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"Todesdreieck" um Neapel: Krebs und Missbildungen durch Müllhalden

"Todesdreieck" um Neapel  

Illegale Müllhalden machen die Menschen krank

25.04.2008, 12:27 Uhr | Von Katia Dolmadjian, AFP

Mit Dioxin verseuchter Mozzarella verdarb kürzlich Feinschmeckern aus der ganzen Welt den Appetit. Dieser Skandal ist allerdings nur eine Facette der regelrechten Ökokatastrophe, die sich in der Region Neapel abspielt. Illegale Müllkippen der Mafia vergiften die Umwelt und machen die Menschen todkrank. Krebs und Missbildungen nehmen so stark zu, dass unter Medizinern schon von einem "Todesdreieck" die Rede ist. Rings um Neapel begann deshalb in dieser Woche eine Untersuchung der Bevölkerung auf mögliche Gesundheitsschäden infolge des Müllskandals: Bei 900 Personen werden Blut und Muttermilch beispielsweise auf Rückstände von Dioxin und Schwermetallen untersucht.

In Neapel türmte sich der Müll - die Menschen wurden krank (Quelle: dpa)In Neapel türmte sich der Müll - die Menschen wurden krank (Quelle: dpa)

14.000 Meter hoher Berg

Es sind unvorstellbare Mengen Müll, die mafiöse Clans unter der Hand verschwinden lassen. "Wenn man diese Abfälle sammeln würde, erhielte man einen Berg von 14.000 Metern Höhe, also den höchsten Berg auf der ganzen Welt", schrieb kürzlich der Journalist und Schriftsteller Roberto Saviano, Symbolfigur im Kampf gegen die organisierte Kriminalität.

Neapel Eine Stadt versinkt im Müll
Foto-Serie Die Stadt, der Müll und der Protest
Deutschland Dreckige Geschäfte mit Italiens Müll

Immer mehr Krebskranke

Die riesigen, stinkenden Müllberge, die den Kommunen vor einigen Monaten im Zuge der Abfallkrise zu schaffen machten, sind zwar verschwunden. Doch das Müllproblem ist längst noch nicht gelöst. Das zeigt ein Blick auf die Todesfall-Statistiken: So steigt die Krebsrate so stark an, dass die medizinische Fachzeitschrift "The Lancet" die Region um Neapel 2004 in "Todesdreieck" umtaufte.

Heimlich Abfälle vergraben

"Es ist eindeutig, dass die Sterblichkeitsrate der Bevölkerung in der Nähe von Müllhalden und Orten, wo heimlich Abfälle vergraben werden, höher ist", sagt Giuseppe Comella, Chef am Nationalen Krebsforschungsinstitut in Neapel. Nach Angaben des Onkologen und Toxikologen Antonio Marfella nehmen genau jene Krebsarten zu, die auf Umwelteinflüsse zurückzuführen sind. So gibt es beispielsweise bis zu dreimal mehr Krebserkrankungen der Leber - ein Organ, das bei Umweltverschmutzung mehr leisten muss.

Missbildungen nehmen zu

Mit Sorge registrieren die Mediziner auch, dass angeborene Missbildungen zunehmen. Schuld seien Schwermetalle, die sich im Nervensystem ansammeln, erklärt Comella. "Und man darf nicht vergessen, dass die Babys dann an der Brust der Mutter mit Dioxin verseuchte Muttermilch trinken", fügte er hinzu. Der Schadstoff setze sich nämlich im Fett der Milch ab.

Mengen von Blei und Dioxin

In der Stadt Acerra in der Provinz Neapel, wurden auf Grundstücken Mengen von Blei und Dioxin gefunden, die weit über den zulässigen Grenzwerten liegen. Das brachte im März die Studie einer regionalen Umweltschutzagentur ans Tageslicht, die anlässlich des Baus einer Müllverbrennungsanlage Bodenproben analysiert hatte.

Schafe als "ökologische Wachtposten"

Um das Ausmaß der Umweltkatastrophe zu begreifen, müsse man sich nur die Schafe anschauen, sagt Antonio Marfella. Diese seien "ökologische Wachtposten" par excellence. "Die Schafe begannen 1986 zu sterben. Seither schlachtet man sie still und heimlich und ohne Fragen zu stellen."

Grundwasser stark belastet

Die Büffel, aus deren Milch der weltweit begehrte Mozzarella hergestellt wird, seien hingegen längst weggesperrt worden. "Sie sollen nur noch Nahrung bekommen, die streng kontrolliert wurde", sagt der Krebsforscher. Seiner Ansicht nach ist der verseuchte Mozzarella "nur die Spitze des Eisbergs". Sorgen bereiten ihm vor allem belastetes Grundwasser und verseuchte Wiesen, auf denen dann die Tiere grasen.

"Wir zählen nicht für die Industrie"

Jenseits der Mozzarella-Produktion sei nichts passiert, klagt auch der Neurologe Gennaro Esposito. Er arbeitet in der Gemeinde Saviano, also mitten im "Todesdreieck". "Wir sind eben kein Mozzarella. Wir sind keine Büffelmilch. Deshalb zählen wir nicht für die Industrie, und deshalb wird unser Fall ignoriert", klagt er. Vorstöße der Gesundheits- und Justizbehörden hätten keinen Erfolg gebracht.

Sessel heißt: Weiter Müll abladen

Unterdessen werden die Straßen der Gegend weiter von kleineren Abfallhaufen gesäumt. Auf einem, nahe Acerra, steht ein Sessel. In der Geheimsprache der Camorra - Kampaniens Mafia - bedeutet das, dass auf dieser improvisierten Deponie noch Müll abgeladen werden kann. Ein umgefallener Sessel hingegen signalisiert, dass der Platz voll ist.

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