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Forscher sagen "katastrophalen Artenschwund" voraus

Forscher sagen "katastrophalen Artenschwund" voraus

27.10.2010, 17:57 Uhr | ddp, dpa, AFP

Forscher sagen "katastrophalen Artenschwund" voraus. Ein toter Hai - vor allem Knorpelfische werden besonders durch den Menschen bedroht (Foto: AFP)

Ein toter Hai - vor allem Knorpelfische werden besonders durch den Menschen bedroht (Foto: AFP) (Quelle: AFP)

Der Artenreichtum der Erde schwindet rasant: 20 Prozent der Wirbeltierarten sind momentan vom Aussterben bedroht, und jedes Jahr erhöht sich für 52 weitere Arten der Gefährdungsstatus. Diese Schätzung geht aus einer Auswertung mehrerer unterschiedlicher Studien zur Entwicklung der Artenvielfalt hervor. Diese ermöglichte es einem internationalen Team aus 23 Wissenschaftlern zum ersten Mal, das Ausmaß des globalen Artensterbens zu beurteilen.

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Ihre Ergebnisse zeigen, dass unser Planet momentan das sechste Massensterben seiner Geschichte durchmacht. Das Letzte war demnach das Verschwinden der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren.

Einige bedrohte Arten gerettet

Die Berechnungen der Forscher zeigen allerdings auch, dass Naturschutzmaßnahmen durchaus Erfolg haben können. Demnach wäre die Lage wesentlich dramatischer, wenn es in den letzten 40 Jahren nicht Projekte gegeben hätte, um die Natur und bedrohte Aren zu schützen. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler um Paul Leadley von der Universität Paris-Süd im Wissenschaftsmagazin "Science".

So galt etwa der kalifornische Kondor schon als ausgestorben. In den 80er Jahren gab es nur noch wenige Individuen in Gefangenschaft. Durch ein umfangreiches Zucht- und Auswilderungsprogramm kreisen in diesem Jahr wieder rund 200 Exemplare in freier Natur. Nur für den Schwarzfußiltis und das Przewalski-Pferd sei eine derart erfolgreiche Wiederansiedlung auch gelungen.

Fatale Kettenreaktionen in Ökosystemen

Die Wissenschaftler hatten die Ergebnisse fünf aktueller Umweltstudien verglichen und zusätzlich viele weitere Untersuchungen zur Entwicklung der biologischen Vielfalt auf der Erde ausgewertet. Die Analyse erfasste 25.000 Säugetiere, Amphibien, Fische, Vögel und Reptilien.

Demnach werden aktuell etwa 20 Prozent dieser Wirbeltierarten als bedroht eingestuft. Obwohl die Wirbeltiere nur etwa drei Prozent aller Tierarten stellen, kommt ihnen dennoch eine zentrale Schlüsselfunktion in den Lebensgemeinschaften zu. Sterben bestimmte Arten aus, kann das zu fatalen Kettenreaktionen in den Ökosystemen führen. Die Analyse der gesammelten Daten ergab eine große Übereinstimmung in den Grundaussagen der verschiedenen Studien: "Unseren Ergebnissen zufolge steht außer Frage, dass, wenn wir so weitermachen wie bisher, wir einen katastrophalen Artenschwund erleben werden", sagt Paul Leadley.

"Umweltschutzmaßnahmen können helfen"

Die wichtigsten Ursachen für den Rückgang der Artenvielfalt sehen die Wissenschaftler im Schrumpfen der Lebensräume, der übermäßigen Nutzung durch Jagd oder Fischfang und auch durch das Einwandern fremder Tierarten, die ansässige Arten verdrängen. Projekte, die sich diesen Ursachen entgegenstemmen, konnten den Analysen der Forschern zufolge die Lage verbessern. "Die Tatsache des enormen Verlusts an Artenvielfalt mag zu einem Gefühl der Hilflosigkeit führen", sagt Dean Mindell von der California Academy of Sciences in San Francisco, ein Mitautor der Studie. "Aber Umweltschutzmaßnahmen können helfen - wir hoffen, dass unsere Untersuchungen aktuellen und zukünftigen Umweltkampagnen mehr Nachdruck verleihen werden."

Bedrohte Regenwälder

Auf der UN-Artenschutzkonferenz, die momentan in Japan stattfindet, sicherte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) zehn Millionen Euro für den Erhalt tropischer Wälder zu. Das Geld soll in einen Fonds der Weltbank eingespeist werden, aus dem Projekte in Tropenländern zum Walderhalt gefördert werden sollen. Das Umweltministerium werde zudem eine Studie in Auftrag geben, die den ökonomischen Wert der biologischen Vielfalt in Deutschland bewerten soll, so Röttgen.

Wie stark die Regenwälder tatsächlich bedroht sind, berichteten vier indonesische Umweltschützer der Umweltstiftung WWF in Berlin. Als "Augenzeugen" erklärten sie, wie es den großen Holzfirmen auf der Insel Borneo gelang, innerhalb von 20 Jahren rund 850.000 Hektar Regenwald zu fällen. "Wir dachten; da öffnet sich ein Markt - warum sollten wir also am Gewinn nicht teil haben?", berichtete ein einst illegaler Holzfäller. Jetzt fordern die indonesischen Umweltschützer die deutschen Verbraucher auf, beim Kauf von Tropenholz auf ein Zertifikat zu achten, wie etwa das FSC-Siegel. So könnten auch die Menschen in Deutschland dazu beitragen, den Regenwald zu schützen.

Ein Zusammenschluss aus mehreren Umweltorganisationen sieht die UN-Artenschutzkonferenz kurz vor dem Scheitern - und warnt die deutsche Delegation erneut davor, in Nagoya nicht als Bremser aufzutreten. "Von der Vorreiterrolle, die Deutschland so gerne für sich beansprucht, ist hier nichts zu sehen", meint Jürgen Meier vom Forum Umwelt und Entwicklung.

Genetische Vielfalt von Nutzpflanzen ebenfalls in Gefahr

Vor allem beim Protokoll zum Stopp der Biopiraterie müsse Deutschland einen Schritt auf die Entwicklungsländer zugehen. Den Umweltorganisationen zufolge hängen vom Erfolg des Protokolls alle anderen Beschlüsse in Nagoya ab. Im Biopiraterie-Protokoll geht es um die gerechte Aufteilung der Gewinne aus biologischen Wirkstoffen, die etwa für medizinische oder kosmetische Produkte genutzt werden.

Nach einem aktuellen Bericht der Welternährungsorganisation (FAO) ist auch die genetische Vielfalt vieler Nutzpflanzen in Gefahr. Faktoren wie Abholzung, Überweidung und das Bevölkerungswachstum würden der Nahrungsgrundlage des Menschen zusetzen. Nach FAO-Angaben wird die Welt in vier Jahrzehnten doppelt so viele Nahrungsmittel produzieren müssen wie im Jahr 2000 - dies aber mit weniger Wasser.

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