Sie sind hier: Home > Panorama > Buntes >

Karl Marx: Wie Chemnitz sein Markenzeichen vermarktet

Karl Marx auf Likörflaschen  

Wie Chemnitz sein Markenzeichen vermarktet

03.01.2008, 12:12 Uhr | Von Mareen Winter, dpa

Wieder in: das Kar-Marx-Monument in Chemnitz (Quelle: dpa)Wieder in: das Kar-Marx-Monument in Chemnitz (Quelle: dpa) Er ziert kleine Likörflaschen, Kaffeetassen und inzwischen sogar USB-Sticks. Den Vater des Kommunistischen Manifestes von 1848 gibt es als Plastikbüste in Groß- und Kleinformat und auf zahlreichen Postkarten. Gemessen an den Souvenirs ist der Philosoph Karl Marx, der von 1818 bis 1883 lebte und mit Friedrich Engels die marxistische Gesellschaftstheorie entwickelte, immer noch das Aushängeschild von Chemnitz - jener Stadt, die zwischen 1953 und dem Wendejahr 1990 seinen Namen trug. Das überdimensionale Monument seines Kopfes in der Innenstadt aus dem Jahre 1971 ist 17 Jahre nach der Wiedervereinigung zweifellos immer noch das beliebteste Fotomotiv der Stadt.

"Stadt der Moderne"
Direkt werben will Chemnitz aber nicht mehr mit dem "Nischel", wie der sächsische Volksmund für Kopf sagt. Der Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft CMT, Michael Quast, trimmt das Stadtmarketing auf den neuen Leitspruch "Stadt der Moderne". Damit soll an die wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit der Industriestadt Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert werden. Zugleich spiegele der Slogan auch den Aufbruch nach dem Ende der DDR wider. Da passt die Bronzeplastik nicht mehr ganz ins Konzept. Aber: "Solange die Touristen am Marx-Monument interessiert sind, werden wir auch an den Souvenirs festhalten", gibt Quast zu.

"Trinker aller Länder"
Ihr Image als einstige sozialistische Musterstadt vermarktet Chemnitz inzwischen mit einer Portion Humor. "Trinker aller Länder vereinigt euch" heißt es etwa auf dem Etikett einer Likörflasche mit dem Titel "Denkerschluck". Eine Kaffeetasse wirbt mit "Tröpfchen aus Chemnitz - Stadt mit Köpfchen". Gingen die Bewohner zu DDR-Zeiten eher herablassend mit ihrem einstigen Namensgeber um, sympathisieren sie inzwischen mit dem großen bronzenen Haupt des Philosophen. Der Kopf gehört auch für die Jüngeren selbstverständlich zum Stadtbild.

Das erste, was einfällt
"Das Monument ist das erste, was den Leuten einfällt, wenn sie an Chemnitz denken", weiß Tina Hausotter von den Jungen Liberalen. Auch Romina Vollhardt, Chefin des Chemnitzer Stadtverbandes der sonst extrem DDR-kritischen Jungen Union zählt den Karl-Marx-Kopf zu den sehenswertesten Dingen der Stadt. Das Monument sei heute ein Mahnmal für eine vergangene Zeit. Ein Chemnitz ohne Kopf ist für beide Nachwuchspolitikerinnen undenkbar.

Aufschrei wegen Abbaus
Als ein litauischer Künstler die über sieben Meter große Plastik im Frühjahr 2007 abbauen und für einen Sommer als Kunstobjekt in Münster ausstellen wollte, ging ein Aufschrei durch die Stadt. In Internetumfragen sprachen sich mehr als drei Viertel der Chemnitzer gegen den Verleih aus; Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig legte daraufhin ihr Veto ein. Wer den "Nischel" sehen wolle, der müsse schon nach Chemnitz kommen, forderte das sozialdemokratische Stadtoberhaupt forsch.

Aktion zum Nachdenken
Lange stand das Monument nicht mehr im Blickpunkt. Im Sommer soll der Kopf nun für einige Monate verhüllt werden und so vorübergehend aus dem Stadtbild verschwinden. "Wir wollen zum Nachdenken über Marx anregen und fragen, was den Chemnitzern der Philosoph noch bedeutet", erklärt Initiator Mathias Lindern, Leiter Neuen Sächsischen Galerie. Denn eigentlich, ruft Lindner seinen Mitbürgern in Erinnerung, hat Marx mit Chemnitz nie etwas zu tun gehabt. Das DDR-Regime hatte diesen Zusammenhang zu Propagandazwecken künstlich hergestellt. Daher könne der Kopf auch kein wirkliches Wahrzeichen der Stadt sein.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Luftig-leichte Looks in Großen Größen entdecken
jetzt bei C&A
Gerry Weberbonprix.deOTTOCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe