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Der eisige Nordosten Grönlands beginnt zu tauen

Von Axel Bojanowski

Aktualisiert am 17.03.2014Lesedauer: 2 Min.
Klimawandel: Die Gletscher Grönlands schrumpfen rasant
Alarmierende Beobachtung: Die Gletscher Grönlands schrumpfen rasant (Quelle: dpa-bilder)
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Als größtes Risiko des Klimawandels gilt der Eispanzer Grönlands. Wie stark wird die erwartete Erwärmung ihn tauen lassen? Das Schmelzwasser Grönlands entscheidet wesentlich darüber, wie hoch die Meere steigen werden. Neue Daten zeigen, dass der Eisverlust des Nordkontinents unterschätzt worden sein könnte.

Nach bisherigen Rechnungen trägt die Schmelze des Grönlandeises einen halben Millimeter zum Meeresspiegelanstieg von gut drei Millimetern pro Jahr bei. Das Tauwasser stammt nach bisherigen Erkenntnissen vor allem aus Gletschern im Südosten und Nordwesten des Landes. Nun aber zeigen Messungen, dass auch der Nordosten Grönlands schmilzt.


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Die Region habe jährlich zehn Milliarden Tonnen Eis verloren, berichten Forscher um Shfaqaz Khan von der Technical University of Denmark im Fachmagazin "Nature Climate Change".

Erkenntnis ist eine böse Überraschung

Damit dürfte der Nordosten Grönlands knapp 0,03 Millimeter pro Jahr zum Anstieg der Ozeane beigetragen haben, mithin knapp ein Zwanzigstel der Gesamtmenge Grönlands. Die Erkenntnis ist eine böse Überraschung: "Der Nordosten Grönlands ist sehr kalt, sein Eis galt als stabil", resümiert Mitautor Michael Bevis von der Ohio State University.

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"Aber unsere Studie zeigt, dass sich der Eisverlust im Nordosten beschleunigt." Es scheine mithin, dass alle Ränder Grönlands instabil seien.

Rasanter Eisverlust seit 2003

Die Forscher stützen sich auf Daten von GPS-Stationen entlang der grönländischen Küste, die per Satellit ihre Lage melden. Seit 2003 hätten die Stationen im Nordosten von Jahr zu Jahr höher gelegen, berichten Khan und seine Kollegen. Das Land habe sich also offenbar beschleunigt gehoben. Ursache wäre wohl der Verlust an Eismasse, vermuten die Experten.

Satellitenbilder der Landschaft stützten die Annahme, schreiben sie in der Studie. Vor 2003 hingegen sei die Region stabil gewesen.

Fatale Kettenreaktion

Ursache der Schmelze sei vermutlich eine Kettenreaktion: Im außergewöhnlich warmen Sommer 2003 taute ungewöhnlich viel Meereis vor der Küste Grönlands. Damit sei anscheinend eine wichtige Barriere gebröckelt, schreiben Khan und seine Kollegen: Der gigantische Zachariae-Eisstrom im Nordosten Grönlands, der bislang vom Meereis gebremst worden sei, habe Fahrt aufnehmen können - verstärkt bröckeln Eisberge ins Meer.

"Indirekte Rückkopplungen können die Gletscherschmelze verstärken", folgert Bevis. Grönlands Beitrag zum künftigen Meeresspiegelanstieg drohe mithin größer auszufallen als angenommen. Andere Messungen müssen die Daten aus Nordost-Grönland allerdings noch bestätigen.

Zu klären wird sein, warum etwa Messungen der Erdanziehungskraft in der Region bislang keine bedeutenden Änderungen der Eismasse zu zeigen schienen.

Schwierige Prognosen

Ob die Beschleunigung der Gletscher andauern wird, lässt sich nicht prognostizieren. Prognosen zur Grönlandschmelze gelten als besonders schwierig, zu viele Faktoren spielen eine Rolle. Verstärktes Tauen an den Rändern dürfte im Zuge der erwarteten Erwärmung teils ausgeglichen werden durch vermehrten Schneefall im Landesinneren, wo in höheren Lagen auch künftig ewiger Frost herrscht.

Und Daten aus früheren Warmzeiten legen nahe, dass Extremszenarien ausgeschlossen scheinen: Selbst bei einer Erwärmung von acht Grad bliebe demnach ein Großteil des Grönlandeises stabil.

Beschleunigtes Tauen Grönlands würde gleichwohl in den kommenden Jahrzehnten Hunderte Küstenstädte bedrohen. Die neue Studie unterstreicht das Risiko indirekter Effekte auf die Stabilität der Gletscher. Verlieren Eisströme ihren Halt, rutschen sie schneller ins Meer. Die Daten aus Grönlands Nordosten, meinen die Forscher, sollten eine Warnung sein.

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