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Drohnenmesse in Florida: Der ferngesteuerte Tod

Weltgrößte Drohnenmesse  

Der ferngesteuerte Tod

14.05.2014, 10:48 Uhr | Von Markus Becker, Spiegel Online

Drohnenmesse in Florida: Der ferngesteuerte Tod. Zur Flotte der unbemannten Kampfdrohnen des US-Militärs zählt die Predator B - hier auf ihrem Stützpunkt in Corpus Christi, Texas (Quelle: dpa)

Zur Flotte der unbemannten Kampfdrohnen des US-Militärs zählt die Predator B - hier auf ihrem Stützpunkt in Corpus Christi, Texas (Quelle: dpa)

In Florida hat eines der größten Treffen der Drohnenbranche begonnen. Zum Auftakt ließ ausgerechnet das sonst so schweigsame US-Militär drei Topexperten Interna ausplaudern. Begeistert berichten sie von der tödlichen Effizienz ihrer Waffen.

Jim Gear ist in seinem Element. Seit elf Jahren gehöre er nun der Drohnen-Community an. "Faszinierend" sei das. Mit großen, mittleren und kleinen unbemannten Flugkörpern (UAS) habe er zu tun gehabt. "Einfach faszinierend" sei das. Gear, Oberst im Ruhestand und bis vor kurzem Direktor der Drohnen-Taskforce der U.S. Air Force, steht auf und wirkt, als platze er vor Stolz aus dem Anzug. Die drei Männer neben ihm seien "das Beste, was das Verteidigungsministerium in Sachen unbemannte Flugzeuge zu bieten habe." Sie seien gemeinsam für über 95 Prozent aller UAS-Flugstunden der US-Streitkräfte verantwortlich.

Es ist ein bemerkenswerter Auftakt zu einer der größten Konferenzen der Drohnenbranche, der "Unmanned Systems"-Tagung der Association for Unmanned Vehicle Systems International (AUVSI) in Orlando, US-Staat Florida. Mehr als 600 Aussteller, über 8000 Teilnehmer aus 55 Nationen sind dabei.

Bislang war US-Militär verschwiegen

Während im Erdgeschoss des Orange County Convention Center noch die Messestände aufgebaut werden, geht es ein Stockwerk darüber schon ums Eingemachte. Bei Informationen über unbemannte Flugzeuge, insbesondere der bewaffneten Sorte, war das US-Militär bislang äußerst schmallippig.

Und nun sollen gleich drei Topvertreter des Drohnenprogramms öffentlich über ihre wichtigsten Projekte berichten: James Cluff, Herr über die "Reaper"- und "Predator"-Kampfdrohnen der Air Force, John Thurman, Kommandant einer Aufklärungsdrohneneinheit des US-Marinekorps und Nick Kioutas, verantwortlich für Entwicklung und Kauf kleiner Spähdrohnen der U.S. Army.

"Diese Männer nehmen das, was Sie bauen, aufs Schlachtfeld", ruft Gear ins Publikum, das zu einem großen Teil aus Vertretern von Rüstungsfirmen bestehen dürfte. Was genau das bedeutet, macht Cluff anschließend klar, der als Chef des 432nd Air Expeditionary Wing der US-Luftwaffe auf der Creech Air Force Base mehr als 130 "Predator"- und "Reaper"-Kampfdrohnen befehligt. Hunderte Terrorverdächtige und Taliban wurden mit ihrer Hilfe getötet - und vermutlich auch Hunderte Zivilisten, genaue Zahlen sind unbekannt. Bei Cluff aber klingt das eher wie ein Verwaltungsakt.

Flugfähig vom Hoteldach

"Revolutionär" sei die Art und Weise, wie die Air Force Drohnen einsetze, schwärmt Cluff. Als Kommandant des Geschwaders kontrolliere er 80 bis 85 Prozent aller "Reaper"- und "Predator"-Flugrouten - "und das alles von der Creech Air Force Base aus". Die überwältigende Mehrheit seiner Piloten könne an ihrem Heimatstützpunkt bleiben. "So können wir massive Feuerkraft dort konzentrieren, wo sie am meisten benötigt wird." Wer heute über Afghanistan geflogen sei, könne morgen schon über Afrika fliegen. "Das", sagt Cluff, "ist Effizienz, wie sie besser nicht sein kann".

Das sei wie im Cyber-Krieg, der auch nicht mehr geografisch geführt werde. "Strom, Datenverbindung und eine Klimaanlage" - mehr brauche er nicht, um seine Drohnen einzusetzen. "Ich könnte sie zur Not auch vom Dach des Hotels Bellagio in Las Vegas fliegen."

Marinekorps-Oberst Thurman wird noch konkreter: Eine Spähdrohne habe in Afghanistan Aufständische dabei beobachtet, wie sie einen Sprengsatz am Straßenrand deponierten - konnte aber selbst nicht eingreifen, da sie nicht bewaffnet war.

"Kill Chain" konnte verkürzt werden

Der Missionsleiter habe bemerkt, dass sich F-18-Kampfflugzeuge in der Gegend aufhielten. Die mussten allerdings erst in der Luft betankt werden, und während der gesamten Prozedur hätte die Drohne die Aufständischen im Visier behalten, auch als sie flüchteten. Erst nach dem Tankmanöver kamen die F-18-Jets zurück und schossen eine Rakete auf die Männer ab.

Das, findet Thurman, sei ein Beispiel für eine gelungene Kommunikation zwischen unterschiedlichen Stellen: Die Zeit zwischen Erkennen und Vernichten eines Ziels - die "Kill Chain" - sei bedeutend verkürzt worden. Dass der Schuss juristisch möglicherweise fragwürdig war, da keine unmittelbare Bedrohung für eigene Truppen bestand, thematisierte Thurman freilich nicht.

Autonome Kampfroboter - nur eine Vision?

Dann aber störte doch noch jemand die brancheninterne Harmonie. Halb ernst, halb belustigt erwähnt ein Mann aus dem Publikum, dass am Montag eine Uno-Konferenz über "Killer-Roboter" begonnen habe. "Sehr emotional" sei das Thema, seufzt Cluff - "weil die Leute die Systeme nicht verstehen".

Er könne "garantieren, dass es derzeit bei der Air Force kein autonomes System gibt, das aus seiner eigenen kognitiven Fähigkeit heraus Ziele aussucht und schießt". Und er glaube auch nicht, dass die Air Force dergleichen "in den nächsten Generationen" geschehen lassen werde. Auch Kioutas kann sich nach eigenen Angaben "nicht vorstellen, dass es selbstständig tötende Roboter jemals geben wird".

Manche Experten für künstliche Intelligenz und Robotik sehen das freilich völlig anders. In Genf etwa treffen zwei Professoren für Robotik und künstliche Intelligenz, der US-Amerikaner Ronald Arkin und der Brite Noel Sharkey, aufeinander. Während Arkin glaubt, autonome Kampfroboter könnten die Kriege der Zukunft ethischer machen, befürchtet Sharkey das Gegenteil. Doch dass es solche Maschinen in naher Zukunft geben könnte, bezweifelt keiner von beiden.

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