Anzeige
Sie sind hier: Home > Politik > Specials > Klima & Umwelt >

Der Klimawandel nagt am Mont Blanc

Der Klimawandel nagt am Mont Blanc

01.10.2011, 13:28 Uhr | Von Estelle Emonet, AFP

Der Klimawandel nagt am Mont Blanc. Am Mont Blanc kommt es immer häufiger zu Abstürzen von Felsbrocken (Quelle: imago images)

Am Mont Blanc kommt es immer häufiger zu Abstürzen von Felsbrocken (Quelle: imago images)

So schnell werden die Einwohner des kleinen französischen Bergdorfes Tignes das zweite September-Wochenende nicht vergessen. Unter riesigem Getöse hatte sich in 3400 Metern Höhe ein 12.000 Kubikmeter großer Felsbrocken von der Drus-Bergkette im Mont-Blanc-Massiv abgelöst und war donnernd nach unten gestürzt. Es dauerte fast eine Stunde, bis sich die riesige Staubwolke aufgelöst hatte und den Blick auf die imposanten Gipfel wieder freigab.

An solch spektakuläre Ereignisse werden sich die Menschen in den Alpen gewöhnen müssen, fürchtet Ludovic Ravanel, Klimaexperte beim staatlichen Forschungsinstitut CNRS und der Universität Grenoble. Es werde immer häufiger vorkommen, dass sich Felsen ablösten - und die Brocken würden womöglich immer größer, warnt der Franzose. Denn an den Alpen nage der Klimawandel. Das Phänomen sei seit den 80er Jahren zu beobachten und es sei davon auszugehen, dass es sich noch verstärken werde. "Wir wissen aber nicht, in welchem Umfang".

Spektakulärer Absturz 2005

Allein seit dem Jahr 2007 seien im zentralen Mont-Blanc-Massiv 182 Abbrüche registriert worden, berichtet Ravanel. Besonders spektakulär war nach seinen Angaben 2005 der Absturz von 265.000 Kubikmetern Gestein - ebenfalls in den Drus-Bergen. Dabei wurde auch der Bonatti-Felspfeiler in die Tiefe gerissen, der seit Menschengedenken zum Panorama dieser Bergkette gehört hatte.

Weitere Nachrichten und Links

Die Ursache für das Abbröckeln sei "zweifelsohne" die Erderwärmung, betont der Forscher. Sie habe dazu geführt, dass heute selbst in sehr großer Höhe nicht mehr ständig Temperaturen unter Null herrschen. Den Erkenntnissen von Geologen und Klimaforschern zufolge stabilisierte der permanente Frost über Jahrtausende die Felsen - durch das Eis in den Steinritzen, das wie Beton wirkt. Schmilzt das Eis und wird zu Wasser, dann fehlt dieser "Beton".

Forscher wenig optimistisch

Der Temperaturanstieg habe die natürliche Verwitterung der Felsen somit deutlich verstärkt, erläutert Ravanel. Im Wintersportort Chamonix beispielsweise sei die Durchschnittstemperatur seit 1936 um zwei Grad angestiegen. Die Gletscher auf den Gipfeln würden von Jahr zu Jahr immer kleiner. Die Gletscherschmelze wiederum verstärke die Erwärmung des Felsens. "Das Eis reflektiert die Sonnenstrahlen, doch Gestein ist ein Wärmeträger", erklärt der Experte. Für die Zukunft ist der Forscher wenig optimistisch. Felsabbrüche werde es immer häufiger geben - selbst im Winter, prophezeit er.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige


shopping-portal