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Drohnen-Technologie der Zukunft: Töten aus der Luft soll leichter werden

Die Drohnen-Technologie der Zukunft

29.05.2013, 13:19 Uhr | Von Markus Becker , Spiegel Online

Drohnen-Technologie der Zukunft: Töten aus der Luft soll leichter werden . Eine Drohne der US Air Force über Afghanistan (Quelle: AFP)

Eine Drohne der US Air Force über Afghanistan (Quelle: AFP)

Trotz des "Euro Hawk"-Debakels ist die Einführung bewaffneter Drohnen noch lange nicht vom Tisch. Die Vertreter der Rüstungsindustrie geben sich selbstbewusst - und präsentieren neue Waffen, die den Einsatz der fliegenden Killer noch leichter machen sollen.

Der "Euro Hawk" ist zum Millionengrab geworden, und auch die Anschaffung bewaffneter Drohnen ist fürs Erste kein Thema mehr: Verteidigungsminister Thomas de Maizère hat das ungeliebte Thema kurzerhand auf die Zeit nach der Bundestagswahl im September verschoben. Tot ist die Debatte um deutsche Kampfdrohnen damit aber keinesfalls. Im Hintergrund wird sie intensiv weitergeführt - mit kleineren Waffen und kleineren Worten.

Auf einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT) in Bonn wird derzeit klar, wie das geht. Deutsche Kampfdrohnen sollten mit "kleinen, agilen und angepassten Wirkmitteln" ausgestattet werden, sagte ein Luftwaffen-Oberst. Übersetzt heißt das: Die Drohnen sollen Bomben und Raketen tragen, die nicht gleich ganze Häuser einebnen, sondern eben nur einzelne Menschen töten. Wobei es aber auch gar nicht wirklich uns Töten gehe, wie der Oberst in seinem Vortrag betonte, sondern darum, "einen Effekt zu erzielen".

Rüstungsindustrie arbeitet an kleineren Waffen

In einem sind sich die Teilnehmer der Tagung weitgehend einig: Bewaffnete Drohnen, im Fachjargon "Unmanned Combat Aerial Vehicles" (UCAV), werden bei der Bundeswehr eingeführt. Die Frage sei nur noch, welches System wann komme. Auch im Bundestag seien sich alle Parteien mit Ausnahme der Linken darin einig, "dass die Anschaffung bewaffneter Drohnen unausweichlich ist, aber erst nach der Bundestagswahl im September diskutiert werden kann", behauptet ein Vertreter eines Rüstungsunternehmens.

Dann aber dürfte die Debatte mit Macht zurückkommen. Erst im Januar hatte de Maizière mit seinem Bekenntnis zur Kampfdrohnen-Beschaffung für helle Empörung gesorgt. Seitdem ist klar, dass das schießende Fluggerät in Deutschland nach wie vor meist mit dem Anti-Terror-Krieg der USA in Verbindung gebracht wird, dem nicht nur Taliban und al-Qaida-Mitglieder, sondern auch Tausende Zivilisten zum Opfer gefallen sind.

Kleinere Drohnen und Lenkwaffen könnten die Zahl ziviler Opfer pro Angriff zwar tatsächlich senken - allerdings auch die Hemmschwelle beim Militär, wie Kritiker argwöhnen. Am Ende könnte es noch mehr tödliche Drohnen-Angriffe geben, die zugleich weniger öffentliche Beachtung finden.

Die Rüstungsindustrie spielt tatkräftig mit beim Schrumpfen von Drohnen und Waffen. Der internationale Flugkörper-Hersteller MBDA etwa präsentiert in Bonn einen Film im Stil eines Computerspiels, der die Vorzüge künftiger Mini-Raketen zeigt. Bereits Realität ist dagegen die "Enforcer"-Rakete, die ganze sechs Kilogramm wiegt. Zum Vergleich: Die "Hellfire", die Standardbewaffnung der "Predator"- und "Reaper"-Drohnen, bringt einen knappen Zentner auf die Waage. Bisher ist die "Enforcer" zwar nur als Waffe für Bodentruppen getestet worden, nach Auskunft von MBDA wäre ein Einsatz an Drohnen aber absolut möglich. Das gleiche gelte für die 20 Kilogramm schwere Bombe "Viper-E" sowie die "Saber", die je nach Variante 5 bis 15 Kilogramm wiegt. Noch kleiner ist die "Spike"-Rakete, die seit einigen Jahren von der US-Marine entwickelt wird: Sie ist knapp 64 Zentimeter lang und wiegt lediglich zweieinhalb Kilo.

Bundeswehr-Interesse an "Reaper"-Drohne

Das teure Debakel des "Euro Hawk" gilt keinesfalls als Hindernis einer Kampfdrohnen-Anschaffung durch die Bundeswehr. Bei der US-Firma General Atomics, dem Hersteller der amerikanischen "Predator"- und "Reaper"-Drohnen, nutzt man das Debakel gar als Verkaufsargument für die eigenen Produkte.

Das Haupthindernis für die Einführung des "Euro Hawk" war, dass der Hersteller Northrop Grumman wichtige technische Details für die sogenannte Musterzulassung durch die deutschen Behörden nicht herausrücken wollte. Ein Grund: Der "Global Hawk" war eine Auftragsarbeit der US-Regierung, die damit auch die Rechte an den Konstruktionsdetails besitzt. Hinzu kam, dass mit der Umrüstung vom "Global Hawk" zum "Euro Hawk" ausgerechnet das EADS-Tochterunternehmen Cassidian beauftrag war - ein direkter Konkurrent von Northrop Grumman.

Die "Predator"-Modelle wurden dagegen von General Atomics in Eigenregie und auf eigene Kosten entwickelt, sagt Rudolf Meinhardt von der Dresdner Firma Spezialtechnik, der deutschen Dependance von General Atomics. Notwendig für den Export der Kampfdrohnen nach Deutschland sei damit nur noch die Erlaubnis des US-Kongresses - und die liegt seit Ende April vor.

EADS hofft auf Anschaffung von Israels "Heron"-Drohne

Um das Placet der deutschen Behörden zu bekommen, arbeitet General Atomics mit dem Schweizer Ruag-Konzern zusammen - und das bereits schon seit längerem. "Wir haben vor zwei Jahren ein Programm gestartet, um zu klären, welche Bedingungen für die Musterzulassung in Deutschland zu erfüllen wären", sagt Meinhardt. Gemeint ist damit allerdings nur eine Zulassung für den militärischen Betrieb, nicht für den allgemeinen Luftraum Deutschlands. Hier sehen die Beteiligten nach wie vor enorm hohe Hürden.

Das Interesse bei der Bundeswehr ist offensichtlich. Luftwaffeninspekteur Karl Müllner besuchte vor rund zwei Wochen am Rande eines Truppenbesuchs bei deutschen Piloten in den USA auch den Hersteller der "Reaper"-Drohne und ließ sich den unbemannten Kampfflieger dort vorführen. Allein die vielfachen Erfahrungen der US-Luftwaffe in Afghanistan lassen das amerikanische Modell für die Strategen attraktiv wirken.

Allerdings könnte die Luftwaffe statt der "Reaper" auch eine bewaffnete Version der israelischen "Heron" beschaffen, die von der Bundeswehr bereits seit einiger Zeit als Späher eingesetzt wird - wenn auch bisher nur im Rahmen eines Leasing-Vertrags. Schon im Januar preschte EADS mit der Ankündigung vor, die "Heron" innerhalb von nur einem Jahr bewaffnen zu können.

Zwar wäre die "Reaper" in Sachen Reichweite und Waffenlast weitaus leistungsfähiger als die "Heron". Doch deren Umbau brächte dem EADS-Konzern einen weiteren lukrativen Auftrag ein. Beobachter halten es deshalb nicht für unwahrscheinlich, dass die "Heron" aus diesem Grund am Ende das Rennen machen wird.

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