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Klimaforscher: Meeresspiegel wird um rund einen Meter steigen

"Die Realität überholt die Modelle"

11.11.2011, 11:14 Uhr | AFP

Klimaforscher: Meeresspiegel wird um rund einen Meter steigen. Sturmwellen branden an die amerikanische Atlantik-Küste bei Hull (Quelle: Reuters)

Sturmwellen branden an die amerikanische Atlantik-Küste bei Hull (Quelle: Reuters)

Der Anstieg des Meeresspiegels als Folge der Erderwärmung könnte Wissenschaftlern zufolge dramatischer ausfallen, als bisher schon befürchtet: "Es zeigt sich, dass die Realität die Modelle überholt", so Klimaexperte Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Bei der Fläche des arktischen Meereises sei 2011 für den Juli ein neuer Negativrekord verzeichnet worden: Die Dicke der Eisdecke sei viermal schneller geschrumpft als im Mittel der bisherigen Prognosen angenommen. Generell liege die Eismasse "weit unter den Modellen des Weltklimarats IPCC", sagte Rahmstorf.

Der Anstieg ist bereits messbar

Der gleiche Trend sei auch beim Festlandseis Grönlands zu verzeichnen. Als Konsequenz aus der Eisschmelze dürfte der Meeresspiegel laut Rahmstorf bis 2100 weltweit je nach dem weiteren Verlauf des Klimawandels um 75 bis 190 Zentimeter ansteigen. Als mittlerer Wert sei ein Anstieg um rund einen Meter zu erwarten.

Bereits heute werden demnach in der Deutschen Bucht, aber auch anderswo Rekord-Anstiegsraten des Meeresspiegels gemessen, zur Zeit im Mittel um rund drei Millimeter pro Jahr. Die mittlere Anstiegsprognose des IPCC bis Ende des Jahrhunderts hatte bisher bei 30 bis 40 Zentimeter weltweit gelegen.

Rahmstorf wies auch auf die zunehmende Häufung von Extremwetterereignissen hin (siehe: "Forscher erklären Jahrhundert-Orkane zum Normalfall"). Zwar lassen sich einzelne Wetterkatastrophen wie die jüngsten Unwetter in Spanien, Südfrankreich und Italien nach Einschätzung von Wissenschaftlern nicht direkt auf den Klimawandel zurückführen, ihre Häufung deckt sich jedoch laut Rahmstorf mit den mit der Erderwärmung verbundenen wissenschaftlichen Erwartungen.

Klimaverhandlungen sind falsch "konstruiert"

Negativ beurteilt PIK-Vizechef Ottmar Edenhofer die Erfolgschancen der UN-Klimakonferenz in Durban, die in zwei Wochen beginnen soll. Positive Erwartungen an Durban habe er "keine", sagte Edenhofer und sprach sich dafür aus, neue Wege jenseits der oft zähen UN-Verhandlungen zu suchen. Diese seien "ein Konstruktionsfehler".

"Man muss den Teilnehmerkreis der Verhandlungen verkleinern und die Verhandlungsgegenstände ausweiten", sagte Edenhofer. Er sprach sich für Gespräche im Kreis des von den USA initiierten Major Economies Forum (MEF) aus, das die wichtigsten Emittenten von Treibhausgasen repräsentiert.

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Verhandelt werden solle auch nicht mehr vorrangig über Emissionsgrenzen für Treibhausgase, was in den bisherigen Gesprächen gescheitert war, sondern über Technologiepolitik zugunsten der erneuerbaren Energien und den Abbau von Subventionen für fossile Energieträger, die Edenhofer für 2010 weltweit mit 409 Milliarden US-Dollar bezifferte. Weiteres Verhandlungsziel solle die Verknüpfung bestehender Emissionshandelssysteme sein.

Von den im bisherigen UN-Prozess erzielten Ergebnissen setzt Edenhofer besonders auf den "Green Climate Fund", in den derzeit jährlich zwölf Milliarden Dollar fließen sollen. Bis 2020 soll dieser Betrag auf jährlich 100 Milliarden Dollar steigen. "Wenn dieses Geld in vernünftige Anstrengungen zur Verringerung der Treibhausgase investiert würde, könnten damit im günstigsten Fall bis 2020 fünf Gigatonnen CO2 eingespart werden", sagte der Wissenschaftler.

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