Anzeige
Sie sind hier: Home > Politik > Specials > Klima & Umwelt >

Arktis-Eis schmilzt auf Rekordtief

Eis in der Arktis schmilzt schneller als jemals zuvor

28.08.2012, 16:23 Uhr | AFP, dapd

Arktis-Eis schmilzt auf Rekordtief. So stark wie im Sommer 2012 ist das Arktis-Eis noch nie geschmolzen (Quelle: dpa/NASA)

So stark wie im Sommer 2012 ist das Arktis-Eis noch nie geschmolzen (Quelle: dpa/NASA)

Das Eis im Nordpolarmeer ist in diesem Sommer so stark geschmolzen wie niemals zuvor. Die Schuld sehen US-Wissenschaftler beim Klimawandel und warnen, dass auch das Wetter weitab von den Polen immer extremer werden könnte.

Das Meereis im Arktischen Ozean sei in diesem Sommer bereits auf eine Fläche auf 4,09 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen. Das sind fast 70.000 Quadratkilometer (etwa die Größe von Bayern) weniger als im September 2007, dem bisherigen Niedrigrekord. Es sei der tiefste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen durch Satellitenaufnahmen 1979, teilte das US-Schnee-und-Eis-Daten-Zentrum mit. In den kommenden Wochen dürfte das Eis noch weiter schmelzen.

Die neuen Erkenntnisse lassen die Hoffnung bei Forschern sinken, dass das "ewige Eis" überhaupt noch zu retten ist.

Ursache ist der Klimawandel

Das Meereis im Polarmeer nimmt normalerweise eine Fläche von mehr als 15 Millionen Quadratkilometern ein, schmilzt im Sommer und nimmt ab Mitte September wieder zu. Dafür, dass das Eis jetzt weit mehr als üblich schmilzt, macht Wissenschaftler Ted Scambos den durch Menschen verursachten Klimawandel (zur Infografik) verantwortlich.

Neben den Treibhausgasen gebe es auch natürliche Ursachen, wie einen Sturm, der im August Teile der Eisdecke zum Schmelzen gebracht habe, sagt Scambos. Doch die dramatische Eisschmelze, die seit 2007 alljährlich mit Ausnahme eines Jahres im Nordpolarmeer zu beobachten sei, zeige ein Muster, dass nur durch den Klimawandel erklärbar sei.

Eis hat Einfluss auf Wetter

Der jetzt erreichte Rekordwert sei ein "wesentlicher Schritt" hin zu einer Zeit, in der es in der Arktis im Sommer keine signifikante Meereisdecke mehr geben werde, sagte NASA-Chefwissenschaftler Waleed Abdalati. "Warum uns das Sorgen machen sollte? Weil dieses Eis ein wichtiger Faktor bei der Entstehung der Klima- und Wetterbedingungen war, unter denen die moderne Gesellschaft sich entwickelt hat", sagte Abdalati.

Wissenschaftlern zufolge hilft das Meereis im Arktischen Ozean die Temperaturen im Süden zu regulieren. Eine in diesem Jahr veröffentlichte Studie des Fachmagazins "Geophysical Research Letters" zeigte Zusammenhänge zwischen der Schmelze des arktischen Meereises und extremen Wetterphänomenen wie Dürren, Hochwasser sowie Kälte- und Hitzewellen auf.

Entwicklung verstärkt sich selbst

Es passiert folgendes: Eine geringere Eisausdehnung begünstigt die Erderwärmung, da weniger Sonnenlicht vom Eis reflektiert und so mehr Hitze im Ozean gespeichert wird. Die globale Erwärmung kann wiederum zu einem weiteren Schmelzen des Polareises führen.

"Im Kontext dessen, was in den vergangenen Jahren und seit Beginn der Satellitenmessungen passiert ist, zeigen diese Daten, dass die Eisfläche sich fundamental verändert", sagte NSIDC-Wissenschaftler Walt Meier. "Die Arktis war früher von vielschichtigem Eis, oder Eis, das mehrere Jahre lang bestehen blieb, dominiert. Jetzt wird es mehr zu einer saisonalen Eisfläche, und große Teile werden im Sommer verschwinden."

Keine Einigung auf Klimaabkommen

Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif äußerte im MDR 1 Radio Sachsen noch ein Fünkchen Hoffnung: "Ich gehe davon aus, dass der Prozess noch zu stoppen wäre. Zwar nicht sofort. Aber wenn man wirklich Ernst machen würde mit dem Klimaschutz, dann könnte man wahrscheinlich verhindern, dass die Arktis irgendwann im Sommer komplett eisfrei wäre." Derzeit würden aber die USA und China ein solches Abkommen blockieren.

Anfang der 1980er Jahre betrug die arktische Eisbedeckung im Sommer noch etwa sieben Millionen Quadratkilometer. In den vergangenen Jahren wurden vermehrt Hitzerekorde gemessen. So zählten 13 der vergangenen 15 Jahre zu den wärmsten Jahren seit Beginn der Messungen überhaupt.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige


shopping-portal