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Mietrecht: Deutschlandfahne am Balkon -Vermieterin droht mit Klage

Deutschlandfahne am Balkon: Vermieterin droht mit Klage

18.06.2008, 18:39 Uhr

Mieterin Michaela Wagner zeigt stolz ihre große Deutschlandfahne auf dem Balkon. Dem Vermieter gefällt das gar nicht (Quelle: dpa)Mieterin Michaela Wagner zeigt stolz ihre große Deutschlandfahne auf dem Balkon. Dem Vermieter gefällt das gar nicht (Quelle: dpa) Trotz mäßiger Leistungen der deutschen Kicker bei der EM in Österreich und der Schweiz ist die Fußballbegeisterung hierzulande wieder groß. Schwarz-rot-goldene Fahnen überall an Autos, Fenstern und Balkonen zeugen davon. Doch ungeteilt ist die Freude nicht: Familie Wagner aus der Oberpfalz hat jetzt Ärger bekommen - mit dem Vermieter.

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Abmahnung vom Anwalt

Die Wagners aus dem Örtchen Ebermannsdorf hatten Anfang Juni Balkon und Fenster des Kinderzimmers ordentlich beflaggt. Prompt flatterte ein Brief vom Anwalt der Vermieterin ins Haus. Mit der Abmahnung wurden die Eltern aufgefordert, die Flaggen sofort wieder abzunehmen. Sie seien "überdimensioniert und übertrieben". Andernfalls drohe eine Klage.

"Die Fahnen bleiben"

Die Wagners sind empört: "Die Fahnen bleiben. Das stört doch wirklich keinen", sagte Manuela Wagner dem "Oberpfalznetz". Ihr Mann erklärte: "Wir haben extra keine Fahnenhalterung angebracht. Sie halten durch Kabelbinder und sind zusätzlich noch unter die Blumenkästen geklemmt." Durch den Brief will sich die Familie auf keinen Fall einschüchtern lassen.

"Superbeispiel für Kleinkariertheit"

Muss sie auch nicht, denn die Beflaggung ist grundsätzlich erlaubt. Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund hält die Forderung der Vermieterin für "albern". "Das ist ein Superbeispiel für Kleinkariertheit", belustigt sich der Experte. "So lange die Fahne den Nachbarn nicht vor dem Fenstern hängt oder Passanten gefährdet sind, weil ihnen die Fahne auf den Kopf fallen kann, ist das nicht verboten", erklärt Ropertz gegenüber t-online.de.

Bitte um Toleranz

Das Problem wäre seiner Ansicht nach am besten durch einen persönlichen Brief an den Vermieter mit der Bitte um etwas Toleranz zu lösen. Schließlich dauere die EM ja nur bis Ende Juni und danach kommt die Beflaggung wieder weg.

Vor Gericht keine Chance

Auch Stefan Hein, Fachanwalt für Mietrecht, sieht die nach außen gekehrte Fußballbegeisterung grundsätzlich unkritisch. "Nur wenn eine Halterung an der Fassade angebracht wird, muss der Vermieter gefragt werden". Im vorliegenden Fall habe der Hauseigentümer aber wohl vor Gericht keine Chance, so Hein zu t-online.de.

Verstoß gegen Denkmalschutz

Nach der EM kann aber die Gemeinde verlangen, dass die Fahnen wieder abgenommen werden. Das jedenfalls verlangte die Stadt Heidelberg nach der Fußballweltmeisterschaft vor zwei Jahren. Besonders in der Altstadt verstießen die an den Fassaden hängenden Flaggen gegen die Vorschriften des Bau- und Denkmalschutzes. Das Amt hatte zwar nach eigenen Angaben während der WM beide Augen zugedrückt, doch nach dem Sommermärchen gab es kein Pardon mehr: Die Fahnen mussten eingeholt werden.

Familie zieht aus

Für Familie Wagner hat der Streit mit der Vermieterin bald ein Ende: Sie hat das Mietverhältnis schon gekündigt.

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