Anzeige
Sie sind hier: Home > Politik > Specials > Klima & Umwelt >

UN-Klimakonferenz in Durban: "Scherbenhaufen der Klimapolitik"

"Scherbenhaufen der Klimaschutzpolitik"

25.11.2011, 11:53 Uhr | AFP, dapd

UN-Klimakonferenz in Durban: "Scherbenhaufen der Klimapolitik". Der CO2-Ausstoß in den Schwellenländern wie China steigt stark an. Für ein neues Klimaschutzabkommen stellen diese Länder aber Bedingungen (Quelle: dpa)

Der CO2-Ausstoß in den Schwellenländern wie China steigt stark an. Für ein neues Klimaschutzabkommen stellen diese Länder aber Bedingungen (Quelle: dpa)

Der große Durchbruch wird in Durban erneut ausbleiben - darüber sind sich vor Beginn der UN-Klimakonferenz am Montag in der südafrikanischen Hafenstadt alle einig. Der international renommierte Forscher Stefan Rahmstorf spricht gar von einem "Scherbenhaufen der globalen Klimaschutzpolitik".

"Ein Nachfolgevertrag, der noch rechtzeitig in Kraft treten könnte, um eine verbindliche Minderung von Treibhausgas-Emissionen zu erreichen, ist nicht in Sicht", sagte Rahmstorf der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Ohne vernünftiges Abkommen sei es jedoch noch unwahrscheinlicher, dass die Emissionen global bald sinken werden. "Man kann jetzt höchstens hoffen, dass es zu kleineren Abkommen kommt, zu Koalitionen der klimaschutzwilligen Staaten", sagte der Wissenschaftler des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung.

Mit Spannung blicken vor allem Experten und Umweltschützer nach Durban, ob es den Delegationen von mehr als 190 Staaten gelingt, diese Zwischenschritte zurückzulegen, um die Erderwärmung doch noch auf zwei Grad zu begrenzen. Dieses Ziel war vor einem Jahr auf der Konferenz in Cancún festgelegt worden. Außerdem geht es darum, wie finanzielle Hilfen für Entwicklungsländer bei Klimaschutz und Anpassung an Klimafolgen finanziert und ausgestaltet werden.

Industrie- gegen Schwellenländer

"Es ist heute schon sicher, das Zwei-Grad-Ziel im Klimaschutz kann man nicht erreichen, wenn die aufstrebenden Ökonomien nicht bereit sind, bindende Verpflichtungen einzugehen", mahnte selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel vor der Konferenz die großen Schwellenländer wie China oder Brasilien. Ohne ehrgeizigere Emissionsziele der Staatengemeinschaft erwarten Klimaexperten eher eine Aufheizung der Atmosphäre um drei bis fünf Grad.

Um dies zu verhindern, sollte eigentlich schon vor zwei Jahren auf der UN-Konferenz in Kopenhagen das Kyoto-Protokoll in ein neues, umfassendes Klimaabkommen überführt werden. Derzeit blockieren sich wichtige Staaten jedoch gegenseitig.

Weitere Nachrichten und Links

China und andere große Schwellenländer wollen über ein neues Abkommen nur verhandeln, wenn sich zuvor die Industrieländer für weiteren Emissionspflichten für die Zeit nach dem Auslaufen der ersten Kyoto-Verpflichtungsperiode 2012 zustimmen. Während die Europäische Union solche Vorgaben, die sie intern ohnehin bereits festgelegt hat, wohl akzeptieren würde, beharren Russland, Japan oder Kanada darauf, statt neuer Kyoto-Pflichten nur für die Industrieländer jetzt auch Regeln für die Schwellenländer festzulegen. Die USA, die bei Kyoto abseits stehen, lehnen nicht nur eine Fortschreibung des Protokolls ab, sondern wollen generell keine internationalen Emissionsvorgaben.

"Möglich, aber nicht sicher"

Deutsches Verhandlungsziel ist es laut Delegationskreisen, in Durban einen Fahrplan oder ein Mandat für Verhandlungen über ein späteres umfassendes Klimaabkommen festzulegen. Dies könnte ein Kyoto 2 einschließen, auf das vor allem die Schwellen- und Entwicklungsländer dringen. Ein solches Mandat zu erreichen, sei "möglich, aber nicht sicher", hieß es. Debatten gibt es zudem darum, wie Klimaschutzmaßnahmen gemessen und international kontrolliert werden können, sowie um den Waldschutz.

Umwelt- und Entwicklungsverbände hoffen darauf, dass es gelingt, China durch das Versprechen eines Kyoto 2 wenigstens die grundsätzliche Bereitschaft zu eigenen Verpflichtungen zu entlocken. Dies könnte eine positive Dynamik erzeugen, gibt sich Jan Kowalzig von der Organisation Oxfam verhalten optimistisch. Als Krisenszenario gilt dagegen eine ergebnislose Vertagung aller wesentlichen Punkte.

Einfacher erscheint die Lage beim bereits in Cancún beschlossenen Green Climate Funds (GCF) für Klimaschutz und -anpassung. In diesen Fonds sollen ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar fließen. Feste Finanzzusagen gibt es bislang aber nur für eine Erstausstattung von insgesamt 30 Milliarden Dollar bis 2012. Deutschland hat immerhin auch für die Folgejahre Mittel eingeplant, wovon allerdings ein großer Teil bereits in anderem Zusammenhang zugesagt war.

Wenn der Röttgen kommt

Für Durban wurde auf Arbeitsebene ein Gründungsdokument für den GCF ausgearbeitet, mit dem allerdings die USA nicht einverstanden sind. Auf der Konferenz müssten nicht nur solche Widerstände überwunden, sondern auch Wege zur künftigen GCF-Finanzierung aufgezeigt werden. Angesichts knapper Haushaltsmittel wird dabei auch über innovative Instrumente wie Emissionsabgaben auf den internationalen Seeverkehr nachgedacht. Wichtig sei jetzt ein Stufenplan für den Aufwuchs der Mittel, sagt Christoph Bals von Germanwatch.

Entscheidungen dürften auf der zweiwöchigen Konferenz erst fallen, wenn ab dem 6. Dezember die Verhandlungen auf Ministerebene geführt werden. Für Deutschland wird dann Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) verhandeln.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige


shopping-portal