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Klimawandel: Skeptische Klimaforscher widerlegen sich selbst

Klimaskeptiker widerlegen sich selbst

25.11.2011, 07:13 Uhr | dpa, AFP

Klimawandel: Skeptische Klimaforscher widerlegen sich selbst . Das Meereis an den Polen schmilzt schneller denn je (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das Meereis an den Polen schmilzt schneller denn je (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ausgerechnet eine von ausgewiesenen Klimawandel-Skeptikern durchgeführte und von der Öl- und Chemieindustrie mitfinanzierte Studie in den USA hat jetzt die globalen Temperaturanstiege durch Treibhausgase bestätigt.

Eigentlich war die Gruppe von Forschern unter Leitung des renommierten Physikers Richard Muller an der kalifornischen Universität von Berkeley angetreten, um vermeintlichen methodischen Schwächen bei den Analysen des Weltklimarats der Vereinten Nationen, kurz IPCC, auf den Grund zu gehen. Muller galt bis vor kurzem selbst als sogenannter Klimaskeptiker.

Vom Saulus zum Paulus

Um den IPCC bloßzustellen, wählten Muller und seine Mitstreiter in dem Projekt "Berkeley Earth Surface Temperature" (BEST) - es wurde unter anderem von der amerikanischen Ölindustrie finanziert - eine Herangehensweise, die alle bisherigen Einwände von Skeptikern mit einbeziehen sollte.

Der Paukenschlag, kam, als vor Kurzem die ersten Zwischenergebnissen veröffentlicht wurden: Ihnen zufolge decken sich die BEST-Vorhersagen fast exakt mit den Prognosen des von den Industrie-Lobbys gehassten IPCC. "Unsere größte Überraschung war, dass die neuen Ergebnisse so stark mit den Werten übereinstimmen, die zuvor von anderen Teams in den USA und Großbritannien veröffentlicht wurden," sagte der vom Saulus zum Paulus gewandelte Muller zu den Ergebnissen der Studie und ergänzte: "Menschen die sagen, es gibt keinen Klimawandel, sollten vielleicht auf unsere Daten schauen und ihre Meinung überdenken.” Als nächstes wollen die Wissenschaftler die Ozeantemperaturen überprüfen. Sie hoffen, diese Arbeit 2012 abzuschließen.

Forscher befürchten Erwärmung um bis zu sechs Grad

Auf der Agenda der Politiker ist der Kampf gegen den Klimawandel derweil in den Hintergrund gerückt - ebenso wie in der öffentlichen Wahrnehmung. Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz ab 28. November im südafrikanischen Durban bestimmt die Finanzkrise auf internationaler Ebene die Schlagzeilen.

Dabei werden die von den Wissenschaftlern zusammengetragenen Klimadaten immer alarmierender. Das arktische Meereis schmilzt schneller denn je. Bis Ende des Jahrhunderts wird inzwischen ein Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter oder mehr erwartet - mehr als doppelt so viel als noch in den Prognosen des IPCC.

Die Welt steuere derzeit auf eine Erwärmung um fünf bis sechs Grad bis Ende des Jahrhunderts zu, warnt der Chef des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber. "Es zeigt sich, dass die Realität die Modelle überholt", warnt auch der Klimaforscher Stefan Rahmstorf. Er verweist auf Messungen, wonach die Dicke des arktischen Meereises viermal so schnell zurückgeht, wie im Mittelwert der bisherigen Klimamodelle vorhergesagt. Und der IPCC veröffentlichte vergangene Woche einen Sonderbericht, wonach Unwetter und andere Extremereignisse bereits in naher Zukunft dramatisch zunehmen dürften.

Weitere Nachrichten und Links

Handlungsspielräume werden immer kleiner

"Ohne einen entschiedenen Richtungswechsel in der Energiepolitik ist die Welt auf dem Weg in ein unsicheres, ineffizientes und kohlenstoffreiches Energiesystem", schreibt auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa (OECD). Die Internationale Energieagentur (IEA) kommt in ihrem World Energy Outlook zu dem Schluss, "dass die Handlungsspielräume immer kleiner werden" - vor allem aufgrund des wachsenden Energieverbrauchs in China, Indien und weiteren Schwellen- und Entwicklungsländern. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) vom Montag hat die Menge der wichtigsten Treibhausgase Kohlendioxid (CO2) und Methan in der Atmosphäre 2010 sogar schneller zugenommen als zuvor.

Gründe gibt es also genug, um auf der UN-Konferenz in Durban endlich voranzukommen. Genau das ist jedoch nicht absehbar. Bis zum nächsten umfassenden IPCC-Bericht 2014 "wird wenig passieren", fürchtet Schellnhuber. Achim Steiner, Chef des UN-Umweltprogramms UNEP, hofft, dass es in Durban wenigstens neue Impulse beim Waldschutz und beim Aufbau des auf den vorherigen im Grundsatz beschlossenen weltweiten Klimafonds geben wird. Ein neues internationales Klimaabkommen dagegen, möglichst mit verbindlichen Obergrenzen für den CO2-Ausstoß, sei "zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich".

Die Antwort für die Unbeweglichkeit der Staatengemeinschaft sucht PIK-Vizechef Ottmar Edenhofer in der Spieltheorie des Nobelpreisträgers John F. Nash: Auch wenn tatkräftiges Handeln eigentlich für alle Beteiligten die beste Lösung wäre, erscheint es für den Einzelstaat zunächst günstiger, selbst nichts zu tun.

China mit ins Boot holen

Um den Stillstand zu überwinden, setzt WWF-Klimaexpertin Regine Günther auf neue Allianzen jenseits der alten Grenzziehungen zwischen Nord und Süd, West und Ost. Sie empfiehlt, die zum Klimaschutz noch am ehesten bereiten Europäer sollten versuchen, das stark vom Klimawandel bedrohte China mit ins Boot zu holen, um den Rahmen für ein Nachfolgeabkommen für das auslaufende Kyoto-Protokoll abzustecken. Einen wichtigen Anreiz auf der Suche nach weiteren Verbündeten sieht auch sie in dem globalen Klimafonds, von dem vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer profitieren würden.

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