeschäft?

Für Treibhausgase wie CO2, die in die Luft geblasen werden, müssen sie teure Emissionszertifikate erwerben. Gelänge es, dass künftig Algen einen Teil des Klimakillers fressen, könnte daraus ein Milliardengeschäft werden.

Die 28-jährige Biotechnologin Janin Thiele ergründet zunächst in einem eineinhalbjährigen Pilotprojekt, ob die Algen mit den ungefilterten Kraftwerks-Abgasen zurecht kommen, die neben dem Klimakiller auch Schwefel und Schwermetalle enthalten.

Bislang zeigen sich die Algen in guter Verfassung: in den in etwa drei Metern Höhe aufgehängten schmalen senkrechten Behältern, die an überdimensionale Heizkörper erinnern, wachsen die Grünalgen derart rasch, dass aus der einst klaren Flüssigkeit längst eine dunkelgrüne Suppe geworden ist.

Algen - Das Allround-Genie

Der Algenreaktor nutzt die seit langem bekannten Gesetze der Photosynthese: Pflanzen nehmen Kohlendioxid auf und wandeln sie mit Hilfe von Licht in Biomasse um. Der Vorteil von Algen ist, dass sie etwa zehnmal so viel Ertrag bringen und CO2 binden, als Pflanzen, die an Land wachsen.

Für Algen gibt es zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten, so kann man sie als Grundstoff für die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie verwenden, als Energieträger trocknen und verbrennen oder zu Biosprit für Flugzeuge umwandeln. Triebwerkhersteller und Airlines testen Algentreibstoff bereits, auch wenn bislang nur geringe Mengen zur Verfügung stehen.

Neue Perspektive für Dreckschleudern

Für Janin Thiele schließt sich mit der grünen Mission zugunsten der Braunkohle ein Kreis. Ihr Vater arbeitete einst in dem als Dreckschleuder verrufenen DDR-Kraftwerk Vetschau. Das Braunkohlekraftwerk ist längst geschlossen, doch Algen könnten der umstrittenen Braunkohleverstromung eine neue Perspektive bereiten.

Sollen sie aber einmal die gesamten Treibhausgase aufnehmen, die in ostdeutschen Braunkohlekraftwerken in die Luft geblasen werden, müssten in den von Abwanderung geplagten Landstrichen wahrscheinlich quadratkilometergroße Algenreaktoren entstehen.

Die Biomasse wäre anders als das Treibhausgas unkritisch und möglicherweise sogar gewinnbringend verwertbar.

Politischer Widerstand gegen Alternative

Eine weitere Möglichkeit ist Kohlendioxid in großen Mengen in unterirdische Hohlräume zu pumpen, was der Stromerzeuger Vattenfall derzeit in Brandenburg testet. Dagegen gibt es jedoch politischen Widerstand in den betroffenen Regionen. Hingegen ist bei Bioreaktoren kein politischer Widerspruch zu erwarten.

Ob und wann es zum Bau der Bioreaktoren kommen wird ist bislang noch offen - Forschungsergebnisse werden in Senftenberg frühestens Ende 2011 erwartet.

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