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Hyperschall-Drohne soll 2000 Meter pro Sekunde fliegen

US-Spionageprojekt  

Hyperschall-Drohne soll 2000 Meter pro Sekunde fliegen

02.11.2013, 18:36 Uhr | ore, Spiegel Online

Hyperschall-Drohne soll 2000 Meter pro Sekunde fliegen. So soll die SR-72 einmal aussehen. (Quelle: Reuters/Lockheed Martin)

So soll die SR-72 einmal aussehen. (Quelle: Lockheed Martin/Reuters)

Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin will ein unbemanntes Militärflugzeug bauen, das ganz von alleine auf sechsfache Schallgeschwindigkeit beschleunigen kann. Ein technologischer Durchbruch soll die SR-72 möglich machen.

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Das legendäre Spionageflugzeug SR-71, besser bekannt unter dem Namen Blackbird, soll einen Nachfolger bekommen: Lockheed Martin arbeitet an einem unbemannten Flugzeug, das mit sechsfacher Schallgeschwindigkeit sogar doppelt so schnell sein soll - und dieses Tempo ohne fremde Hilfe mit seinen beiden Triebwerken erreichen kann.

Kombination zweier Antriebstypen macht es möglich

Möglich machen soll das ein technischer Durchbruch, berichtet das Fachmagazin "Aviation Week". Denn herkömmliche Triebwerke mit Schaufelrädern können ein Flugzeug nur auf Mach 2,5 beschleunigen. Die sogenannten Scramjet-Triebwerke aber, die Flugzeuge schon auf mehr als zehnfache Schallgeschwindigkeit katapultiert haben, funktionieren erst zwischen Mach 3 und 3,5. Dabei nutzen sie den Effekt, dass die Luft bei hohem Tempo mit enormen Druck in den Einlass gepresst wird.

Die Kombination beider Antriebstypen in einem Triebwerk ist eine Herausforderung, die Lockheed Martin zusammen mit dem Antriebshersteller Rocketdyne nach sieben Jahren Forschungsarbeit gelöst haben will. Details wollen die Firmen vorerst nicht verraten, geben sich aber zuversichtlich: Ein erster Prototyp könnte 2018 fertig sein, eine kleine Testversion mit einem Triebwerk 2023 abheben.

Mehr Tempo mit Scramjet-Antrieb

Dazu müsste allerdings die Air Force in das Projekt einsteigen und bei der Finanzierung helfen. Eine richtige SR-72 mit zwei Triebwerken könnte dann 2030 fliegen, glaubt der zuständige Manager von Lockheed Martin. Die Bemühungen der Forschungsabteilung des Pentagons, der Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa), ein solches Kombi-Triebwerk zu entwickeln, sind offenbar noch weit von einem ähnlichen Durchbruch entfernt.

Im vergangenen Jahr testete die Darpa das zusammen mit Boeing entwickelte Hyperschallgefährt X-51A. Das Flugzeug musste dazu jedoch erst von einem B-52-Bomber in die Luft gebracht werden - um dann in 15 Kilometern Höhe zunächst mit einem Raketentriebwerk zu beschleunigen. Bei viereinhalbfacher Schallgeschwindigkeit erst übernahm ein sogenannter Scramjet-Antrieb und erhöhte das Tempo weiter.

Auch die Alternative, an der das US-Militär arbeitet, muss zunächst mit einer Rakete in den erdnahen Weltraum gebracht werden: Den Hyperschall-Gleiter bringt eine Rakete in den erdnahen Weltraum, dann stürzt das Flugobjekt seinem Ziel entgegen.

Binnen Minuten am Einsatzort

Im Gegensatz dazu soll die SR-72 eigenständig vom Boden starten und beschleunigen können. Völlig neu entwickelt werden müsste das Triebwerk wohl auch nicht: Die Rüstungskonzerne wollen herkömmliche Modelle, wie sie bei diversen Kampfjets zum Einsatz kommen, für den Hyperschalleinsatz modifizieren.

Schon beim Blackbird SR-71 hatten die Ingenieure beide Antriebstypen kombiniert und mit der damaligen Technik eine Geschwindigkeit von Mach 3,2 erreichen können. Doch der extrem teure Hyperschalljet, von dem es insgesamt 32 gab, wurde 1998 außer Dienst gestellt. Seit mehreren Jahren sucht das Pentagon nun schon einen Nachfolger.

Denn bis ein Spionagesatellit eine Position in der Erdumlaufbahn erreicht hat, von dem er sein Ziel ausforschen kann, können viele Stunden vergehen. Ein Jet mit sechsfacher Schallgeschwindigkeit könnte hingegen binnen Minuten am Einsatzort eintreffen. Dabei denkt das Pentagon nicht mehr nur an Aufklärung: Auf Besatzung soll der Hyperschalljet künftig verzichten, dafür aber bei Bedarf mit Waffen ausgestattet werden können.

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