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Klimawandel bleibt Fakt - trotz kalter Winter

Trotz Klimawandel sind kalte Winter möglich

29.12.2010, 15:04 Uhr | dapd, dpa

Klimawandel bleibt Fakt - trotz kalter Winter. Schneemassen in Deutschland - Klimawandel widerlegt? (Foto: dpa)

Schneemassen in Deutschland - Klimawandel widerlegt? (Foto: dpa)

Der ungewöhnlich frühe Wintereinbruch ist nach Einschätzung des Potsdamer Klimaforschers Stefan Rahmstorf kein Beleg dafür, dass der Klimawandel nicht stattfindet. "Auch im Zuge der globalen Erwärmung wird es immer wieder kalte Winter geben", sagte Rahmstorf. Global gesehen sei das meteorologische Jahr 2010, das im November endete, das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert gewesen, sagte der Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Das Empfinden kalter Winter sei zum einen der Tatsache geschuldet, dass die vergangenen Winter eher zu mild gewesen und zum anderen ein regionales Phänomen seien. "Wir hier in Europa erleben dann besonders kalte Winter, wenn arktische Kaltluft einfließt", sagte Rahmstorf. Das Abschmelzen der Eisfläche in der Barents-Kara-See nördlich von Skandinavien begünstige eine Luftströmung, die verhältnismäßig kalte Luft nach Europa bringe.

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Subjektives Empfinden trügt

Rahmstorf verwies zudem darauf, dass zumindest der vergangene Winter keineswegs so kalt gewesen sei, wie er von vielen subjektiv empfunden wurde. "Der Winter 2009/2010 fällt nicht einmal unter die 20 kältesten Winter insgesamt, und allein in den 80er Jahren hatten wir drei, die kälter waren." Die Deutschen hätten sich "an eine ganze Serie sehr warmer Winter" gewöhnt und wunderten sich dann, "wenn es mal wieder einen richtig knackigen Winter gibt". So war der Winter 2006/2007 in Potsdam mit einer Durchschnittstemperatur von 4,6 Grad der wärmste seit 1893, dem Beginn der Aufzeichnungen.

Der starke Schneefall hängt nach Angaben des Klimaforschers auch damit zusammen, dass sich die Meere rund um Europa tendenziell erwärmten und dadurch auch mehr Wasser verdunste. "Dann wiederum enthält die Luft mehr Feuchtigkeit, die sich abregnet oder wenn es kalt genug ist, abschneit." Langfristig rechnet Rahmstorf mit eher milderen Wintern. Es werde zwar unter anderem wegen der veränderten Luftströmungen in der Arktis immer wieder Winter geben, die kälter seien als der Durchschnitt. Auf lange Sicht werde sich aber auch die polare Kaltluft wegen des Treibhauseffekts erwärmen.

Große regionale Unterschiede

Unterdessen verweist der Potsdamer Geowissenschaftler Prof. Reinhard Hüttl darauf, dass die Auswirkungen der Erderwärmung regional sehr unterschiedlich seien. "Darum ist es nicht überraschend, dass es in Alaska wärmer wird, während wir hier einen kalten Winter erleben", sagte der Wissenschaftliche Vorstand des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam. Es gebe in der Forschung eine Reihe von Arbeitshypothesen für solche Entwicklungen. Als Beispiel nannte er unterschiedliche Sonnenaktivitäten, die Einfluss nähmen. "Ich kann aus der Erdsystemforschung sagen: Wir verstehen das System noch nicht hinreichend."

Eine Theorie für einen extrem kalten Winter in Europa - bei steigender Erwärmung - hatte kürzlich der Potsdamer Forscher Vladimir Petoukhov vorgestellt: Im Winter 2005/2006 war die Meereis-Fläche in der östlichen Arktis vergleichsweise klein. Durch das dunkle, offene Meer wurden die unteren Luftschichten weiter aufgeheizt. Das führte zu einer gestörten Luftströmung, die in der Computersimulation kalte Winterwinde nach Europa brachte. "Diese Störungen könnten die Wahrscheinlichkeit des Auftretens extrem kalter Winter in Europa und Nordasien verdreifachen", nimmt Petoukhov an.

Temperaturanstieg um mehr als ein Grad

Für den Klimawandel hingegen gibt es laut Gerstengarbe klare Anzeichen. In einigen Gebieten Deutschlands zum Beispiel sei die Temperatur innerhalb der vergangenen 50 Jahre schon um 1 bis 1,5 Grad im Jahresmittel gestiegen. "Außerdem gibt es in Deutschland vermehrt 5-B-Wetterlagen", sagte Gerstengarbe. Damit bezeichnen die Experten ein Genua-Tief, das südlich der Alpen viel Feuchtigkeit aufnimmt und nach Norden zieht. Diese Wetterlagen seien verantwortlich gewesen etwa für das Elbe- und das Oder-Hochwasser. Gerstengarbe sieht für Deutschland eine steigende Hochwassergefährdung.
Insgesamt seien die Winter deutlich milder geworden. Am Klimawandel jedenfalls gebe es nichts zu rütteln. "Dieses Jahr wird eines der wärmsten, seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen", betont der Klimaforscher. "Wir werden sicher mit mehr milden Wintern zu rechnen haben als mit kalten."

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